Adelsdorf
Produktionsstopp im März

Die Firma Hörrlein in Adelsdorf schließt

Die Firma Hörrlein schließt die Produktion in Adelsdorf und löst den Betrieb auf. 40 Mitarbeitern wurde gekündigt.
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Die Firma Hörrlein hört in Adelsdorf auf. Fotos: Christian Bauriedel
Die Firma Hörrlein hört in Adelsdorf auf. Fotos: Christian Bauriedel
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In Adelsdorf endet eine Ära. Denn die Firma Hörrlein hat angekündigt, die Produktion komplett einzustellen und das Unternehmen aufzulösen. Das Familienunternehmen, das sich auf die Herstellung von Meerrettichprodukten, eingelegtem Gemüse und Soßen spezialisiert hat, existiert seit 1923. Im März 2017 sollen sich die Werkstore zum letzten Mal schließen.

"Wir hätten gerne unser 100-Jähriges noch gefeiert", sagt Geschäftsführer Hans-Peter Hörrlein. Doch es gehe nicht mehr. Es dauere nun noch drei Jahre, bis das Unternehmen komplett liquidiert ist. Doch ab März stehen in Adelsdorf die Maschinen still.

40 Mitarbeiter hat das Unternehmen. Allen sei gekündigt worden. Die ersten Kündigungen seien Ende August ausgegeben worden. Am 20. September habe es eine Betriebsversammlung gegeben. Es sei Unterstützung vom Arbeitsamt mit dabei gewesen. Hörrlein bemühe sich, jedem Einzelnen zu helfen, etwas Neues zu finden. "Wir haben die Leute vernünftig darauf vorbereitet", sagt Hörrlein. Er habe mit jedem Mitarbeiter ein Einzelgespräch geführt und habe eine klare Aussage vom Arbeitsamt: Es werde keine Arbeitslosen geben. "Ein Staplerfahrer von uns kann auch für Imo oder Schaeffler fahren." Auch die Köche oder Lebensmitteltechniker fänden schnell etwas Neues, ist sich Hörrlein sicher.

"Die Entscheidung ist lange gereift", sagt der 63-Jährige, seit 42 Jahren an der Spitze des Betriebs. Schließlich sei die Liquidierung eines so traditionsreichen Unternehmens keine Entscheidung, die man von heute auf morgen treffe.


Ein Betrieb mitten im Wohngebiet

Grund sei keinesfalls eine Pleite. Finanziell stehe man gut da. "Wir sind schuldenfrei", sagt Hörrlein stolz. Das Unternehemen könne weiterlaufen. "Doch wird müssen die Reißleine ziehen." Es handle sich auch bei Leibe nicht um eine Verlagerung der Produktion, um Kosten zu sparen, etwa an einen anderen Standort wie nach Feldbach in Österreich, nach Griechenland oder nach Halle, wo weitere GmbHs der Familie existieren.

Fragt man nach dem Grund, zeigt Hörrlein aus dem Fenster seines Büros: "Das ist unser Problem." Zu sehen sind die Reihenhäuser des neuen Baugebiets Reuthsee, das direkt und ohne viel Abstand an das Firmengelände angrenzt.

"Früher waren wir vor den Toren von Adelsdorf. Jetzt sind wir sowas von eingebaut, dass wir uns hinten und vorne nicht mehr bewegen können." Die dichte Wohnbebauung sei ein großes Problem. Es gebe regelmäßig Beschwerden der Anwohner wegen Lärm- oder Geruchsbelästigung. Androhungen, erneut das Landratsamt einzuschalten, bis hin zu Leuten, die die Polizei rufen. Für Hörrlein stehe fest, dass es mit den Reuthsee-Anwohnern in Zukunft ständig Probleme gegeben hätte. "Es wird sehr still. Da haben die Nachbarn ihre Ruhe." Dazu komme das Problem mit dem absoluten Halteverbot, das die Gemeinde vor seiner Zufahrt geschaffen habe. Die Lkws könnten nicht einmal schnell halten.

Es sei diese Summe an Dingen, die den Standort nicht mehr sicher gemacht habe. In den letzten zehn Jahren seien 1,6 Millionen Euro investiert worden. Und an den Anlagen müsse noch vieles gemacht werden. Doch wer investiere schon langfristig in einen Standort, der keine Zukunft habe, so Hörrlein.

Auch ein Standortwechsel käme nicht in Frage. Mindestens zehn Millionen Euro müsse man für einen Neuanfang mit einer neuen Halle kalkulieren. Zu viel für einen Mittelständler, der gegen die großen Lebensmittelriesen kämpft und vom Preisdruck her "gleich nach dem Bauern" käme.

Die Tochter Christina Hörrlein, 27 Jahre alt und seit vier Jahren für Marketing und Vertrieb zuständig, wäre die Nachfolgerin. Doch sie scheut die Investitionen: "Ich müsste komplett neu anfangen. Ich will bald eine Familie starten. Da kann und will ich das nicht schultern."

"Es ist schwer, wenn man hört, dass so ein Familienunternehmen aufhört", sagt Bürgermeister Karsten Fischkal (FW). Sicher habe es mit Gerüchen des Abwassers immer wieder Probleme gegeben. Die Kritik an der Wohnbebauung verstehe er nicht. "Der Bebauungsplan besteht schon ewig." Zudem habe die Gemeinde mehrfach vergeblich eine neue, große Fläche weiter draußen angeboten.

Hans-Peter Hörrlein betont, dass die Marke erst einmal nicht vom Markt verschwinde. Es würden ja noch Waren produziert, die wegen dem Haltbarkeitsdatum noch jahrelang angeboten werden können.

Ob die Marke Hörrlein eine reine Vertriebsgesellschaft werde oder ob sich ein anderes Unternehmen findet, das die Marken "Hörrlein" und "Drei Spatzen" aufkauft, müsse die Zukunft zeigen.
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