Herzogenaurach
Ich habe Pubertät

"Ich habe Pubertät" - Fasching ist eine ernste Sache

Michael und Nicola Busch - Unser Redakteur, Vater einer 13-jährigen Tochter, schreibt seine Erfahrungen in einer wöchentlichen Kolumne auf.
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Das ist züchtig, meint zumindest der Papa. So geht Fasching in Ordnung.  Foto: Michael Busch
Das ist züchtig, meint zumindest der Papa. So geht Fasching in Ordnung. Foto: Michael Busch
Haben Sie, sofern Sie Elternteil einer pubertierenden Tochter sind, mal probiert, mit derselbigen ein Faschingskostüm zu kaufen? Nein? Dann lassen Sie auch die Finger davon, denn der Krach ist programmiert.

Ist mir an diesem Wochenende passiert. Rauf nach Hessen, ab in die Faschings-Hochburg Nieder-Wöllstadt. Rheinischer Karneval vom Feinsten, ein Kulturgut, das ich meiner Tochter versuche, seit einigen Jahren näherzubringen. Randbemerkung: Ich stamme von dort, bin als Hesse in Franken allerdings assimiliert worden. Und einmal im Jahr geht es zur Fremdensitzung zurück zu meinen humoristischen Wurzeln.

Egal, Nicola ist seit sechs Jahren dabei. Immer brav als Schlumpf, als Squaw, als Marienkäfer. Doch in diesem Jahr änderte sich alles. Denn ich stand mit Nicola in einem hessischen Laden, um das entsprechende Kostüm mit ihr auszusuchen. Ich schlug ihr einen Vollkörper-Pinguin, ersatzweise als Eisbär oder Minion vor, was mir einen verächtlichen Blick einbrachte.

"Ich bin kein Baby mehr!" Ich sparte ihr eine Vortrag über die Möglichkeit, dass auch ein Baby-Kostüm eine mögliche Alternative wäre. Nicola hielt mir recht überraschend ein Kostüm vor die Nase, was mit den angezeigten 65 Euro einem mittleren Stoffquadratzentimeterpreis von gefühlten 6,46 Euro entsprach. Auf gut deutsch: Viel Geld für wenig Ware. Auf alle Fälle zu wenig Ware für eine 13-Jährige, die zugegebenermaßen eine hübsche Tochter ist.

Beim Kostüm-Ping-Pong stand dann das Nonnenkleid gegen eine Bardame, die Astronautenkluft gegen eine Stewardess und das Bärenfell gegen einen Minirock, der selbst den Namen "Mini" zu unrecht tragen würde. Gewonnen hat dann die Zombie-Schüler-Kombination. Kurzer Rock, aber so genannte Over-Knees, so dass im Grunde nur ein wenig Haut zwischen oberem Knie und Mitte des Oberschenkels zu sehen war.

Das Gesicht weiß geschminkt, mit Blut verziert, also fast wie im richtigen Leben. "Nein, wir knöpfen die Bluse ganz oben zu und die Schulter bleibt bedeckt!" Nach kurzen zwei Stunden zwanzig hatten wir ein Kostüm gefunden. 97 Euro, das war es mir wert. Scheiß Pubertät!

Und was sagt Nicola?
Echt jetzt? Fasching und Lustig, das geht bei Papa aber gar nicht zusammen. Ich will mal sehen, wie der sich bei einem Konzert anstellen wird...
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