Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Gnadenhochzeit

Liebe zum "Fraulein" hält 70 Jahre

Christa und Dennis Woolford heirateten 1947. Die beiden schlossen wohl eine der ersten deutsch/englischen Ehen nach dem zweiten Weltkrieg.
Christa und Dennis Woolford feierten Gnadenhochzeit. Bürgermeister Friedrich Gleitsmann gratulierte. Foto: Evi Seeger
 
von EVI SEEGER
Das zu erleben ist ein Geschenk, eine Gnade. Daher auch der Name Gnadenhochzeit für das seltene 70. Hochzeitsjubiläum. Dennis und Christa Woolford in Wachenroth durften es feiern.

Dazu muss allerdings gesagt werden, dass die beiden sehr jung geheiratet haben. Süße 17 Jahre war Christa, als sie sich für den Mann ihres Lebens entschied. Dennis Woolford war mit 21 Jahren nicht viel älter. Ein Alter, in dem sich heute kaum ein junger Mann vor den Traualtar begibt.


Blind Date war Volltreffer

Allerdings waren die Zeiten auch ganz anders. 1946 war der junge Engländer aus Reading in Berkshire in Hildesheim stationiert. Die junge Christa aus Hildesheim arbeitete nach ihrem Mittelschulabschluss im "Naafi-Club", einer Art Kantine für die Angehörigen des englischen Militärs als Dolmetscherin für die englische Geschäftsführerin.

Eine Freundin vermittelte ein Blind Date mit Dennis, erinnert sich Christa und lacht. Schon bald musste sich die junge Deutsche entscheiden: Entweder wir heiraten oder wir sehen uns nie wieder.

Denn ihr englischer Liebster wurde zunächst nach Hamburg und dann nach England versetzt. "Bis die Heirat von den Behörden genehmigt wurde, hat es ein ganzes Jahr gedauert", erzählen die beiden. Es sei wohl eine der ersten Eheschließungen zwischen einem Engländer und einer Deutschen gewesen.

Geheiratet wurde in Hildesheim, der Heimatstadt der jungen Frau. "Meine Mutter gab ihre Einwilligung dazu. Sie dachte, in England hätte ich es wohl besser als in Deutschland." Denn hierzulande herrschten in den ersten Nachkriegsjahren Hunger und Not.

In England lebte das junge Paar die ersten Jahre bei Dennis' Mutter. Die war alleinstehend und führte eine Pension, sie konnte die Unterstützung durch die Schwiegertochter gut brauchen. Dann bezog die Familie ein Council House, einen Sozialbau, den sie nach einiger Zeit von der Gemeinde kaufen konnten. Der Ehemann und Vater von vier Kindern verdiente als Dachdecker den Unterhalt für seine Familie. Bis ihn 1968 - wie viele andere auch - die schwere Rezession in England arbeitslos machte.

Christas Schwester und Schwager, die zu dieser Zeit schon in Wachenroth lebten und die Autobahntankstelle betrieben, holten Dennis und Christa nach Deutschland. Nächste Station der beiden Engländer - mit der Heirat hatte Christa automatisch die Staatsangehörigkeit ihres Manns bekommen - war ein Hotel an der Juliuspromenade in Würzburg, das Schwester und Schwager gebaut hatten.

Drei Jahre führten die Woolfords das Hotel. Die Arbeit rund um die Uhr wuchs ihnen schließlich über den Kopf. Sie gaben das Hotel auf und folgten dem Angebot von Schwester und Schwager: Dennis betreute die Tankstelle an der Autobahn oberhalb Wachenroths, Christa machte die Buchführung.


Familie weltweit

Heute ist die Familie einschließlich der sechs Urenkel über die ganze Welt verteilt. Die Töchter leben in England, Amerika und Spanien.

Der jüngste Sohn Anthony wurde 1968 in Wachenroth eingeschult und lebt heute in Höchstadt. "Wir fühlen uns hier in Wachenroth sehr wohl", sagen die Ehejubilare.

Nein, ein Rezept für 70 glückliche Jahre hätten sie nicht. Außer vielleicht: "Wir haben gemeinsam Höhen und Tiefen erlebt, das schweißt zusammen."

Von der Welt haben sie einiges gesehen. Allein sechsmal waren sie in Amerika, sie besuchten Australien und Honolulu.

"Das Laufen im Wald und mit den Hunden hat uns fit gehalten", da ist sich Christa Woolford sicher. Heute fehlt das ein wenig, aber zum Sportplatz geht es immer noch und zwar ziemlich flott. "Viel Zeit verbringen wir in unserem Garten."

Einziger Wermutstropfen: Dass es in Wachenroth keinen Arzt und keine Apotheke gibt und man daher ohne Führerschein eingeschränkt ist. Das ist auch Bürgermeister Friedrich Gleitsmann, der zum Ehejubiläum gratulierte, ein Dorn im Auge. Alle diesbezüglichen Bemühungen seien jedoch gescheitert, da Wachenroth nicht die dafür notwendige Einwohnerzahl habe, sagt er.


Tadel für den Landrat

Noch etwas anderes ärgert den Gemeindechef: Dass er einen Tag vor dem Termin eine Absage vom Landratsamt bekam, obwohl er die Gnadenhochzeit lange zuvor angemeldet hatte. "Das ist so ein seltenes Ereignis, da sollte sich schon ein Landrat herbemühen."
Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.