Zu Tisch gebeten wurden am Mittwochmittag die Grundschüler der Anton-Wölker-Grundschule. Und das nicht etwa in der schuleigenen Mensa zu Schnitzel mit Pommes und Ketchup, sondern ganz mittelalterlich zu einer Gemüsesuppe und selbst gebackenem Brot. Das, was die Schüler an ihrer Tafel am Mittwoch verspeisten, haben die kleinen nämlich auch selbst hergestellt. So gab es eine Auswahl an Brotaufstrichen, eine Gemüsesuppe, Brot, selbstgemachten Tee und sogenannte "Reformationsbrötchen". Das sind süße Teigwaren, die - mit Rosinen gefüllt - gefaltet sind wie die "Luther-Rose", das Briefsiegel Martin Luthers.

Denn Luther spielte in dieser Woche für die Anton-Wölker-Schule eine große Rolle. Anhand einer Projektwoche lernten die Grundschüler, wie Martin Luther lebte und arbeitete. Zum 500-jährigen Reformationsjubiläum haben die Kinder aber nicht nur gekocht wie im Mittelalter, sondern sich auch so angezogen. Verkleidet als Ritter oder Königin verspeisten sie ihre selbstgemachten Gerichte an einer großen Tafel. Dafür wurden die Schultische, auf denen normalerweise Mathehefte und Füller liegen, umfunktioniert und mit Leuchtern und Tischdecke gedeckt. "Die Kinder sollen mitnehmen, wie es in dieser Zeit war", erklärt Schulleiterin Rosmarie Wagner.


Film über Luther gedreht

Doch das war nicht das einzige Projekt. Die Grundschüler durften sich vor der Woche bereits aussuchen, in welchen Workshop sie möchten. So wurde auch ein Film über Luther gedreht. Mit Handys ausgestattet, fuhren die Schüler auf die Landesausstellung der Veste Coburg. Natürlich spielte aber auch der berühmte Thesenanschlag Luthers an der Schlosskirche in Wittenberg eine große Rolle. Die Kinder lernten, was Luther genau forderte, wogegen er kämpfte und wie sich daraus resultierend Kirche, Politik, Sprache, Schulsystem und die Rolle der Frau verändert haben. Außerdem wurden die Schüler mit der Frage konfrontiert, wo wir eine Reformation heute bräuchten.

Für die Lehrer stand neben dem Spaß für die Kinder aber auch der Lernfaktor im Vordergrund. "Wenn man die Kinder am Ende des Schuljahres fragt, was in diesem Jahr alles war, sagen sie meistens: Schullandheim und solche Projekte", sagt Wagner. Demnach seien Projektwochen wie die über Martin Luther teilweise effektiver, da die Kinder besser lernen. "Es sind die besonderen Dinge, die bei den Kindern bleiben", erklärt die Rektorin weiter.

Alle Ergebnisse der Schüler werden am heutigen Freitag ab acht Uhr vorgestellt. Die Kinder können dann auch selbst in die anderen Workshops schauen und sich so weitreichend über Martin Luther informieren. Ein Highlight dabei ist sicherlich auch das Luther-Musical, bei dem die Kinder das über die Woche hin geprobte Schauspiel vor der ganzen Schule vortragen.