Erlangen
Jeder gegen Jeden

Cannabis freigeben?

Vor der Wahl haben wir die Kandidaten zum verbalen Schlagabtausch geladen. Heute: Stefan Müller (CSU) fordert Britta Dassler (FDP) heraus.
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Die Regeln unserer Serie "Jeder gegen Jeden" zur Bundestagswahl sind denkbar einfach: Jeder Kandidat darf jedem anderen Kandidaten eine Frage stellen. Nach der Antwort des Befragten hat der Fragesteller noch die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Heute stellt Stefan Müller (CSU) die Frage an Britta Dassler (FDP), ob sie die "kontrollierte Freigabe" von Cannabis verantwortungsvoll findet.

Stefan Müller: Die FDP will die "kontrollierte Freigabe" von Cannabis für Erwachsene und die Besteuerung wie Zigaretten. Die Einnahmen wollen Sie für die Prävention einsetzen. Laut Experten ist Cannabis nicht harmlos. Finden Sie die Forderung Ihrer Partei verantwortungsvoll?

Britta Dassler:
Ein Pfeiler liberaler Politik ist die Selbstbestimmung der Bürger. Das heißt: Der Staat greift so wenig wie möglich in die privaten Entscheidungen der Menschen ein. Dieses Selbstbestimmungsrecht erstreckt sich insbesondere auch auf das Feld der Konsumentscheidungen. Die Forderung, Cannabis zu legalisieren, ist eine Frage liberaler Glaubwürdigkeit.
Aus Sicht der Freien Demokraten fällt Cannabis, wie Alkohol oder Tabak, in die Kategorie der Genussmittel. Die Kriminalisierung von Bürgern durch das Cannabisverbot ist ein problematisches Resultat der aktuellen Drogenpolitik. Der verantwortungsvolle Umgang ist bei allen Genussmitteln wichtige Voraussetzung. Anders als bei Alkohol oder Tabak werden Cannabiskonsumenten aufgrund der Rechtslage allerdings kriminalisiert, stigmatisiert und ausgegrenzt. Präventionsprogramme und Aufklärung sollten die Antwort sein - nicht Bußgelder und Haftstrafen. Es muss konsequent getrennt werden zwischen Gelegenheits-Genussmitteln und harten Drogen, die gesellschaftlich großen Schaden anrichten.
Auch eine bessere Verbrechensbekämpfung spricht für eine kontrollierte Freigabe von Cannabis. Wenn Polizei, Justiz und Sicherheitsbehörden nicht mehr damit beschäftigt wären, einzelne Konsumenten zu verfolgen, zu verurteilen und einzusperren, wären enorme Ressourcen frei, um echte Straftaten zu verfolgen. Die Erfahrungen aus US-Bundesstaaten, die Cannabis legalisiert haben, belegen, dass die Verbrechensrate rückläufig ist.

Stefan Müller: Allein Alkohol- und Tabaksucht verursachen unglaubliches Leid bei den Betroffenen und ihren Angehörigen.
Von den gesellschaftlichen Kosten will ich gar nicht reden. Ich meine: Da brauchen wir nicht noch weitere legale Drogen. Und gravierende Suchtfolgen mit dem einfachen Verweis auf liberale Grundhaltungen zu ignorieren, ist ganz sicher keine verantwortungsvolle Politik.

Hinweis der Redaktion: Argumente und Thesen stammen von den Kandidaten und sind redaktionell weder gegenrecherchiert, noch in irgendeiner Weise bearbeitet.
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