Dannberg
Wahlziele

Das Höfesterben aufhalten

Die SPD-Bundestagskandidatin Martina Stamm-Fibich will sich dafür einsetzen, dass qualitativ hochwertige Lebensmittel auch entsprechend bezahlt werden.
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Robert Orts Kühe zeigten sich durchaus interessiert am Besuch von Martina Stamm-Fibich und Evi Derrer.Richard Sänger
Robert Orts Kühe zeigten sich durchaus interessiert am Besuch von Martina Stamm-Fibich und Evi Derrer.Richard Sänger
Wenn die Politik nicht gegensteuert, wird sich die Landschaft in den kommenden Jahren gewaltig verändern, so das Fazit eines Gespräches mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Martina Stamm-Fibich und Mitgliedern des Kreisvorstands des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Auf dem landwirtschaftlichen Betriebes des Kreisobmannes Robert Ort im Heßdorfer Ortsteil Dannberg trafen sich sein Stellvertreter Rudolf Groß aus Kairlindach, Kreisbäuerin Evi Derrer und ihre Stellvertreterin Brigitte Groß sowie Helmut Wolf, Geschäftsführer der Geschäftsstelle Nürnberg-Herzogenaurach im BBV, sowie Wilfried Funke aus Adelsdorf mit der Abgeordneten, um Probleme und Forderungen zur Bundestagswahl zu erörtern.

Wie Robert Ort eingangs erklärte, stehen die Landwirte für Nachhaltigkeit im Umgang mit Tier und Natur sowie Verantwortung für die nächsten Generationen. Dazu gehören die Sicherung und der Ausbau der Wertschöpfung für land- und forstwirtschaftliche Familienbetriebe. Allerdings werde es den Landwirten durch die Politik nicht leicht gemacht, es fehle ein klares Bekenntnis der Politik zum Eigentum und ebenso zur Land- und Forstwirtschaft.
Wie die SPD-Abgeordnete zugestand, seien insbesondere bei der Subventionspolitik viele Fehlentscheidungen getroffen worden. In den nächsten Jahren müssten die Regierung und die EU mehr Wert auf eine nachhaltige Landwirtschaft legen. "Die Großbetriebe sind gerade bei den Subventionen ein großes Problem", erklärte Stamm-Fibich.
"Wenn Deutschland so weiter leben will wie bisher, kann das nicht gut gehen", meinte die Abgeordnete zum Thema Lebensmittelerzeugung und Preise. Viele Menschen hätten den Bezug dazu verloren, wo die Nahrung überhaupt herkommt, und das müsse vor allem den Kindern wieder näher gebracht werden. Ein Problem sieht Stamm-Fibich auch in der mangelnden Zusammenarbeit der Ministerien, die in einer Reihe von Angelegenheiten im Grunde miteinander verzahnt seien, dies aber nicht wahrnehmen.


Verband für gute Erzeugung

"Wir brauchen einen Verband für gute Erzeugung, der die guten Lebensmittel mehr in das Bewusstsein der Verbraucher rückt", fordert die Abgeordnete. Eine weitere Forderung, die von den Gesprächsteilnehmern unterstützt wird, ist die Erhaltung der bäuerlichen Landwirtschaft. Viele medizinische Probleme beim Menschen entstünden durch die Massentierhaltung, bei der viel mit Antibiotika gearbeitet werden muss. "Die Landwirte erzeugen, was der Verbraucher will", dieser ziehe aber in vielen Fällen die Billig-Lebensmittel vor wie ein Hähnchen für 1,99 Euro, das dann eben aus Osteuropa komme.
"Was die Politik verspricht und am Ende praktiziert, sind meist zwei Paar Stiefel, und die Verbraucher werden jeden Tag aufs Neue verarscht", erklärte Rudolf Groß ärgerlich. Die Landwirtschaft in Deutschland werde immer mehr von der Bürokratie eingeschnürt. "Dafür werde ich wahrscheinlich geprügelt, wenn ich sage, die meisten Lebensmittel sind zu billig, aber viele der Menschen kaufen sich einen Mercedes", sagte Stamm-Fibich zu Fleisch- und Hähnchenpreisen beim Discounter.

Betriebe mit Sonderkulturen wie die Familie Groß mit ihrem Spargelanbau oder die Familie Funke mit ihrem Meerrettichanbau haben neben der "normalen" Bürokratie auch noch das Arbeitszeitgesetz im Rücken. Die Arbeiter aus Rumänien und anderen EU-Staaten seien hier, um Geld zu verdienen, und wollen deshalb so viel wie möglich arbeiten, berichteten Groß und Wolf. Man könne ihnen "nicht sagen, nach zehn Stunden ist aber Schluss und am Wochenende musst du einen Tag aussetzen, das verstehen diese Leute nicht".
Dass das nicht gut gehen kann, befürchtet Robert Ort, so wandern bereits Betreiber von Sonderkulturen nach Osteuropa ab, Investoren kaufen in Ostdeutschland im großen Stil Land und ehemalige Kolchosen auf und in einigen Jahren wird es in Deutschland keine Sonderkulturen mehr geben, prophezeit der Kreisobmann.
Da auch die Preise von den Discountern und vom Lebensmittelvertrieb mehr und mehr diktiert werden, werde das Höfesterben zunehmen, davon ist Rudolf Groß überzeugt.
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