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Kino

Schließung droht: Gibt es noch Hoffnung für das Manhattan-Kino in Erlangen?

Das Programmkino "Manhattan" in Erlangen wird wohl im nächsten Jahr schließen müssen - wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht.
Schließung droht: Gibt es noch Hoffnung für das Manhattan-Kino in Erlangen? Foto: privat
 
von NIKOLAS PELKE
"Manhattan" steht in Erlangen für Kino und nicht für Häuserschluchten und Wolkenkratzer. Nun bahnt sich in dem Lichtspieltheater ein reales Drama abseits der Leinwände an. Wenn kein kleines Wunder passiert, muss das Kino im nächsten Jahr schließen.

"Wir suchen einen Ort für unser Kino!" Mit diesem Hilfeschrei haben sich die Betreiber, Elisa Coburger und Peter Zwingmann, nun an die Öffentlichkeit gewandt. Hintergrund des sich abzeichnenden Überlebenskampfes ist ein schnöder Pachtvertrag, der im September nächsten Jahres ausläuft. Über einen neuen Vertrag habe man sich nicht einigen können, sagen die Betreiber, die das vor 34 Jahren vom "Kino-König" Wolfram Weber (Cinecittà Nürnberg) gegründete Haus seit zehn Jahren führen. Ein Grundstück für ein neues Kinogebäude hätte man bislang ebenfalls vergeblich gesucht, erklärt Peter Zwingmann (48) im Gespräch mit dieser Zeitung. Der "Plan B" sieht derzeit also auch nicht nach einem "Happy End" aus.

Die Betreiber schlagen deshalb jetzt öffentlich Alarm. Unterwww.manhattan-freund.dekönnen sich Kino-Fans zum "Manhattan" im Internet öffentlich bekennen. Zahlreiche Kino-Helden wie der österreichische Schauspieler, Josef Hader, unterstützen die Aktion. "Ich wünsche mir für die Erlangerinnen und Erlanger, dass sie auch weiterhin in ihrem ,Manhattan-Kino` Filme abseits des Mainstreams anschauen können", schrieb der bekannte Schauspieler (Das ewige Leben) an die virtuelle Unterstützer-Pinnwand des Kinos.. Auch die lokale Kulturprominenz setzt sich für den Erhalt des Hauses ein. Für die Intendantin des Theaters Erlangen, Katja Ott, bedeutet das Kino beispielsweise "eine Insel" im Meer der Konsumpaläste in der City.



Bekommt das Kino ein neues Heim?

Aufgeben bevor der Abspann läuft will das "Manhattan" nicht. Bevor der Vorhang fällt, bleibt den Betreibern immerhin noch etwas Zeit. Nicht gänzlich unwahrscheinlich, dass der Hilfeschrei des Kinos doch noch erhört wird. Zumal überraschende Wenden im Kino keine Seltenheit sind. Peter Zwingmann setzt alles daran, dass sein "Plan B" doch noch aufgeht. Der Favorit für den erhofften neuen "Kino-Standort" ist das Hallenbad am Frankenhof, das bald abgerissen werden soll. Die Stadt hat bereits beschlossen, dass aus dem Frankenhof ein neues Kulturzentrum werden soll. Was auf der Fläche des abrissreifen Hallenbades entsteht, ist dagegen noch unklar.

Das begehrte Grundstück gehört den Stadtwerken. Zwingmann geht davon aus, dass dort "Luxus-Wohnungen" entstehen, wenn die Stadt nicht eingreift. Kulturreferent Dieter Rossmeissl sagt, dass er sich freuen würde, wenn neben dem geplanten Kulturzentrum das "Manhattan"-Kino ein neues Zuhause finden würde. Wobei die Betonung auf dem Konjunktiv liegt. Das Problem sei, dass die Stadt den privaten Kino-Betreibern kein Grundstück schenken könne. Geschenkt wollen die auch nichts. Zwingmann hofft vielmehr darauf, dass die Stadt seine Neubau-Pläne bei der Ausschreibung berücksichtigt. Das Kalkül: Andere Interessenten könnten so das Nachsehen haben. Dieser Plan, das weiß auch Zwingmann, kommt allerdings einem Drahtseilakt gleich, der bis zum Ende spannend bleibt. Ein Thriller ist genauso nervenaufreibend. Bis dahin wollen die Betreiber ihre ganze Kraft den"Lamm-Lichtspielen" widmen. Auf den zwei Leinwänden dort sollen noch mehr Filme gezeigt werden, wenn die drei Säle im Manhattan-Kino tatsächlich bald geschlossen werden müssen.

Eine allerletzte Möglichkeit, das "Manhattan" zu retten, bleibt freilich noch. "Vielleicht bietet uns ja ein privater Kino-Fan ein Grundstück an", hofft Zwingmann augenzwinkernd. Märchengeschichten sind schließlich wie für das Kino gemacht.


Prominente Unterstützer des Manhattan-Kinos

Matthias Egersdörfer, Kabarettist: "Da scheint mir ein gerüttelt Maß an Blödigkeit, Ignoranz und Unvermögen am Werk zu sein, wenn in Erlangen eines der beiden Kinos, das diese Namen verdient, seine Tür abschließt."

Professor Kay Kirchmann, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Uni Erlangen:
"Eine lokale Kinostruktur, die über die rein marktorientierte Programmplanung kommerzieller Kinoketten hinausgeht, ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Bildungsangebots einer Stadt. Auch als sozialer Begegnungs- und Diskussionsraum ist ein Programmkino wie das ,Manhattan von herausragender Bedeutung für die Herausbildung einer kunst- und kulturinteressierten Öffentlichkeit. Eine Schließung des ,Manhattan` wäre ein ganz erheblicher Verlust, den aus aus den genannten Gründen dringend abzuwenden gilt."
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