Herzogenaurach
Ich habe Pubertät

"Ich habe Pubertät" - Ich bin dann mal kurz weg ...

Michael und Nicola Busch - Unser Redakteur, Vater einer 14-jährigen Tochter, schreibt seine Erfahrungen in einer wöchentlichen Kolumne auf.
Artikel einbetten
Und ist die Tür erst ins Schloss gefallen... Foto: Michael Busch
Und ist die Tür erst ins Schloss gefallen... Foto: Michael Busch
Ich bin dann mal weg! Dieser Satz fordert einen Vater zum sofortigen Handeln auf. Nicht lange nachdenken "Wer" weg ist, oder gar "Wohin". Erst einmal ein lautes "Stopp" rufen, die Aktion bremsen, dann kann man getrost weitersehen.
Nein, das funktioniert nicht immer. Ein kurzes Zögern bei Nicola und sie ist genau das, was sie angekündigt hat, sie ist weg. Kein Wissen darüber, wann sie wieder kommt, wo sie in der Zwischenzeit ist, geschweige denn, ob irgendjemand dieses "weg" erlaubt hätte. Der Höhepunkt ist dann im Übrigen, wenn die Tür aufgeht und sie dann ruft: "Bin wieder da!" Kommen Sie als Elternteil jetzt bloß nicht auf die Idee, zu schimpfen.
In dem Moment, in dem Sie monieren, dass es "vielleicht etwas spät ist", werden Sie die Erwiderung bekommen: "Wie ich weg bin, hast Du nix gesagt!" Ja, wie auch? Der zeitliche Abstand zwischen "Ich bin weg" und "Tür-fällt-ins-Schloss" beträgt maximal ein halbes Augenblinzeln - und das ist sehr großzügig berechnet.
Warum ich mich darüber aufrege? Ganz einfach, weil ich diese Zeiteinheit "mal weg" nicht wirklich einordnen kann. Denn mit diesen fünf Worten ist der Besuch bei der nachbarschaftlichen Freundin von knapp fünf Minuten Besuchsdauer ebenso abgedeckt, wie der Tagesausflug mit der Jugendtruppe der Freiwilligen Feuerwehr.
Wobei ich bei Zweitem in der Regel gut informiert bin, weil die Feuerwehr mir die entsprechenden Mails schickt. Nicola will es nicht verstehen, dass Planungen an solch kleinen Aussagen scheitern können. Ich meine damit Dinge wie "Gemeinsames Abendessen", "Zusammen Eis essen gehen" oder "Den Geburtstag von wem auch immer feiern". Wenn Nicola "mal weg" ist, fällt sämtliche Planungssicherheit in sich zusammen.
Einfach machen? Klar! Wenn Sie diesen Kampf mit Ihrem Kind ausfechten wollen, geht das schon. Sie widerstehen mit Sicherheit den großen Augen mit Tränen bedeckter Netzhaut und der Aussage: "Ich wäre so gerne mit Euch dabei gewesen!" Es schwingt mit, dieses "Ich würde alles mit Euch machen." Aber Nicola war halt weg. Was fast noch ein wenig Schlimmer ist, als das Wegbleiben, ist dann die Antwort auf die Frage "Und was hast Du so gemacht?"
Sie erahnen es. Nicola sagt in der Regel: "Nichts!" Und das offensichtlich von morgens bis abends. Warum ist sie dann so lange weg, wenn sie nichts macht? Oder will ich das überhaupt wissen? Vielleicht ist die Info "Ich bin mal weg!" die Vaterverträglichste. Sonst rege ich mich noch mehr auf. Scheiß Pubertät!

Und was sagt Nicola?
Was ist denn da so schwer? Ich bin doch abends immer wieder da. Ich bin doch immer nur kurz weg. Papa verlässt übrigens mit denselben Worten das Haus und Mama meckert nicht!
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren