Erlangen
Studie

Patienten klettern zum Erfolg

Ein Forscherteam der Erlanger Uni hat die Langzeitwirkung einer Bouldertherapie gegen Depressionen nachgewiesen.
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Keine Angst vor neuen Herausforderungen: Beim angeleiteten Bouldern lernen die Depressionspatienten ihre Grenzen und Möglichkeiten kennen.  Uni-Klinikum Erlangen
Keine Angst vor neuen Herausforderungen: Beim angeleiteten Bouldern lernen die Depressionspatienten ihre Grenzen und Möglichkeiten kennen. Uni-Klinikum Erlangen
Bouldern hilft gegen Depressionen - das konnte ein Forscherteam der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen in einer Pilotstudie in den Jahren 2013 und 2014 bereits nachweisen. Aber ist dieser Effekt auch nachhaltig? Jetzt liegen Langzeitdaten aus der Nachbeobachtung der damaligen Teilnehmer vor. Die Ergebnisse zeigen: Der positive Behandlungsfortschritt durch das Bouldern hält auch noch fünf bis 16 Monate nach Abschluss der Therapie an. Aktuell läuft eine Fortsetzung des vielversprechenden Projekts in Erlangen und Weyarn bei München - es sind noch Plätze frei, teilt das Uniklinikum mit.
Menschen, die an einer Depression leiden, fühlen sich meist kraft- und antriebslos, sie haben das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten verloren und schaffen es mitunter nicht, sich auf konkrete Handlungen zu konzentrieren. Schon länger gilt Sport als eine Therapiemöglichkeit. Ein Erlanger Forscherteam um Dr. Katharina Luttenberger, Psychologin an der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen, untersucht aktuell, wie sich eine neuartige Bouldertherapie auf ambulante Depressionspatienten auswirkt.


Grenzen werden erweitert

Bouldern - das Klettern ohne Seil in Absprunghöhe - verlangt vom Kletternden Konzentration und Ausdauer und schenkt im Gegenzug schnelle Erfolgserlebnisse und Selbstvertrauen. Die Erfahrungen der Pilotstudie haben gezeigt: Die Teilnehmer konnten positive Erfahrungen sammeln, ihre eigenen Grenzen wahrnehmen, akzeptieren, aber auch erweitern.
"In der Auswertung der wissenschaftlichen Ergebnisse zeigte sich eine deutliche Verbesserung der depressiven Symptomatik über das Boulderprogramm hinweg", freut sich die Studienleiterin Luttenberger. "Mit den neuen Daten der Nachbeobachtung, die fünf bis sechzehn Monate nach der Therapie durchgeführt wurde, konnten wir jetzt zusätzlich zeigen, dass die positiven Ergebnisse anhalten und unsere Patienten im Mittel weiterhin nur noch leichte depressive Symptome erleben."
Wer auch von diesen Effekten profitieren möchte, der hat jetzt die Chance dazu, heißt es in der Mitteilung des Uniklinikums weiter. Denn bereits seit Frühjahr 2017 läuft eine Nachfolgestudie, mit der die Forscher noch einen Schritt weitergehen und die Bouldertherapie in größerem Rahmen mit bewährten Depressionsbehandlungen vergleichen. Aufgrund vieler positiver Rückmeldungen der bisherigen Teilnehmer wird es einen vierten Durchgang der aktuellen Studie geben. Alle Interessierten sind eingeladen, die Informationsveranstaltungen zu besuchen, das Studienteam kennenzulernen und sich auf Wunsch gleich für die Teilnahme registrieren zu lassen.

Informationsveranstaltungen Montag, 15. Januar, oder Dienstag, 6. Februar, jeweils um 16.30 Uhr im Wintergarten der Tagesklinik der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik, Schwabachanlage 6, 3. Stock, 91054 Erlangen. Es werden Hinweisschildern aufgestellt.

Gruppentherapien Die letzten Gruppentherapien starten Ende Februar/Anfang März 2018 und dauern jeweils insgesamt zehn Wochen. Im Raum Erlangen ist
Start am 27. Februar, immer dienstags von 16.30 bis 18.30 Uhr, entweder in der Boulderhalle "Der Steinbock" in Zirndorf oder in den Kopfkliniken des Uni-Klinikums Erlangen.

Dokumentation und Finanzierung Die Protokollierung der Ergebnisse erfolgt durch Telefoninterviews mit den Probanden. Selbstverständlich werden die Angaben streng vertraulich behandelt. Die Teilnahme ist für alle zugelassenen Patienten kostenlos. Finanziert wird die Studie von der Oh-Do-Kwan Stiftung Ludmilla Pankofer und Carl Wiedmeier.

Internet Ausführliche Informationen auch zu den Angeboten im Raum München gibt es unter www.studiekus.de.
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