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Austausch

In Höchstadt begegnen sich die Kulturen

Beim zweiten interkulturellen Frühschoppen auf dem Kellerberg erfuhren die Besucher, welche Probleme Flüchtlinge nach einem Jahr in Deutschland haben.
Zur Musik von "Acoustec" gab es auch das eine oder andere Tänzchen.  Foto: Yannick Hupfer
 
Zwischen Deutschland und Äthiopien liegen eigentlich mehr als 5000 Kilometer. Eigentlich - denn am Sonntagvormittag standen sich beide Nationen auf dem Höchstadter Kellerberg gegenüber. Neben Äthiopiern waren auf dem zweiten interkulturellen Frühschoppen auch Menschen aus Syrien und aus dem Irak. Bei der ersten Auflage 2016 war es das Ziel von Michael Nitsche und seinem Team vom Kellerbergverein, Begegnungen zu ermöglichen.
Für die Geflüchteten war es damals noch schwierig, Kontakte zu knüpfen. Um diese Hürde zu nehmen, wollte man bei Weißwurst und Falafel einen gemütlichen Vormittag verbringen. Innerhalb des vergangenen Jahres haben sich die Probleme der Flüchtlinge geändert. Jetzt stehen vor allem die Themen Wohnungs- und Arbeitssuche im Vordergrund.


Die Sprache ist kein Problem mehr

"Die Verständigung ist nicht mehr das Problem", erklärt Nitsche. Wolfgang Kümmeth, Leiter des Helferkreises in Höchstadt, hat viele Deutschkurse installiert. Am Sonntag konnte er dann das Ergebnis seines Engagement miterleben: An jedem Tisch am Petersbeck-Keller wurde deutsch gesprochen, die erste Hürde ist somit genommen.
Während im vergangen Jahr noch rund 200 Gäste die Veranstaltung besuchten, durfte der Kellerbergverein heuer mindestens 100 Besucher mehr begrüßen. Sie haben durch Interviews mit dem Fränkischen Tag erfahren, wie es den Flüchtlingen geht. Unter anderem befragte FT-Redakteur Andreas Dorsch Lina aus Aleppo. Mit ihrer Familie führte sie in Syrien ein ganz normales Leben, bis der Krieg begann und zwei Bomben auf ihr Haus fielen. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie dann alles zurückgelassen, um dem Krieg zu entfliehen. Ihre Flucht nach Höchstadt kostete die vierköpfige Familie 12 000 Euro.
Ebenfalls fliehen musste Haitham, der auch aus Aleppo stammt. In seinem Heimatland legte er sein Abitur mit 1,4 ab. Sein Ziel: Medizin studieren. Aktuell läuft dafür noch der Antrag, da eine spezielle Bescheinigung notwendig ist. In Deutschland fühlt er sich aber wohl. "Ich glaube, es war eine richtige Entscheidung",erklärt er im Interview mit dem Fränkischen Tag.


Schüler leben Integration

Erstmals dabei waren heuer auch die Schüler des Gymnasiums Höchstadt. Lehrerin Eva Ortegel-Kropf wurde im Unterricht immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert. "Gerade für Jugendliche ist es wichtig, tolerant zu sein", erklärt sie. So hat sie das P-Seminar "Integration" ins Leben gerufen, in dem sie gemeinsam mit Schülern der Q11 Flüchtlinge aktiv unterstützt. Neben einer Torwand haben die Jugendlichen zusammen mit den Geflüchteten ein Büfett vorbereitet, das am Ende der Veranstaltung restlos geleert war. Es wurden sowohl Speisen aus den Heimatländern der Flüchtlinge als auch deutsche Gerichte wie Weißwurst angeboten.
Zu der Musik von "Acoustec" hat man am Sonntag getanzt, gelacht und sich informiert. Nitsche hatte am Ende der Veranstaltung ein großes Grinsen auf den Lippen. Er ist sehr zufrieden damit, die Integration in Höchstadt weiter voranzutreiben. Auch Bürgermeister Gerald Brehm ist begeistert: "Wir sind eine Stadt, die sagt: Wir schaffen das gemeinsam. Wir sind offen für die Welt."
An diesem Vormittag wurde gezeigt, dass Äthiopien und Höchstadt manchmal doch nicht 5000 Kilometer entfernt sind, sondern dass Begegnungen jeden Tag ermöglicht werden können.
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