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Region  // Erlangen-Höchstadt

Fernsehtipp

Die Brüder Dassler im TV: ARD zeigt Brüderkampf zwischen Adidas und Puma

Zu Ostern erzählt die ARD die Geschichte um die Entstehung von Adidas und Puma. Gute Darsteller machen das Werk um die Brüder Dassler sehenswert.
Die Schauspieler Christian Friedel (Adi, l) und Hanno Koffler (Rudi) in einer Szene des ARD-Films "Die Dasslers" Foto: Wiedemann & Berg/Martin Spelda/ARD/Degeto/dpa
 
von MATTHIAS LITZLFELDER
Zwei Weltfirmen der Sportartikelindustrie in der kleinen mittelfränkischen Stadt Herzogenaurach: Die Ursache für diese beeindruckende Konstellation liegt in einem Familienzwist, ausgelöst durch zwei Brüder, die lange Zeit gemeinsam Geschäftserfolge feierten, dann aber getrennte Wege gingen - tief zerstritten.
Die Dassler-Brüder Rudolf "Rudi" und Adolf "Adi", Söhne eines Herzogenauracher Schusters, haben die Sportwelt des 20. Jahrhunderts geprägt. Ihr Bruderkampf, aus dem die Konzerne Puma und Adidas entstanden, ist ein idealer Stoff für Filmemacher. Nach RTL im vergangenen Jahr präsentiert nun die ARD in einem Zweiteiler am Karfreitag und Karsamstag diese Familiensaga.


Der Tüftler und der Verkäufer

Ausgangspunkt der Herzogenauracher Erfolgsgeschichte im Sportbusiness ist die Gründung einer gemeinsamen Schuhfabrik für Sportschuhe im Jahr 1924. Auf der Suche nach dem immer perfekteren Laufschuh arbeiten der Handwerker und zurückhaltende Tüftler Adi und sein zwei Jahre älterer Bruder Rudi, ein geschäftstüchtiger Verkäufer, zusammen mit dem Vater Hand in Hand.
Noch heute sind Schuhe der größte Umsatzbringer der Sportartikelhersteller Adidas und Puma. Während Puma damit rund 45 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet, sind es bei Adidas mehr als die Hälfte, das heißt über zehn Milliarden Euro. Daneben machen die beiden Konzerne ihr Geld inzwischen längst auch mit Sportbekleidung und Zubehör.


Amerikaner in deutschen Schuhen

Der Erfolg ist anfangs auch das entscheidende Bindeglied zwischen den beiden so unterschiedlichen Brüdern. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin laufen fast alle deutschen Athleten in Dassler-Schuhen. Dieser gewaltige Umsatzbringer hat für die Dasslers seinen Preis. Ohne die Mitgliedschaft in Hitlers NSDAP wäre das Geschäft nicht zustande gekommen. Ein Schritt mit Folgen, wie sich später noch herausstellen wird.
Zugleich ist das Sportereignis vor dem Zweiten Weltkrieg der Startschuss für den internationalen Durchbruch der Dassler-Schuhe. Nicht zuletzt, weil die Brüder dem amerikanischen Leichtathletikstar Jesse Owens ihre Schuhe anbieten. Dieser siegt in vier Disziplinen.
Der ARD-Film lässt sich ausreichend Zeit, die Wesenszüge der beiden Brüder herauszuarbeiten. Christian Friedel und Hanno Koffler gelingt dies in beeindruckender Weise. Dabei kommen auch die anderen Familienmitglieder nicht zu kurz. Vor allem den beiden Dassler-Ehefrauen - Hannah Herzsprung als Rudolfs Gattin Friedl und Alina Levshin als Adolfs Frau Käthe - wird entsprechend Platz eingeräumt, um auch hier die Unterschiede und Differenzen aufzuzeigen, ohne zu überzeichnen.


Erst Ober-, dann Mittelfranken

Der Film lebt neben den passenden Requisiten und Originalbildern sportlicher Großereignisse der damaligen Zeit vor allem von den Details, die die Filmemacher herausgearbeitet haben. Ein Beispiel ist das Ortsschild von Herzogenaurach. Anfangs ist darauf noch zu lesen "Regierungsbezirk Oberfranken", später fahren Familienmitglieder auf ihrem Weg aus der Stadt an einem Schild mit der Aufschrift "Herzogenaurach. Kreis: Erlangen-Höchstadt" vorbei. Von 1838 bis 1972 war die Stadt dem Regierungsbezirk Oberfranken zugeordnet. Dann kam die Gebietsreform, und Herzogenaurach wurde mittelfränkisch.
Die Erfolgsgeschichte der Brüder wird durch den Zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen. Ab da kommen die Probleme. Rudi muss an die Front, Adi führt währenddessen das Unternehmen alleine weiter. Die Sportschuhproduktion rückt in den Hintergrund. Die Fabrik ist gezwungen, Rüstungsgüter herzustellen.


Die Amerikaner kommen

Doch das Problem liegt woanders. Zwischen den Brüdern wächst das Misstrauen. Warum wurde der eine eingezogen, der andere nicht? Rudolf fühlt sich außerdem geschäftlich ausgegrenzt. Auch der Einmarsch der Amerikaner ändert daran nichts. Wieder ist es Rudolf, den die Amerikaner zunächst als Nazi-Kollaborateur einsperren. Beide Brüder sehen im anderen den Denunzianten und Betrüger. Es kommt immer mehr zum Zerwürfnis, an dem die unterschiedlichen Ehefrauen - hier die fürsorgliche Friedl, da die an den Geschäften interessierte Käthe - sicher ihren Anteil haben.
Hinzu kommt die räumliche Nähe. Alle Dasslers leben anfangs gemeinsam unter einem Dach: Rudis Familie, Adis Familie und die Eltern. Das verstärkt die Konflikte.
1948 kommt es zum Bruch. Die Brüder teilen die Firma, die Werkteile, die Mitarbeiter. Die Aurach bildet künftig eine Grenze zwischen Rudolfs und Adolfs Welt, zwischen Puma und Adidas. Der Zwist überträgt sich auf die Söhne. Eine Tragik, die der Film schön herausarbeitet.


Vorsprung für Adidas

Im Zweiteiler, vor allem im zweiten Teil, werden aber noch andere historische Hintergründe deutlich, die die Entwicklung der beiden Sportartikelhersteller erklären. Was wäre passiert, wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 1954 beim "Wunder von Bern" in Puma-Schuhen gespielt hätte? So aber ging Bundestrainer Sepp Herberger zu Adidas und bekam auswechselbare Stollen. Ein erster Vorsprung für Adidas, den Puma bis heute nicht mehr einholen konnte. 19,3 Milliarden Euro Umsatz erzielte Adidas im vergangenen Jahr, liegt im Weltmarkt auf Platz 2 hinter Nike. Puma erreichte 2016 dazu im Vergleich 3,6 Milliarden Euro. Für Adidas arbeiten heute in Herzogenaurach mehr als 5000 Menschen, Puma beschäftigt dort rund 950.


Zeitsprünge und Korruption

Doch die Zeit der Familienkämpfe ist vorbei. Beide Firmen sind längst nicht mehr in Familienbesitz. Und auch der Film gibt sich trotz aller Tragik am Ende ein wenig versöhnlich. Beeindruckend ist dabei die Leistung der Maskenbildner, die den Alterungsprozess an den Hauptdarstellern umsetzen konnten. Die Zeitsprünge von den 1970er Jahren in die 20er, 30er und 40er Jahre und wieder zurück geben dem Film eine besondere Note. Und schließlich verdeutlicht das Werk der ARD auch, wie korrupt das Sportgeschäft früher schon war. Sehenswert!

zum Thema "Adidas"

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