Herzogenaurach
Technik

In Herzogenaurach waren die Schüler Lehrer

Bei einem App-Abend an der Realschule waren Eltern und Pädagogen diejenigen, die sich etwas erklären lassen mussten.
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Die Jugendlichen erklärten ihren interessierten Zuhörern, welche Chancen, Möglichkeiten und Gefahren im Smartphone stecken. Foto: Bedruna
Die Jugendlichen erklärten ihren interessierten Zuhörern, welche Chancen, Möglichkeiten und Gefahren im Smartphone stecken. Foto: Bedruna
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"Und genau darin besteht eine große Gefahr für Ihre Kinder!" Dieser pädagogisch bedeutsam klingende Satz fiel vor kurzem des Öfteren an einem Ort, wo man ihn durchaus erwartet, nämlich in der Pausenhalle der Realschule.
Allerdings erklang er nicht aus dem berufenen Munde der Lehrkörper, sondern von Schülersprecher Linus Häfner aus der zehnten Klasse. Dieser nahm zusammen mit zehn anderen Mitschülern die Aufgabe wahr, interessierten Eltern Handy-Apps zu erklären sowie die damit verbundenen Chancen und Möglichkeiten aufzuzeigen, jedoch auch auf Nachteile und Gefahren hinzuweisen.
Geladen hatten zu diesem informativen und in ungezwungener Atmosphäre stattfindenden Abend drei Schülerinnen und ein Schüler aus der Klasse 9c. Wie alle Neuntklässler mussten auch sie sich zur diesjährigen Projektarbeit unter dem Motto "Zeitreise" ein Thema suchen, das unter Anleitung ihres betreuenden Lehrers Oliver Jugl entwickelt wurde und letztlich in diesen App-Abend mündete.
Etwa 50 Besucher waren der Einladung gefolgt, die an alle Eltern der Klassen sechs bis zehn ergangen war, teilt Markus Bedruna von der Realschule mit. Wer sich die knapp zwei Stunden Zeit nahm, konnte von denjenigen etwas lernen, die normalerweise die Belehrten sind. Cassandra Bayer, Selina Eichler, Ellena Lukas und Nick Sandner konnten für die Umsetzung ihrer Projektidee Klassenkameraden und Mitglieder der "Admin-Crew" gewinnen, eine Wahl-AG, die ebenfalls unter Jugls Leitung den praktischen Umgang mit Medien gewohnt ist und mit Herz und Hand die Systembetreuer an der Schule unterstützt.
Diese Schüler begeisterten mit ihren Ausführungen zu Instagram, Twitter, Spotify, Snapchat, Pinterest usw. ihre erwachsenen Zuhörer und zeigten ihre hohe Kompetenz sowohl in der Sache als auch im freien Vortrag. In zuvor eingeteilten Gruppen wurden die einzelnen App-Stationen von den wissbegierigen Eltern und Lehrern durchwandert, immer wieder unterbrochen von kleinen Pausen, in denen man sich an einem Kuchenbüfett stärken konnte.
Oft ungläubig staunend verdaute man dort dann auch das eben Gehörte. Dabei wunderte man sich kaum mehr darüber, was inzwischen alles über Apps möglich ist, sondern eher darüber, woher eigentlich die ganze Zeit kommen soll, um sich mit all den Informationen zu befassen, ständig getrieben von der Angst, irgendetwas Wichtiges zu versäumen.


Anstrengender Vortrag

Schnell war für die Eltern und Pädagogen klar, wie es zu all dem Stress kommt, unter dem Kinder und Jugendliche heutzutage leiden, und auch, warum es immer schwieriger wird, Schulwissen ins Langzeitgedächtnis zu überführen. Aber auch für die Schüler gab es etwas zu lernen: Die App-Vorsteller merkten, wie anstrengend es sein kann, so lange Zeit am Stück zu reden und zu erklären, und die Schüler aus der Projektgruppe bekamen hautnah mit, wie aufwendig es ist, eine solche Veranstaltung nahezu in Eigenregie durchzuführen, angefangen bei Absprachen mit Schulleitung und Betreuer über das Verfassen von Elternbriefen und die Organisation vor Ort bis hin zum Aufräumen der Pausenhalle. Schulleiter Uli Langer zeigte sich tief beeindruckt von dem Abend: "Das ist wahre Kompetenzorientierung. Hier können die Schüler wirklich zeigen, was in ihnen steckt."
Cassandra, Ellena, Selina und Nick können sich aber noch nicht zurücklehnen. In der nächsten Woche muss nämlich all das, was sie auf die Beine gestellt haben, noch in einem halbstündigen Vortrag der eigenen Klasse und anderen Schülern präsentiert werden.
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