Herzogenaurach
Bürgerversammlung

Ostspange ist nicht vom Tisch

Der Herzogenauracher Stadtrat muss sich erneut mit möglichen Alternativen zur geplanten Südumfahrung von Niederndorf beschäftigen.
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Die Gegner der Südumfahrung brachten ihre Anträge durch. Richard Sänger
Die Gegner der Südumfahrung brachten ihre Anträge durch. Richard Sänger
Die Herzogenauracher wollen mitreden. In der Bürgerversammlung im sehr gut besuchten Vereinshaus wurden sechs Anträge gestellt, von denen fünf zur Behandlung an den Stadtrat weitergegeben werden. Wer allerdings mit hitzigen Diskussionen wegen der geplanten Südumfahrung von Niederndorf, der Stadt-Umlandbahn (StUB) und dem Rathausbau gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Bei den Wortmeldungen blieb es weitgehend sachlich, trotzdem musste sich Bürgermeister German Hacker (SPD) einiges an Kritik anhören.
Wolfgang Feucht warf dem Stadtoberhaupt vor, aus der Bürgerversammlung eine "Marketing-Veranstaltung" zu machen, nachdem der Bürgermeister den üblichen Rückblick vorgestellt und über die Vorhaben für das kommende Jahr berichtet sowie Statistiken über Einwohnerzahlen und Finanzlage vorgelegt hatte. "Der Bericht ist verpflichtend und wichtig als Basis, damit auch alle Themen bekannt sind und eine Diskussionsgrundlage bilden", wehrte sich Hacker.
Erwartungsgemäß war die Bürgerinitiative "Herzo Süd Bewahren" mit dem Bund Naturschutz (BN) in großer Zahl vertreten, was bei den gestellten Anträgen auch ersichtlich war. Den ersten Antrag stellte der Niederndorfer Jörg Färber: Aufträge an Gutachter sollten künftig kommuniziert werden, damit die Bürger feststellen können, was die Fragestellung an den Gutachter war. "Die in Auftrag gegebenen Gutachten müssen nach den Vergaberichtlinien in Auftrag gegeben und behandelt werden", erklärte der Bürgermeister dazu. Der Stadtrat wird sich mit dem Antrag beschäftigen.


Kritik an rasenden Radlern

Der Hauptendorfer Hubert Kerler kritisierte die Verkürzung des Radweges am Hutweg, rasende Radfahrer und parkende Fahrzeuge. "Jeder, der einen Führerschein hat, kann sehen, was er darf und was nicht. Vernunft gibt es nahezu nicht mehr, außerdem haben Eltern auch eine Aufsichtspflicht", erklärte Verkehrsexperte Thomas Nehr, nachdem der Fragesteller von einer Gefährdung der Kinder sprach. Gegen rücksichtslose Kraftfahrer empfahl Nehr eine Anzeige, auch rücksichtslose Radler könnten zur Verantwortung gezogen werden. Gleichwohl werde die Stadt prüfen, ob durch bauliche Maßnahmen eine mögliche Abhilfe geschaffen werden kann.


Die StUB bleibt in der Diskussion

Die von der geplanten Südumgehung betroffenen Grundstückseigentümer und Landwirte haben die Interessengemeinschaft "Igel" gegründet und wurden von Robert Erhardt vertreten. Er stellte den Antrag, ein neues Verkehrsgutachten in Auftrag zu geben, denn er sei sicher, dass die vorgeschlagene Trasse nicht die Beste sei und auch Niederndorf nicht helfen wird. Deswegen sollen die Ostspange und auch ein möglicher "Lohhof-Tunnel" sowie weitere Alternativen geprüft werden. Der Bürgermeister gab zu bedenken, dass jedes Gutachten eine fünfstellige Summe kostet, "aber wir können gerne abstimmen", erklärte er, und so wurde der Antrag mehrheitlich angenommen.
Auch der Antrag von Ulrich Bogen betraf den Verkehr und beinhaltete die "Wiederbelebung" der Aurachtal-Trasse, die im Verbund mit der StUB geprüft werden soll. Bogen warf dem Bürgermeister vor, dass bei der Studie 2012 vieles nicht berücksichtigt worden sei, so etwa der Siemens-Campus, und dass es fragwürdige Aussagen zu den Kosten geben würde. Bogen sagte voraus, dass die geplante Trassenführung der StUB nicht den erhofften Nutzen bringen würde, da die Kunden aufgrund der Fahrzeit nicht umsteigen und die Kosten durch die Decke schießen würden.
Hacker verwies in seiner Antwort auf den Zweckverband und das Planfeststellungsverfahren und darauf, dass eine Reaktivierung der alten Bahnstrecke die Deutsche Bahn betreffe und erstmal mit der StUB nichts zu tun habe. Außerdem habe der Zweckverband den Siemens-Campus im Blick. Dass Erlangen-Bruck aus Herzogenaurach mit der Schiene nicht mehr angebunden werden kann, schien den Fragesteller nicht zu interessieren. "Die Aurachtalbahn soll reaktiviert werden, wie, das soll geprüft werden, eben schienengebunden und egal wie", lautete der mehrheitlich angenommene Antrag.


BN fordert langfristige Planung

Zwei Anträge hatten Christian von Reitzenstein für "Herzo Süd Bewahren" und Horst Eisenack vom Bund Naturschutz. Nach von Reitzensteins Aussage wurden einige Alternativen zur Südumfahrung im Planungsausschuss und im Stadtrat zur Sprache gebracht, allerdings seien die Stadträte bei der Fülle Material mit "Scheinalternativen" zu überfordert gewesen, um den vertiefenden Blick zu bekommen. Deshalb lautete der Antrag, dass eine ausführliche Begründung für die Ablehnung der weiteren Südumfahrungs-Alternativen für die Öffentlichkeit stattfindet. In diesem Zusammenhang nannte von Reitzenstein sechs Alternativen, deren Behandlung weder dokumentiert noch den Vorschlagenden oder der Öffentlichkeit bekannt gemacht worden sei.
Der weitere Antrag des BN fordert eine langfristige Infrastrukturplanung für Bahn, Bus, Rad, Pkw und Lkw in Herzogenaurach. So seien verkehrliche Infrastrukturmaßnahmen in der Vergangenheit meist erst geplant wurden, wenn die Probleme sichtbar wurden. Dafür seien die Hans-Maier-Straße und die Nordumgehung und jetzt die Südumgehung das beste Beispiel. Eine leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung für Straße und Bahn sei schon längst überfällig. Stattdessen würden eher Parkplätze gebaut, die wiederum Verkehr anziehen. "Es ist eine Eskalationsschraube, die andere Städte schon verlassen haben, um ihren Bürgern einen Verkehrskollaps ersparen", begründete von Reitzenstein den angenommenen Antrag.
Eine der letzten Fragen betraf das Wachstum der Stadt und einen Masterplan. "Es gibt keine Zielzahl die Einwohner betreffend. Es soll aber keinesfalls der Charakter der Stadt und seiner Ortsteile aufgegeben werden. Auf jeden Fall ist die im Raum schwebende Zahl von 35 000 Einwohnern eindeutig zu hoch gegriffen", erklärte der Bürgermeister abschließend.
In der ausführlichen und über 45 Minuten langen Präsentation von Bürgermeister German Hacker ging es um die Städtepartnerschaften ebenso wie um die vielen kulturellen Veranstaltungen sowie die Neubauten für die Kinderbetreuung und Einrichtungen für die Jugend. Ausführlich ging der Bürgermeister auf das Förderprogramm zur CO2 -Minderung ein. So gibt es Förderungen für Gebäudesanierungen, hocheffiziente Gesamtkonzepte und Vor-Ort-Beratung. Hacker wies auch auf die Förderungen bei Einzelmaßnahmen und die Stromsparberatung privater Haushalte und Solarthermie sowie zu Heizungsumstellungen von fossiler auf regenerative Energie und die monatliche Energieberatung im Rathaus sowie die Aktionen der Agenda 21 hin. Stolz zeigte sich das Stadtoberhaupt auf den erhaltenen "European Energy Award (eea) Gold-Auszeichnung" für Herzogenaurach (als bisher nur eine von vier Kommunen in Bayern).
Die Stadt hat auch kräftig investiert, unter anderem 3,71 Millionen Euro in Netzausbau und Versorgungssicherheit im Zuge von Erschließungsmaßnahmen und Kanalerneuerung durch die Stadt mit den Schwerpunkten an der Schütt, Herzo Base Bauabschnitt (BA) 2, Gewerbegebiet Nord BA 2 und Olympiaring BA 3.
Installiert wurde eine Wassermischanlage und in der Dr.-Wilhelm-Schaeffler-Straße der Fernwärmeausbau weiter geführt. Bis Ende 2017 werden rund 43 Kilometer Glasfaserkabel bzw. Leerrohre verlegt sein, der WLAN-Ausbau wird weitergeführt. Über 1,5 Millionen Euro wurden im Freizeitbad Atlantis investiert. Viel Geld wurde auch für den Straßen- und Kanalbau sowie für die Kläranlage in die Hand genommen und auch der ersehnte Radweg von Beuteldorf nach Hammerbach ist in der Planung.
Die geplanten Einnahmen der Gewerbesteuer von 21 Millionen Euro wurden um elf Millionen Euro übertroffen, die Rücklagen belaufen sich auf 66 Millionen Euro.
Als Kreisumlage mussten 17,4 Millionen Euro abgeführt werden und 2018 müssen rund 29 Millionen Euro an den Landkreis überwiesen werden. Bei der Beteiligungen an der Einkommenssteuer und Umsatzsteuer konnten Mehreinnahmen von rund drei Millionen Euro verbucht werden.
In der Stadt leben 24 965 Einwohner, zuzüglich 159 anerkannte Asylbewerber. Es gibt 22 556 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mit täglich 17 556 Einpendlern, 5421 Menschen verlassen die Stadt als Auspendler.
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