Region // Erlangen-Höchstadt
Im Rollstuhl zum Stammtisch
Wohnberater Georg Hammer nimmt das Sportheim der SpVgg Zeckern unter die Lupe
Ein Rollstuhl steht bereit. Landrat Eberhard Irlinger (SPD) macht die Probe aufs Exempel. Er setzt sich - und mühelos kann er unter den "Stammtisch" im Sportheim "Köhlerstuben" in Zeckern fahren. Noch zu sehr ausgegrenzt seien Behinderte und ältere Menschen in unserer Gesellschaft", sind sich Landrat, Behindertenbeauftragter Jürgen Ganzmann, die Seniorenbeauftragte Anna Maria Preller und der ehrenamtlich Wohnberater Georg Hammer einig. Gerade Gaststätten sollten deshalb barrierefrei zugänglich sein.
Tipps beim Frühstück
Sein Sportlerheim ist es nicht - Ralf Hellmann, Vorsitzender der Spielvereinigung Zeckern und Inhaber der verpachteten Gaststätte, macht daraus keinen Hehl. Er ließ sich aber gerne beraten. "Weil man vielleicht auch schon mit kleinem Geld was bewirken kann", sagt er. Andere Gastwirte haben dazu die Gelegenheit am Montag, 9. Juli, bei einem gemeinsamen Frühstück im Landratsamt in Erlangen (siehe Kasten).
Wohnberater Hammer erklärt die Knieregel: "Alles, was unterhalb des Knies steht, zum Beispiel Vasen oder Zeitungsständer - sind Stolperfallen." Die Tischhöhe sollte für Rollstuhlfahrer 85 Zentimeter betragen. Ist der Tisch zu niedrig, könnte er in Holzklötze gestellt werden. Mindestens ein Tisch in der Gastwirtschaft sollte dieser Anforderung entsprechen. Empfehlenswert bei Stühlen ist eine Sitzhöhe von 48 Zentimetern. "Alte Menschen können so leicht aufstehen", begründet Hammer. "Wenn dann noch Armlehnen mit Handauflagen dran sind, können sich Senioren gut hochziehen." Um zwischen den Tischen fahren zu können, sei ein Tischabstand von mindestens 1,50 Meter notwendig.
Fenster sollten am besten bis zum Boden reichen, die Brüstung jedoch höchstens 60 Zentimeter hoch sein. Der Grund: Dann haben auch Rollstuhlfahrer eine gute Sicht nach draußen. Und die Lampen: Viel Licht sollen sie bringen, denn das Auge sieht mit dem Alter stetig schlechter.
Bei Ralf Hellmann im Gastraum im Obergeschloss sind einige Kriterien bereits erfüllt. Auf der Terrasse fällt Georg Hammers Blick auf die Treppe: "Ein Handlauf rechts, einer links: Das ist schon mal sehr gut", stellt der Fachmann fest. Man könnte die Handläufe verlängern, damit sie schon vor den Stufen beginnen. Die Stufen selbst sind breit genug. 29 Zentimeter werden empfohlen, 17,5 Zentimeter für die Tritthöhe. Hammer regt an, auf den Stufenenden Leuchtstreifen anzubringen, zumindest auf die erste und auf die letzte Stufe - zur besseren Erkennung. Allerdings: Wenn ein Rollstuhlfahrer - oder auch Eltern mit dem Kinderwagen - nicht in den unteren, sondern in den oberen Gastraum wollen, sind Treppen immer ein Problem. Abhilfe könnte hier eine Hubbühne schaffen. Die Kosten nennt Hammer zwischen 5000 und 10 000 Euro. Und Anna Maria Preller fügt hinzu, dass es Zuschüsse bis zu 10 000 Euro gibt - über ein Förderprogramm am Landratsamt.
Maximal sechs Prozent Steigung
Von außen führt eine Rampe hinunter zu Duschen und Sauna im Keller der Sportgaststätte. "Die ist für Rollstuhl und Rollator zu steil", weiß Hammer. Höchstens sechs Prozent Steigung schafft der Rollstuhlfahrer. Dafür lobt er die gepflasterten Wege, die zum Gelände führen: "Die sind 90 Zentimeter breit. Das reicht." Und der Parkplatz für den Behinderten sollte mindestens 3,50 Meter breit sein.
Wären noch die Toiletten, die für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer großzügig gestaltet und mit Haltegriffen ausgestattet sein sollten.
Dann ist auch Behindertenbeauftragter Jürgen Ganzmann zufrieden, der empfiehlt, sich in die Lage des Behinderten zu versetzen: "Ich muss barrierefrei reinkommen, mich am Tisch hinsetzen und die Toiletten nutzen können."
Barrierefreie Gaststätten Der Vortrag findet statt am Montag, 9. Juli, im großen Sitzungssaal des Landratsamtes in Erlangen. Beginn ist um 10 Uhr. Georg Hammer, Wohnberater und Bauingenieur, wird referieren. Alle Gastwirte, aber auch interessierte Privatpersonen sind eingeladen. Anmeldung bis Donnerstag, 28. Juli, bei der Seniorenbeauftragten Anna Maria Preller, Telefon 09131/803277.
Wohnberater Im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind seit einem Jahr 19 ehrenamtliche Wohnberater im Einsatz. 50 Beratungen haben bereits stattgefunden, worauf einige größere Umbauten durchgeführt wurden. Oft sind es aber nur kleine Dinge, die große Erleichterung für Senioren und Behinderte mit sich bringen. Deshalb kommen Wohnberater ins Haus. Verpflichtungen oder Kosten entstehen dadurch nicht. Anna Maria Preller gibt Auskunft.




















