Eckental
Muntjak-Hirsch

Wildunfall bei Eckental: Hirsch entlief wohl aus Tiergarten Nürnberg

Ein Wildunfall bei Eckental im Kreis Erlangen-Höchstadt mit einem vermeintlichen Reh lies die Polizei zunächst ratlos zurück.
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Ein chinesicher Muntjak-Hirsch sorgte bei der Polizei im Eckentaler Ortsteil Brand zunächst für Verwirrung.  Foto: Tiergarten Nürnberg
Ein chinesicher Muntjak-Hirsch sorgte bei der Polizei im Eckentaler Ortsteil Brand zunächst für Verwirrung. Foto: Tiergarten Nürnberg
Wildunfälle, so bedauerlich sie sind, gehören zum Standard im Polizeialltag. Gerade im bevorstehenden Herbst kommt es in der Dämmerung häufig zu Kollisionen mit Wildtieren.

Die Polizei Erlangen-Land allerdings meldet einen Fall, den die Beamten wohl noch länger in Erinnerung behalten werden.

Am Sonntag, gegen 23.20 Uhr, wurden die Polizisten zu einem Unfall mit einem Wildtier auf der Hauptstraße des Eckentaler Ortsteils Brand gerufen. Ein 19-Jähriger Fahrer eines Omnibusses war mit einem querenden Reh zusammengestoßen.

Vor Ort traf die Polizei mehrere Anwohner, die das verletzte Tier in einem Graben neben der Straße aufgefunden hatten. Das Tier hatte schwere Verletzungen am Kopf. Wie die Polizei mitteilt, befand sich unter den anwesenden Polizisten ein erfahrener Jäger, der das Tier von seinen Leiden befreite.

Allerdings sah das Tier zwar einem Reh ähnlich, entsprach aber keiner heimischen Wildart. Daher recherchierten die Beamten im Internet nach der Herkunft. Sie stellten fest, dass es sich um eine asiatische Hirschart, ein sogenanntes Muntjak handelt.


Recherche führt zum Tiergarten

Doch woher kam das Muntjak? Weitere Recherchen ergaben, dass das Tier vermutlich vor mehr als zwei Jahren aus dem Tiergarten Nürnberg entlaufen war und sich seither in der freien Wildbahn behaupten konnte. Leider mit keinem glücklichen Ende.

"Ob es sich tatsächlich um den bei uns entlaufenen Muntjak handelt, gilt es jetzt abzuklären", sagt Helmut Mägdefrau, stellvertretender Direktor des Tiergartens Nürnberg, auf Anfrage von inFranken.de.

Tatsächlich sei im Mai 2015 ein Zwerghirsch der chinesischen Art aus seinem Gehege entwichen.
Nachdem der Muntjak dann einige Tage auf dem Gelände des Tiergartens herumgestreunt war, gelang ihm damals gänzlich die Flucht ins Freie. Zurück lies er im Tiergarten übrigens sein Weibchen.

In Freiheit trieb sich das Tier über zwei Jahre herum, bis es sein unglückliches Ende in Eckental-Brand fand. Da es sich um eine "winterharte Tierart" handle, sei es nicht verwunderlich, dass das Tier so lange in freier mitteleuropäischer Wildbahn überleben konnte, so Mägdefrau.


Eine invasive Art

Entlaufene Tiere seien im Tiergarten zum Glück höchst selten. Im Fall des (völlig ungefährlichen) Muntjaks seien Forstbehörden und Jäger informiert worden. Es gebe einen ganz klaren Alarmplan in solchen Fällen. Muntjaks seien vor kurzem als "invasive Art" eingestuft worden. Dies sind Tiere aus fremden Ländern, die Lebensräume heimischer Arten beeinträchtigen können.

Doch noch ist nicht sicher, ob es sich beim Wildunfall wirklich um den 2015 entlaufenen Muntjak handelt. Denn wie der stellvertretende Direktor des Tiergartens betont, handle es sich bei dem Zwerghirsch um eine Tierart, die auch bei vielen privaten Haltern beliebt sei.
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