Infrastruktur

Das Ringen um Röttenbachs Weg

Die Bürger sind sich nicht einig, ob ihre Gemeinde wachsen soll oder ob weitere Baugebiete unerwünscht sind. Bei einem Workshop wurden Fragen beantwortet.
Auf dem Flächennutzungsplan ist genau zu sehen, in welche Richtungen Röttenbach noch wachsen könnte. Foto: Pauline Lindner
 
von PAULINE LINDNER
Wohin soll sich Röttenbach entwickeln? Diese frage treibt seit längerem Bürger und Kommunalpolitiker um. Sie gipfelt in einem Ratsbegehren, durch das jungen Röttenbachern das Bauen im Ort ermöglicht werden soll und über das am 16. Oktober die Bürger zur Abstimmung aufgerufen sind. Es hat sich aber längst auch eine Interessengemeinschaft "Pro Röttenbach" gebildet, die gegen weitere Baugebiete im Westen und den damit verbundenen Flächenfraß ankämpft.
Im Vorfeld hat die Gemeinde eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, um Potenziale und Probleme aufzuzeigen. Sie warf viele Fragen auf. Um diese zu beantworten, ließ Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) eine Workshop organisieren. An sechs Tischen informierten Mitarbeiter der Verwaltung und des involvierten Planungsbüros GBi über die anstehenden Themenkomplexe und beantworteten die zahlreichen Fragen der Bürger.
An Tisch eins standen Geschäftsleiterin Susanne Müller und Christopher Weindl von GBi Rede und Antwort zum Bereich Bevölkerungsstatistik, Baulücken und Gemeindefinanzen. Sie wies darauf hin, dass die Geburtenrate jeweils mit der Erschließung eines Baugebiets gestiegen sei, so 2006 und 2012, so dass die Einwohnerzahl in den letzten 20 Jahren etwa konstant geblieben ist. Allerdings wird Röttenbachs Bevölkerung durch die bauliche Entwicklung in den 60er und 70er Jahren immer älter.


Überzogene Preisvorstellungen

Ein Bürger fasste das in die Frage, wie viele Grundstücke pro Jahr durch Tod oder Umzug ins Seniorenheim frei würden? Das ist eine Zahl, die niemand einschätzen kann. Zudem, so der neben ihm Stehende, gebe es unrealistische Preisvorstellungen von Erben. "1,6 Millionen Euro wollte jemand für ein Haus von 1972 mit großem Grundstück", sagte er.
Zehn Hektar Baulücken gibt es im Ort, ohne die nach heutigem Bedarf zu großen Grundstücke. "Hier hat die Kommune keine Handhabe einzugreifen", musste Müller eine Anfrage abschlägig bescheiden. Sie selbst kann es sich durchaus vorstellen, dass Grundstücke an der Hauptstraße mit klassischen Etagenwohnungen oder ähnlichem bebaut werden könnten, so denn die Eigentümer Interesse daran zeigten.
Der immense Flächenverbrauch in Deutschland und Bayern war auch ein häufiger Ansatz am Tisch vier, an dem Hans Leuchs von der Unteren Naturschutzbehörde und Klaus Scheuber von GBi Auskunft gaben. "Lokal wird das entschieden", betonte Scheuber. Vor ihnen lag eine genaue Karte der geschützten Flächen in Röttenbachs Gemarkung. Diese sind groß für die kleinen Gemeindegrenzen, zählt man alle Weiherflächen dazu.
Wenn schon weiteres Bauen in Ackerland hinein, dann sollte das, so der Vorschlag eines Interessierten, maximal ökologisch geschehen. Beispielsweise sollte kein Regenwasser in die Kanäle fließen müssen. "Erschließung im Trennsystem ist sicher, versickern hängt aber auch von den Bodenverhältnissen ab", relativierte Scheuber die Möglichkeiten.
Andere sahen bei einer Westentwicklung zunehmenden Verkehrslärm durch die etwa 1,5 Kilometer entfernte Autobahn oder gar eine Umgehungsstraße im Ortswesten. "Warum kein Lückenschluss Richtung Hemhofen?", fragte ein Dritter. Das ist technisch aufwendiger, weil das Abwasser über den Hauptstrang durch den Ort zur Kläranlage geleitet werden müsste. Zudem haben sich die Röttenbacher vor einigen Jahren gegen einen Supermarkt in diesem Gelände entschieden, nicht zuletzt um eine Belüftungslücke zwischen den beiden Orten zu erhalten.
Das war eine Frage, die genauso gut an Tisch fünf und sechs Platz gehabt hätte. Dort beantworteten Karlheinz Weber, der technische Leiter von Röttenbach, Bernd Ernst von GBi sowie Karlheinz Langfritz, Christian Muß und Georg Götz vom Wasserzweckverband Fragen zu den Komplexen Abwasser, Hochwasserschutz, Trinkwasserversorgung und Strom. An Tisch zwei mit André Schuster vom Bauamt und Planer Matthias Rühl ging es um den Bereich bauliche Entwicklung; für Verkehrsaspekte war Tisch drei mit Ina Mitschke und Verkehrsgutachter Christof Kölle angetreten.
Im Gespräch mit Bürgern vor dem detaillierten Flächennutzungsplan bezog der Bürgermeister zum möglichen Ausgang des Bürgerentscheids Stellung: "Wenn die Bürger Nein sagen, ist es ein Nein. Wir in der Verwaltung sind vorbereitet auf beide Szenarien. Bei Ablehnung werden wir allerdings den jungen Bauinteressierten eine Liste geben, wo es Bauland in Nachbargemeinden gibt." Damit spielte Wahl auf die Tatsache an, dass die Nachbargemeinden von Adelsdorf im Norden bis Herzogenaurach im Süden derzeit große Baugebiete ausgewiesen haben und überall rege Nachfrage nach Bauplätzen herrscht.
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