"When I get older, losing my hair, many years from now” sangen die legendären Beatles einst im Jahre 1967. Und fragten ein paar Textzeilen später nach: "Will you stell need me, when I'm sixtyfour”. Die angesprochenen 64 Jahre haben die Jungs von der Herzogenauracher Band "RCR" noch nicht auf dem Buckel, doch die Haare sind schon lichter geworden. Aber die Musiker um Rudi Bauerfeld seien beruhigt: "Will you still need me?" Natürlich werden sie noch gebraucht, die Musiker mit Erfahrung, und das mehr denn je. Denn was gibt es Schöneres als einen gemütlichen Frühschoppen mit handgemachter Livemusik? Und jeder weiß: Keiner kann das besser als Musiker, die auf ein paar Jahrzehnte Erfahrung zurückgreifen können.

Gemütlichkeit ist Trumpf


"Far far away" klingt es von der Terrasse des Ratskellers hinab auf dem Marktplatz. Da ist es mittags 12 Uhr und die Gäste haben es sich längst gemütlich gemacht. Gemütlichkeit ist auch das Stichwort im Publikum. Abrocken war mal, jetzt hört man lieber den Oldies zu und singt oder murmelt mit und denkt nicht weiter über irgendwelche Botschaften irgendwelcher Texte nach. Und wenn Ralf Rehder den Freddy Mercury mimt und von dem kleinen verrückten Ding namens Liebe singt, schnippen die ein oder anderen mit den Fingern mit und ihnen ist es wurschd, dass der Text eigentlich wirklich banal ist: "Dieses Ding genannt Liebe, es weint ( wie ein Baby ) in einer Wiege die ganze Nacht," heißt es in der Übersetzung.
Rudi Bauerfeld hat vor etwa sieben Jahren die Band RCR aus der Taufe gehoben. Zu dritt waren sie damals, 2008 ist mit Birgit Rehder noch eine Percussionisten dazugekommen. Inzwischen ist Rudi 62, spielt in mehreren Bands und hat mit den "Oldbones" noch ein besonderes Eisen im Feuer der Herzogenauracher Live-Musikszene. Ein Eisen, an dem er noch schmieden muss. Denn diese Jungs, zwischen 53 und 64 Jahre jung, sind noch niemals aufgetreten. "Wir treffen uns seit zehn Jahren bei mir im Keller", sagt der Gitarrist und Bassist. Aber über das Üben sind sie noch nicht hinaus gekommen. "Wir werden die ewige Probeband bleiben", sagt er, denn wenn's dann mal konkret wird mit einem Auftritt, "dann trauen sie sich nicht", fügt er schmunzelnd hinzu. Immerhin nutzen sie die Gelegenheit, üben gemeinsam alte Lieder von den Stones oder Kinks ein und verbinden das gemütlich mit einem Frühschoppen.

Die Hausband und Boygroup


Mit RCR hat er da weniger Sorgen. Sie gelten als die Hausband im Ratskeller und entsprechend gelöst ist die Atmosphäre. "Wir machen heute einen ganz entspannten Familienausflug", sagt Jutta Erhardt. Und der Mann an ihrer Seite, Werner Lorenz, bleibt ganz cool. Obwohl er doch mit den musizierenden Jungs da vorne lange Jahre selbst auf der Bühne gestanden hat. Doch heute ist Relaxen angesagt. Das tun auch die Musiker der "Oldbones", der "alten Knochen". Hören zu, applaudieren, reißen Späßchen. "Der Albert ist der einzige Oldbone bei uns", schickt Peter Müller einen Seitenhieb hinüber zu Albert Wirth, einem der zwei Senioren der Band. Und der kontert den drei Herren, die allesamt auf den Vornamen Peter hören: "Wir können uns ja auch Peterles Buam nennen". Derweil plaudert er mit Konrad Gruber, der mit seiner Enkelin Mia gekommen war. Noch keine acht Monate jung, aber schon dirigiert sie die Musiker vorne auf der Bühne. Das Talent hat sie vermutlich vom Opa, gehört der Konny doch zum lebenden Inventar der Stadtjugendkapelle.
Ein bisschen jünger ist Philipp, der auf dem Arm von Mama Yvonne der Band ganz nahe sein darf. Schließlich ist der Bassist Rudi sein Opa, und wenn der zwischen den Liedern ein paar Grimassen zieht, dann erheitert das auch den Filius. Pascal hingegen ist mit seinen vier Jahren da schon viel abgezockter. Er übt lieber das Fingerschnippen zum "Stand bei me". Irgendwelche Clownereien reizen ihn nicht.
So wird der Frühschoppen zum Familien-Event und ist zeitlos wie das "La Bamba", mit dem Sänger Ralf ein bisschen Strandfeeling schafft. Nicht nur Jutta Erhardt gefällt's gut. "Der Mick Jagger macht's ja vor", sagt sie, "wie man getrost alt werden kann und immer noch Rockmusik spielen darf". Und gibt den Jüngeren im Publikum einen Rat: "Vierzig werden tut nicht weh".
Das weiß auch Rudi Bauerfeld, und er scherzt: Wisst Ihr, wer die erste Boygroup vor uns gewesen ist?" Es waren die Monkeys, sagt der 62-Jährige undleitet über zum nächsten Song: "I know I'm a Believer". Man kann's ihm getrost glauben.