Neunkirchen am Brand
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Auf eine Brotzeit mit... Peter Smolka - einem Radler auf Umwegen

Nach 88 000 Kilometern schmeckt eine fränkische Brotzeit besonders gut. Peter Smolka hat die Welt umradelt und erzählt von seiner Reise.
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Peter Smolka bei einer fränkischen Brotzeit mit den Volontärinnen Anna-Lena Deuerling (links) und Franziska Rieger. Foto: Matthias Hoch
Peter Smolka bei einer fränkischen Brotzeit mit den Volontärinnen Anna-Lena Deuerling (links) und Franziska Rieger. Foto: Matthias Hoch
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Seine erste Weltumrundung hat Peter Smolka (57) süchtig gemacht, 2013 startete der Erlanger dann die zweite. Sein Ziel: vier Kontinente, mehr als 50 Länder, einmal um die ganze Welt fahren. Smolka hat dabei die acht Partnerstädte Erlangens angesteuert. Seit August ist er wieder in Franken. Im Gespräch erzählt er, was ihn zu solch einer Tour antreibt und warum er fast aufgegeben hätte.

Mit Blick auf unsere Brotzeit heute: Welches Gericht aus der Heimat haben Sie am meisten vermisst?
Peter Smolka: Es war kein spezielles Gericht, ich habe mich nicht nach Haxen oder Schnitzel gesehnt. Aber Brot habe ich sehr vermisst. Warum die ganze Welt noch nicht darauf gekommen ist, wie gut ein dunkles Brot ist, verstehe ich nicht.

Was war die außergewöhnlichste "Brotzeit" während der Reise?
Bei meiner ersten Weltumrundung habe ich in China mal Hornissen gegessen, das war aber aus Versehen - eigentlich hatte ich mir Shrimps ausgesucht. Und in Uganda habe ich Heuschrecken gegessen, das war aber bewusst. Die Hornissen waren gut, die Heuschrecken waren süßlich, das war nicht so toll.

Abgesehen von ordentlichem Brot - vermisst man in China oder Mexiko nicht die beschauliche Heimat?

Viele Vorzüge werden einem erst bewusst, wenn man wieder zurückkommt. Man kann hier zum Beispiel sicher im Freien übernachten. In Äthiopien oder Tansania würde ich das nie machen, dort verstecke ich mich, um nicht ausgeraubt zu werden. In Europa ist es zudem so sauber, kein Vergleich zu Indien. Die Natur zählt dort gar nichts. Dafür gibt es dann dort riesige Parks, wo es sauber und grün ist. Aber außerhalb schmeißen sie ihre Plastikflaschen durch die Gegend. Man kommt zurück und denkt sich, dass wir es hier echt gut haben.

Zu Beginn haben Freunde Sie oft begleitet, den Großteil haben Sie alleine gemeistert. Gab es dabei viele einsame Momente?
Eine einsame Phase gab es nur in den ersten Monaten. Ich bin von Russland nach Kasachstan gefahren: weites Land, immer nur Steppe. Auch wenn die Leute recht zugänglich waren, gab es die Sprachbarriere. Ich konnte nur ein bisschen Russisch und damit auch kein richtiges Gespräch führen. Da habe ich mich tatsächlich einsam gefühlt. Das verging aber in Kirgisistan, als ich Leute getroffen habe, die Englisch konnten. Sonst habe ich mich nie wirklich einsam gefühlt, weil die Leute immer auf einen zukommen.

Sie haben sich nicht das erste Mal für mehrere Jahre verabschiedet. Wie schwer fällt es, zu gehen?

Eigentlich gar nicht schwer, weil man jedes Mal im Stress ist. Wenn man für vier Jahre aufbricht, gibt es viele bürokratische Sachen zu erledigen. Wegzukommen war dann eine echte Befreiung: Jetzt bin ich auf der Straße, jetzt bin ich frei. Von daher gab es keine Wehmut. Nur wenn ich zurückkomme, wird mir bewusst, wie toll es ist, meine Freunde wiederzutreffen.

Gab es einen Punkt an der Reise, an dem Sie nicht mehr weiter wollten oder konnten?
Es gab nur einen einzigen Moment, in dem ich mit dem Gedanken gespielt habe, aufzuhören: als mein Fahrrad in Argentinien geklaut wurde. Da ist mir erst bewusst geworden, dass ich mein ganzes Gepäck gar nicht auf einmal tragen kann und ich auf mein Fahrrad angewiesen bin. Als ich bei der Polizei war, um Anzeige zu erstatten, saß ich dort und habe wirklich gedacht: Jetzt höre ich auf.

Warum haben Sie dann trotzdem weitergemacht?
Nachdem ich das auf meiner Homepage geschrieben habe, kamen rührende Reaktionen. Fünf Reiseradler haben mir ihr Rad für den Rest der Tour angeboten. Da war ich fast schon wieder gezwungen, weiterzumachen. Viele wollten auch Geld für ein neues Fahrrad sammeln. Mein Sponsor hat dann angeboten, dass er mir ein neues Rad baut.

Sind Sie auch körperlich mal an Ihre Grenzen gekommen?
Im Anden-Hochland auf 4500 Metern hat mir die Höhe stark zugesetzt. Man ist natürlich kurzatmig, das kannte ich schon, aber dort bin ich auch nachts immer wieder aufgewacht, weil ich aufgehört hatte zu atmen. Ich habe mir dann überlegt: Entweder ich sterbe an Schlafmangel oder ich ersticke. Koka-Tee, den die Leute dort oft kauen, hat mir dann geholfen.
Sonst war ich nie richtig krank. Ich war nur ein einziges Mal beim Zahnarzt, weil ich mir in Indien mit einem Stein im Reis den Zahn ausgebissen hatte. Muskelkater und Achillessehnenentzündung hatte ich natürlich auch.

Klingt schmerzhaft - warum ausgerechnet mit dem Rad um die Welt?

Als Ausgleich zu meinem Job als Softwareentwickler muss ich immer mal wieder in die richtige Welt. Das Tempo auf dem Rad ist dazu ideal. Man ist nicht zu schnell und nicht zu langsam unterwegs. Im Sudan liegen manchmal 100 oder 200 Kilometer zwischen zwei Ortschaften. Da würde man zu Fuß höchstens alle vier Tage einen Ort sehen. Mit dem Motorrad würde man sich vielleicht einfach in die nächste Stadt retten. Mit dem Rad ist man gezwungen, bei Leuten zu bleiben, die einen einladen. Genau darum geht es ja: Menschen kennenzulernen.



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Was kostet so eine Tour?
Eine genaue Zahl sage ich natürlich nicht gerne, aber andere hätten sich dafür vielleicht einen guten Mittelklassewagen gekauft.

Wovon haben Sie gelebt?
Ich habe hauptsächlich von meinen Ersparnissen gelebt und manchmal habe ich auch etwas in Fachmagazinen veröffentlicht oder Fotos an die dpa gegeben.

Wie schauen Ihre Pläne für die nächste Zeit aus?
So ganz fest stehen die noch nicht. Es ist natürlich nicht gerade ein großes Plus, wenn man sich als Softwareentwickler bewirbt und sagt, man sei fünf Jahre weg gewesen. Dann kommt noch mein Alter hinzu. Nach der letzten Reise hat mich meine alte Abteilung dort wieder genommen. Das war schon super. Ich habe ihnen damals versprochen, sechs bis sieben Jahre zu bleiben - acht bin ich dann geblieben.

Wie lange versprechen Sie denn diesmal, hierzubleiben?
Ich würde sagen, wieder so sechs bis sieben Jahre. Jetzt bin ich 57, also dann so bis 64. Aber dann reicht es auch.

Das Gespräch führten Anna-Lena Deuerling und Franziska Rieger

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