Projekt

Der Asyl-Baumeister baut Reihenhäuser für Flüchtlinge in Eckental

Der Unternehmer Markus Gildner baut sechs Reihenhäuser für 60 Flüchtlinge. Damit will er die Integration von Asylbewerbern verbessern. Die Anwohner in der Gemeinde Eckental bei Erlangen sind nicht alle begeistert.
Neubauten für Asylbewerber sind möglich, sagt Markus Gildner - hier vor der Baustelle in Eckental. Foto: Nikolas Pelke
 
von NIKOLAS PELKE
Markus Gildner hat sich eine einfache Frage gestellt: "Warum müssen Flüchtlinge immer in alten Gebäuden wohnen?" Der 44-jährige Immobilienentwickler aus Sulzbach-Rosenberg hat die Sache durchgerechnet und ist auf ein erstaunliches Ergebnis gekommen: Neubauten für Asylbewerber sind möglich.

"Ich bin auf die Idee mit dem klassischen Reihenhaus gekommen. Wenn die Flüchtlinge nach zehn Jahren wieder ausziehen, können andere Menschen hier wieder einziehen", ist sich Gildner sicher und schwärmt von den neuen Möglichkeiten, die die Neubauten für die Integration bieten. "Wenn ich mich in meinem Wohnraum zuhause fühle, dann klappt auch die Integration besser", hofft Gildner und führt den Besucher stolz auf seiner Baustelle herum.

Im Ortsteil Eckenhaid der mittelfränkischen Marktgemeinde Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt baut Gildner derzeit sechs Reihenhäuser. "Pünktlich zu Weihnachten sollen die 60 Asylbewerber kommen", freut sich der Oberpfälzer und erklärt, dass jeweils zehn Asylbewerber in den dreistöckigen Neubauten unterkommen sollen. "Eine vierköpfige Familie hat beispielsweise 60 Quadratmeter mit zwei Schlafzimmern, einer Wohnküche und einem Bad zur Verfügung", erklärt Gildner. Damit will sich der Unternehmer von "Immobilienhaien" unterscheiden, die mit der Not der Flüchtlinge nur Kasse machen wollten, sagt er. "Das könnte ein richtiges Vorbildprojekt für die Unterbringung von Flüchtlingen werden", hofft Gildner und präsentiert die zukünftige Terrasse im Erdgeschoss des Reihenhauses.

Insgesamt kostet das Bauprojekt rund zwei Millionen Euro, verrät der Unternehmer. Die Neubauten für Flüchtlinge hat Gildner auf den wohlklingenden Namen "The Peoples Project" getauft. Der Mietvertrag mit der Regierung von Mittelfranken habe eine Laufzeit von zehn Jahren. Über Mietpreise will Gildner nicht sprechen. Nur soviel: Abgerechnet werde pro Quadratmeter und nicht pro Kopf. Die sechs Häuser sollen eine Wohnfläche von insgesamt knapp 1000 Quadratmeter haben. Die Größe des Grundstücks betrage rund 2600 Quadratmeter.

"Anwohner über Tisch gezogen"

In der Marktgemeinde Eckental sind freilich nicht alle begeistert über das angebliche Vorzeigeprojekt für Flüchtlinge. "Wir freuen uns riesig über die 60 Asylbewerber in der Nachbarschaft", sagt eine Anwohnerin mit unverhohlener Ironie in der Stimme. "Der Investor hat die Gemeinde und die Anwohner über den Tisch gezogen," ist sich der herbeigeeilte Ehemann sicher. Man habe den Leuten erzählt, dass in den Reihenhäusern junge Familien einziehen würden. Seit Mai diesen Jahres wisse man, dass man tatsächlich 60 Asylbewerber als neue Nachbarn bekommen werde. Viele Nachbarn hätten nun Angst vor Kriminalität. Auch andere Anwohner befürchten, dass allein stehende Männer und keine Familien in die Neubauten einziehen.

Markus Gildner findet dagegen, sein Konzept sei zukunftsweisend. Die Regierung von Mittelfranken bekomme die besten Unterkünfte, die es für Flüchtlinge bekommen könne, ist sich der 44-Jährige sicher, der selbst viel im Ausland gelebt hat.

Von der mittelfränkischen Regierung aus Ansbach war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen. Die Bürgermeisterin der Marktgemeinde, Ilse Dölle (Unabhängige Bürger), will die Wogen in der Debatte um das "Luxus-Flüchtlingsheim" glätten. Entscheidend sei nicht die Qualität des Betons, sondern die Qualität der Betreuung, sagt die Bürgermeisterin.

In der Frage der Unterbringung der Flüchtlinge könne die Gemeinde nicht eigenständig entscheiden. Dölle lässt durchblicken, dass der Investor von Anfang an nicht mit offenen Karten gespielt habe. Beweisen könne sie dies allerdings nicht, gibt sie zu. Doch jetzt wolle sie zum Wohle der Flüchtlinge in die Zukunft blicken. Glücklicherweise würden sich in Eckental zahlreiche Menschen ehrenamtlich für Asylbewerber engagieren. In der Marktgemeinde leben derzeit bereits 110 Flüchtlinge verteilt auf drei Unterkünfte. Die Bürgermeisterin ist sich sicher, dass auch die 60 zusätzlichen Flüchtlinge ab Weihnachten mithilfe der Vereine gut in Eckental integriert werden können. Dass nicht alle Bürger begeistert sind, kann die Bürgermeisterin teilweise nachvollziehen. "In ganz Deutschland wird über Flüchtlinge kontrovers diskutiert", sagt Dölle. Diese Debatte finde auch in ihrer Gemeinde statt.

zum Thema "Asyl in Franken"

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