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Region  // Erlangen-Höchstadt

Renovierung

Vom Kirchturm strahlt das Blattgold

Deutlich teuerer als eingeplant kommen die Bauarbeiten am Turm der Aischer St.-Laurentius-Kirche. Am Sonntag bestückte Pfarrer Thomas Ringer die Turmzier mit Zeitdokumenten. Die nächsten 100 bis 120 Jahre sollte der Turm ohne Probleme überstehen.
Pfarrer Thomas Ringer und Marianne Lauerer haben sich auf die Spitze gewagt  Foto: p
 
von JOHANNA BLUM
Die Bauarbeiten am Aischer Kirchturm gehen ihrem Ende entgegen. In einer feierlichen Zeremonie wurden am vergangenen Sonntag zeitgenössische Dokumente und Urkunden in die Kugel der Turmzier (vergoldeter Turmknopf) gegeben. Diese werden einmal für zukünftige Generationen ein Zeugnis der Zeitgeschichte sein.

Ein Wehmutstropfen mischte sich in die Freude des Tages: "Aus den ursprünglichen Gesamtkosten von 243.500 Euro wurden wegen nicht vorhersehbarer zusätzlicher Arbeiten 460.000 Euro", erfuhren die vielen Gläubigen, Ehrengäste, Gemeinde- und Pfarrgemeinderäte im Gotteshaus von Architekt Helmut Popp. "Das Geld ist ja da - mehr als genug - es ist nur noch in Ihren Taschen", meinte Pfarrer Thomas Ringer und schmunzelte.

Trotz aller Geldsorgen sparte er nicht mit Dankesworten, die an die verschiedenen Firmen für ihre hervorragende Arbeit, den Architekten, aber auch an die vielen ehrenamtlichen Helfer sowie an das Bauamt, das Landesamt für Denkmalschutz und auch an die Gemeinde Adelsdorf für die finanzielle Unterstützung gerichtet waren.

"Gar herrlich ist bekränzet der starken Türme Wehr, und oben hoch erglänzet des Kreuzes Zeichen hehr ..." Die alte zweite Strophe des Liedes "Ein Haus voll Glorie schauet" nahm der Pfarrer in der Andacht zum Leitmotiv für die feierliche Zeremonie in der Aischer Kirche.

Bei Beginn der Restaurierungsarbeiten im vergangenen Mai hatte Pfarrer Thomas Ringer zusammen mit dem Architekten Helmut Popp und dem Restaurator Andreas Mätzold (Firma Donath in Wonsees) die Zeitkapsel, die am 22. September 1971 in die Turmzier gegeben wurde, geöffnet und heraus kamen neben den beiden Tageszeitungen (FT und NN) noch zwei Urkunden - eine vom Juli 1952 und eben die aus dem Jahr 1971, sowie Spendenlisten und Hartgeld in der ehemaligen DM-Währung.


Vier Wochen waren Kreuz und Kugel in Arbeit

Der Kirchturm bereitete schon seit langem Probleme. Bereits 1952 und dann wieder 1971 wurde das Dach repariert und in den 70er Jahren hatte man Löcher in die dicken Balken gebohrt, um den Holzwurm zu bekämpfen.
Architekt Popp verlas die neue Urkunde, die sowohl den Weg der Sanierungsarbeiten dokumentiert als auch die aktuellen führenden Persönlichkeiten wie Papst, Bundeskanzler, Bundespräsident bis hin zum Erzbischof, Weihbischof, Pfarrer und Bürgermeister von Adelsdorf festhält.

Anja Soppa, die Tochter des Restaurators Andreas Mätzold, berichtete in Vertretung ihres erkrankten Vaters von der fachgerechten Restaurierung des Turmes. "Ich bin das Dach, nach alten Normen gedeckt von Meisterhand. An First und Grad wusste er zu formen mit Ort und Kehle mein Gewand", verlas sie in ihrer Zunftkleidung einen alten Richtspruch.

Um alle Dokumente wie die Lokalteile der beiden Tageszeitungen vom 16. Februar, eine Seite des FT von der Rücktrittsankündigung des Papstes, das Heinrichsblatt, das Mitteilungsblatt der Gemeinde, den Pfarrbrief von St. Laurentius, die Ausführungspläne des Turmes, die Baubeschreibung des Architekten und die der Firma Donath, Urkunden von der Sanierung von 1952, 1971 und von der Generalsanierung von 1996 wie die aktuellen Bier- und Brotpreise und auch das Beutelchen mit Hartgeld in den kupfernen Zylinder zu packen, bedurfte es schon mehrerer Helfer. Anschließend lötete der Spengler Georg Ströbel aus Weisendorf die Kupferzeitkapsel sorgfältig zu, bevor sie Pfarrer Thomas Ringer unter Mithilfe von Kirchenmaler Robert Dörfler aus Bamberg in die vergoldete Turmzier einführte.

Insgesamt vier Wochen waren Kreuz und Kugel in der Bamberger Maler- und Kirchenmalerwerkstätte von Robert Dörfler. "Zwei Wochen musste alles trocknen, dann hat der Schlosser einiges ergänzt und ausgebessert, bevor ich mit dem Auftragen des 23 ¾-karätigen Blattgoldes beginnen konnte", erzählte der Kirchenmaler dem FT.

"Möge diese Sanierung unter Gottes allmächtigen Schutz und durch die Fürbitte der Gottesmutter Maria, der heiligen Patrone unseres Erzbistums Kunigunde und Heinrich und den Patronen dieser Pfarrkirche St. Laurentius und St. Wendelin, sowie unter dem Schutz des Heiligen Geistes glücklich und unfallfrei beendet werden", steht in der Urkunde, die nun mit in der Zeitkapsel ruht.

100 bis 120 Jahre sollte der restaurierte Turm nun halten. Die Kugel der Turmzier ist einen Meter hoch und hat einen Durchmesser von 80 Zentimeter. Sie ist ungefähr 10 bis 15 Kilogramm schwer. Kreuz mit Wetterhahn sind nochmal 2,50 Meter hoch und 40 Kilogramm schwer.

Draußen vor der Kirche gab es noch Glühwein und Gebäck und am Montag wurde die Turmzier als Turmbekrönung von der Firma Donath und Robert Dörfler nach oben gebracht und befestigt. Am Dienstag wird auch die Turmspitze schon vom Gerüst befreit.

Bald wird der Kirchturm wieder ohne Gerüst im neuen Glanz über das Aischtal blicken.


Die Geschichte der Aischer Kirche:

Erstmalig wurde die Kirche St. Laurentius im Jahre 1414 erwähnt. Im Jahr 1597 wurde die Pfarrei Aysch mit der Pfarrei Otelsdorf (Adelsdorf) zusammengeführt. Während der ganzen Zeit der Gegenreformation und des 30-jährigen Krieges lebten in Aisch Lutheraner.

Im Jahr 1701 wurde die Kirche "barockisiert" und dabei vergrößerte man das Langhaus und den Chorraum. Am 7. Dezember 1896 fand die Umwandlung der Pfarrei Aisch in eine Kuratie statt und wieder nahm man mehrere bauliche Veränderungen an dem Gotteshaus vor. Im Jahr 1935 ließ Dombaumeister Fuchsbauer aus Bamberg das Gotteshaus nach Westen und Süden erweitern. Dabei verlegte er den Altar - völlig unüblich - auf die Westseite. Am 20.10.1936 fand dann die Weihe der umgebauten Kirche statt.

Von der ursprünglichen Kirche aus dem 16. Jahrhundert sind heute nur noch Teile des Turms vorhanden und im Putz selber finden wir die Jahreszahl 1791.

Im Jahr 1950 erwirkte der damalige Pfarrer Hubert Gloßner, dass die Kuratie Aisch wieder zu einer "richtigen" Pfarrei wurde. Seit Gloßners Tod 1987 wird St. Laurentius von der Nachbarpfarrei St. Stephanus mit verwaltet.
Nach mehreren kleinen Renovierungen erfolgte von 1994 bis 1996 eine Generalsanierung des Gotteshauses. Die liturgische Ausrichtung erfolgte wieder nach Osten und der Hochaltar fand seinen Platz im alten Chorturmjoch. Mit der Altarweihe durch Erzbischof Karl Braun am 11. August 1996 war die bauliche Neugestaltung fast abgeschlossen. Am 4. Juli folgte noch die Weihe der neuen Pfeifenorgel.


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