Die Innenstadt als Dauerbrenner: Was passiert eigentlich auf dem Areal der ehemaligen Brauerei Hubmann? Wird da jetzt ein Bürgerzentrum gebaut samt großer Tiefgarage im Untergrund? Oder dauert's noch ein paar Jährchen, bis die vom Stadtrat schon abgesegneten Pläne auch wirklich realisiert werden. Denn die Spatzen pfeifen es von den Dächern: So einfach wird das alles nicht werden. Schließlich will die Stadt in erster Linie ja auch ein neues Rathaus bauen. Gut möglich, dass das andere Großprojekt auf dem Nachbargrundstück aufs Wartegleis geschoben wird.

Dennoch: Solange das Bauprojekt Bürgerzentrum nicht nur auf den Plänen, sondern auch in den Köpfen der Stadtväter besteht, müssen bestimmte Opfer gebracht werden. Ein paar Gebäude stehen dem Vorhaben nämlich im Weg. Der "Konsum" zum Beispiel, aber auch nebenan ein Wohnhaus, das der Stadt gehört und das vom einstigen langjährigen Hausmeister des Rathauses bewohnt wird, nein: bewohnt wurde. Das Gebäude soll der Einfahrt zur geplanten Tiefgarage weichen.


Umzug in den Lohhof

Die ersten Nächte hat Heiner Kaltenhäußer, das Herzogenauracher Urgestein, schon in seinem neuen Domizil im Lohhofgebiet, verbracht. Freiwillig ist der fast 80-Jährige aber nicht an den Stadtrand neben dem neuen Friedhof umgezogen. Er ist schlicht ein erstes "Opfer" der auf dem Hubmann-Areal geplanten Bauprojekte samt Tiefgarage geworden.

Dieser Tage hat der Heiner mit seiner Frau Betty seinen Auszug aus dem Haus in der Hinteren Gasse nun vollendet. Und weil das eine wichtige "Amtshandlung" ist, geschah das auch nicht einfach nur so, sondern unter Anteilnahme der Nachbarn und Freunde. Und weil der Heiner für seinen Humor bekannt ist, haben sie den Auszug auch alle gemeinsam zelebriert. Mit einem entsprechenden Trauermarsch.

Da traf es sich gut, dass Enkel Christian nicht nur ebenfalls über den der Familie eigenen Humor verfügt, sondern auch noch wunderbar Trompete spielen kann. Erst ein Trauermarsch, dann das "Muss i denn zum Städtele hinaus" - bis hinüber ins Rathaus war der Auszug zu hören. Wenn denn jemand zuhören wollte.

Trotz der humorigen Zeremonie, bei der eine Piratenfahne mit Totenkopf nicht fehlen durfte, gab es auch ein paar ernstere Worte. Nachbar Bert Grumann fand es ein Unding, dass "der Heiner mit seinen achtzig Jahren" jetzt da raus müsse. Enkel Christian weiß zwar um den Humor und die positive Einstellung des Großvaters, aber der Verzicht auf seinen "schönen Garten" werde dem Opa trotzdem nicht gefallen.

Einen neuen Helfer wird sich wohl auch der Vorsitzende des Heimatvereins, Klaus-Peter Gäbelein, suchen müssen. Hat der Heiner doch immer im Garten des Vereinsdomizils im nahe gelegenen Steinweg geholfen. Auch Gäbelein äußerte sich politisch. Die Neubauvorhaben in der Innenstadt bezeichnet er als "eine Nummer zu groß". Warum gehe die Stadt nicht einfach in die ehemalige Puma in der Würzburger Straße?


Initiative sammelt Unterschriften

27 Jahre lang tat Hausmeister Heiner Kaltenhäußer seinen Dienst als der "heimliche Chef" im Rathaus. Mit seiner Frau Betty wohnte er zwischendurch sogar im Schloss, und seit dem Ruhestand nicht weit weg davon, in der Hinteren Gasse eben. Viele Herzogenauracher kennen das Haus, weil es durch seinen markanten Fahnenschmuck auffiel. Als bekennender Herzogenauracher und Franke, als Fußballhänger von Greuther Fürth und als Freund der Partnerstadt Wolfsberg, ließ der Heiner an dem städtischen Domizil seit seiner Pensionierung die entsprechenden Fahnen wehen: den Frankenrechen, die Kleeblattfahne und das österreichische Rot-Weiß-Rot.