In missionarischem Auftrag ist in diesen Tagen ein Bischof aus Burkina Faso in Bayern und Franken zu Besuch. Joachim Ouédraogo unterstützt das Hilfswerk Missio im Monat der Weltmission und ist bis zum 22. Oktober unterwegs, in den nächsten Tagen vorwiegend in der Erzdiözese Bamberg. Dabei wird er vor allem über die Zusammenarbeit von Christen und Moslems in dem afrikanischen Land berichten. Burkina Faso wurde für den Missionsmonat und den abschließenden Sonntag der Weltmission als Beispielsland ausgewählt und entsendet Projektpartner nach Deutschland in Schulen und Gemeinden.

In Herzogenaurach hielt der hohe Geistliche, der den gleichen Vornamen wie der Großvater von Jesus Christus trägt, am Mittwochvormittag einen Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche und wurde anschließend von Bürgermeister German Hacker im Rathaus empfangen. Es war der erste Besuch des Bischofs aus dem Bistum Koudougou in Herzogenaurach. Zur Herzogenauracher Partnerstadt Kaya in Burkina Faso hat er einen persönlichen Bezug, wie er sagte. Stammen seine Eltern doch aus dieser Region.

Bischof Ouédraogo setzt sich für den interreligiösen Dialog ein, der in Burkina Faso einen besonderen Stellenwert hat. Denn hier leben Christen und Moslems nicht nur friedlich vereint, sondern man findet die unterschiedliche Religionszugehörigkeit sogar bis hinein in die Familien. Davon konnte sich auch der Herzogenauracher Bürgermeister bei einer Reise nach Kaya ein Bild machen. Das habe er besonders positiv empfunden, sagte Hacker.

"Unser Land ist ein Modell für den Dialog und die Toleranz zwischen den Religionen", sagt Bischof Ouédraogo. Er weiß sehr gut, wovon er spricht, und gibt bei seinem Besuch im Rathaus einen Einblick in seine Großfamilie. So ist er selbst ja katholischer Bischof, sein jüngerer Bruder ist evangelischer Pastor, ein Cousin ist Moslem, dessen Frau wiederum katholische Christin und Schwester eines Priesters und dann gibt es noch einen anderen Cousin, der der traditionellen afrikanischen Religion angehört. "Wir pflegen den interreligiösen Dialog."

Der Gast aus Burkina Faso wurde 1991 zum Priester geweiht und empfing 2004 die Bischofsweihe. Das war in Dori, einer Region im Norden des Landes, nahe der Grenze zu Mali. Dort sind 95 Prozent Moslems und nur ein Prozent Christen. Seit 2011 ist er Bischof in Koudougou, einer Stadt im Landesinnern, 75 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Ouagadougou. Hier sind die Christen in der Mehrheit. Herzogenaurachs Partnerstadt Kaya wiederum ist wieder mehr muslimisch geprägt.

Der Geistliche mit dem in dem westafrikanischen Land weit verbreiteten Namen - German Hacker: "Viele Gäste aus Kaya heißen Sawadogo oder Ouédraogo" - berichtete, dass der Dialog zwischen den Religionen gute Fortschritte mache, aber auch entsprechend gepflegt werden müsse. "Das ist eine Daueraufgabe und nicht so einfach, wie es scheint." Denn das Toleranzmodell werde an seinen Rändern erschüttert. "Die Grenze zu Mali und Niger ist 1300 Kilometer lang - unmöglich, effektiv zu kontrollieren", heißt es in einer Beschreibung des Hilfswerks Missio zum Monat der Weltmission. Auch komme es vor, dass im Ausland Studierende radikalisiert zurückkehren. Zudem sorgen die aufstrebenden evangelikalen Pfingstgemeinden für Unruhe und Spannungen.

Ouédraogo möchte als Bischof und Vertreter der katholischen Kirche positiv in die Gesellschaft von Burkina Faso hineinwirken, um den Frieden zu fördern. "Radikale wird es immer geben", stellt er fest. "Aber wir müssen dafür sorgen, dass sie nicht gewinnen."

Und das setzt er als langjähriger und zuverlässiger Projektpartner von Missio um. Das Hilfswerk in München wirbt um Unterstützung: "Er geht wirklich an die Ränder und setzt sich im Sinne von Papst Franziskus für die Ärmsten der Armen ein. Aber dazu braucht er Hilfe".