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Kabarett

Witzla und a Körnla Wahrheit: Sven Bach erklärt die Franken

Was Sven Bach da im Kienfelder Vereinshaus so alles über die Franken behauptete, wollte niemand aus dem Publikum ernsthaft bestreiten.
Sven Bach lacht, auch wenn er singt. Foto: Paul Frömel
 
von PAUL FRÖMEL
Da soll nochmal einer sagen, Mundart-Kabarett ist nicht anspruchsvoll. Sven Bach stellt einige Ansprüche an die Zuhörer, die ihn auf seiner Reise ins Innerste der fränkischen Seele begleiten wollen.
Zunächst einmal müssen sie des Fränkischen mächtig sein, denn der gebürtige Nürnberger weigert sich standhaft, hochdeutsch zu reden - es sei denn, er imitiert einen "Preußen" in einem seiner Witze -, und er hat eine Abneigung gegen Anglizismen. Deswegen ist er am Samstag auch nicht mit einem "Best of" seiner Programme ins Kienfelder Vereinshaus gekommen, sondern mit "Lauter gouder Woar", und deswegen heißt der Service-Point am Hauptbahnhof bei ihm immer noch Fahrkartenschalter. Seine Überzeugung untermauert Bach mit der fränkischen Hymne "Der allerschönste Dialekt", in der die Unter- und Oberfranken im Publikum bei Versen wie "Wenn mer daham vur Nout ka Brout hot, und den Kupf vur Wout bloutrout hot" vermutlich zweimal hinhören müssen.
Gut hinhören und nicht abschweifen muss bei Sven Bach sowieso jeder, der keinen Lacher verpassen will, denn der Mann auf der Bühne im knallroten Franken-T-Shirt reiht in atemberaubendem Tempo Witzla, Gschichtla und Anekdoten aneinander, aufgelockert durch Liedla und Versla. Dabei, so analysiert Bach, ist der Franke an sich doch eher wortkarg und bringt die Dinge gern kurz und prägnant auf den Punkt. Es ist doch auch viel einfacher, wenn der Gast im Wirtshaus dem Mann im Ausschank "a Seidla" zuruft, als erst umständlich "Könnten Sie mir bitte einmal den Sauerstoff aus meinem Halb-Liter-Gefäß vertreiben, indem Sie mir ein Bier hineinzapfen?" fragen zu müssen.
Überhaupt ist das Wirtshaus einer der wenigen Orte, an denen sich der fränkische Mann gerne aufhält, denn am wohlsten fühlen sich die Franken "daham". Demzufolge ist es auch nicht böse gemeint, wenn jemand hierzulande zu einem Nicht-Franken sagt: "Geh halt ham", denn man will ja nur, dass sich derjenige wohlfühlt, erklärt der Kabarettist.
Manche bleiben aber trotzdem, so wie der gebürtige Sachse in der dritten Reihe, den er privat kennt und der ihm unlängst erzählt hat, dass er sich nach über 20 Jahren in Vestenbergsgreuth langsam wie ein Franke fühlt. So einfach funktioniert es aber dann doch nicht mit der Einbürgerung, antwortet ihm Bach: "Eine Katze, die im Fischladen schläft, ist deswegen auch nicht gleich ein Hering."
Und da ist Sven Bachs nächste Anforderung an sein Publikum: über sich selbst lachen zu können, wenn man den Spiegel vorgehalten bekommt. Bestens zu beobachten bei den Ausführungen zum Eheleben im Allgemeinen und zur Frau im Speziellen, einem besonderen Wesen, "denn sie ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert."


Männer haben es schwer

Hat sie sich erst einmal einfangen lassen, macht sie ihrem Mann das Leben schwer, indem sie ihm eine Frage stellt, drei Antwortmöglichkeiten anbietet, davon zwei ausschließt und eine verneint. In dem Zusammenhang wird auch klar, warum eine Suchmaschine namens "Goggl" weiblich ist: "Sie macht dir Vorschläge, bevor dein Satz zu Ende ist." Zustimmendes Nicken vieler Männer zeigt, dass Bach da von der Wahrheit gar nicht weit entfernt liegt, gemeinsames Lachen der Paare in den Stuhlreihen zeigt, dass es hilft, sich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen.
Ein Thema, das viele Franken durchaus ernst nehmen, den Fußball, streift der Mundartkünstler nur, vielleicht aus der Ahnung heraus, dass nicht nur "Glubberer" nach Kienfeld gekommen sind. Einen hat er aber trotzdem: Ein Bayern-Fan kommt wegen eines abgerissenen Ohrs zum Arzt. Dieser bietet an, ihm ein anderes Ohr wieder anzunähen, allerdings das eines Club-Fans, weil er gerade kein anderes da hat. Der Mann willigt ein, schließlich soll die Sonnenbrille nicht schief sitzen. Die Geschichte geht aber nicht gut aus, der Bayern-Fan ist nach zwei Wochen tot. Das Ohr hat den Körper abgestoßen ...
Bachs Humor ist manchmal derb und direkt, fränkisch halt, aber er bleibt immer über der Gürtellinie. Fränkische Kabarettisten, die den Menschen "aufs Maul schauen", gibt es viele, Quetschnspieler und Mundartdichter auch, aber vor allem als begnadeter Witzeerzähler mit vollem Körpereinsatz sammelt Sven Bach Punkte. Und er erfüllt damit den Anspruch, den sein Publikum an ihn hat: einen kurzweiligen Abend zu erleben und mit leichtem Zwerchfell-Muskelkater nach Hause zu gehen.
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