Klebheim
Mobilfunk

Klebheimer fürchten um ihre Gesundheit

Ein Funkturm nahe Klebheim - davon sind die Einwohner des Heßdorfer Ortsteiles alles andere als begeistert. Beim Infoabend verdeutlichten sie ihr Nein.
Artikel einbetten
Symbolbild: Marijan Murat, dpa
Symbolbild: Marijan Murat, dpa
+3 Bilder
Nachdem die Pläne der Deutschen Funkturm bekannt geworden waren, machte sich in Klebheim Unruhe breit. Seit die Bürger wissen, dass ein Funkturm nahe dem Ort gebaut werden soll, haben sie sich mit den möglichen Risiken solcher Anlagen beschäftigt. Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Tinnitus gehören demnach noch zu den harmloseren Beschwerden. Sie wehren sich gegen Pläne zum Aufbau eines Mobilfunkmastes. Der Betonmast soll eine Gesamthöhe von 46 Metern bekommen.

Viele haben wegen der Mobilfunkstrahlung Angst um ihre Gesundheit. Bei der Informationsveranstaltung "Funkmast Klebheim" im Niederlindacher Sportheim hatten Karin Erhard und Dietmar Reinholdt von der Deutschen Funkturm keinen leichten Stand und auch Thomas Kurz vom Landesamt für Umwelt (LfU), Fachgebiet für Strahlentechnik, konnte die Bedenken der Klebheimer nicht zerstreuen. Denn die Betreiber der Mobilfunkanlagen müssen Grenzwerte einhalten.


Schon 2013 beantragt

Die Geschichte um den geplanten Mobilfunkmast geht zurück bis zum Dezember 2013, damals war der Bauantrag zur Errichtung eines Antennenträgers im Gemeinderat abgelehnt worden. Gegen diesen Ablehnungsbescheid hatte die Deutsche Funkturm GmbH Klage beim Verwaltungsgericht Ansbach eingereicht, allerdings ruht dieses Verfahren derzeit. Die von der Gemeinde Heßdorf im letzten Jahr vorgeschlagenen Alternativstandorte wurden von den Antragstellern als nicht erschließbar oder weitgehend ungeeignet eingestuft. Letztendlich blieb nur ein vorgeschlagener Standort jenseits der Autobahn.

Die Vertreter der Funkturm GmbH wiesen bei ihrem Vortrag darauf hin, dass jede Basisstation nur eine begrenzte Anzahl von Gesprächen oder ein begrenztes Datenvolumen übertragen kann, und wo viele Nutzer sind, sei auch eine größere Zahl von Basisstationen erforderlich.


Lücken im Mobilfunknetz

So gebe es zur Versorgung der A3 bei Klebheim zur Schließung der Funklücken nur bestimmte Bereiche. "Der Standort ist erforderlich, um ausreichend Kapazität, wie auch eine zeitgemäße Versorgung für mobile Sprach- und Datenanwendungen zur Verfügung zu stellen und bestehende Lücken im aktuellen Netz zu schließen", erklärte Karin Erhard. So halte der Smartphone-Boom unvermindert an und auch das mobile Datenvolumen nehme rapide zu. Denn die mobile Kommunikation ist für die Nutzer zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden. So habe das Datenvolumen in den letzten acht Jahren um mehr als das Vierzigfache zugenommen und der Trend halte ungebrochen an.

Den Verdacht von Axel Gotthardt, dass der Mast deshalb so groß dimensioniert werde, damit auch andere Mobilfunkanbieter ihn mit Antennen bestücken können, mochte Karin Erhard nicht bestreiten. Denn nach ihrer Aussage werden künftig entlang der Autobahn Funkmasten in Abständen zwischen 1 und 2 Kilometer errichtet werden. Auch den Vorwurf eines Zuhörers, dass jeder Anbieter sein "eigenes Süppchen" kocht, konnte nicht entkräftet werden. Die Referentin verwies auf die Antennendichte in den Städten und der Netzbetreiber errichtet Basisstationen dort, wo eine besonders hohe Nachfrage besteht, noch Lücken im Funknetz vorhanden sind oder die Versorgungsqualität verbessert werden muss. Denn je kürzer die Entfernung zwischen Handy und Mobilfunkanlage, desto niedriger ist die benötigte Sendeleistung des Handys wie auch der Basisstation.

Die bestätigte auch Thomas Kurz vom LfU, so strahle das Handy am Ohr oder in der Hosentasche um bis zum 10 000-fachen mehr, als der Funkmast in der unmittelbaren Umgebung. Denn je weiter das Mobiltelefon vom Funkmast entfernt ist, umso höher die Sendeleistung des Handy.


Keine Hinweise auf Gesundheitsschädigung

Nach Aussage des Wissenschaftlers konnten frühere Hinweise auf gesundheitsrelevante Wirkungen hochfrequenter Felder nicht bestätigt werden. Sei es bei der Verursachung von Krebserkrankungen, Tinnitus oder Kopfschmerzen. Es wurden keine neuen Hinweise für mögliche gesundheitsrelevante Wirkungen gefunden, insbesondere auch keine nichtthermischen Wirkmechanismen. "Die Ergebnisse geben deshalb insgesamt keinen Anlass, die bestehenden Grenzwerte zu korrigieren", erklärte Wissenschaftler Thomas Kurz.

"Das Schöne an der Wissenschaft ist, dass man alles erklären kann", kommentierte ein Zuhörer den Vortrag von Thomas Kurz. So sehen sich die Klebheimer durchaus einer Strahlung ausgesetzt und der Mast soll dort hin gebaut werden, wo er die Bewohner nicht stört.


Ein "Placebo-Effekt"

"Es gibt keine Elektro-Sensibilität", meinte Thomas Kurz nachdem eine Zuhörerin von Schlafstörungen in der Nähe ihres Telefons berichtete. Das sei dem Placebo-Effekt zuzuschreiben und ein messbarer neurobiologischer Vorgang, was die Zuhörer aber nicht so richtig glauben mochten.


Klebheimer fühlen sich gut versorgt

Fazit des Abends: Die die Klebheimer fühlen sich mobilfunkmäßig gut versorgt und wenn der Autofahrer auf der Autobahn in ein Funkloch von einem Kilometer fährt, sei das hinnehmbar. Jedenfalls brauche Klebheim den Mast nicht, weil es keine Lücke gibt und die Mobiltelefone im ganzen Ort funktionieren. Zumindest eines steht inzwischen fest: Im stillen Kämmerlein kann das Thema nicht mehr diskutiert werden.
Verwandte Artikel
1 Kommentar
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren