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Landwirtschaft

Besuch beim Wanderschäfer: mit den Schäfchen durch Franken

Klemens Ross hütet seine Schafe derzeit in Unterfranken. Im Herbst geht es für den Lonnerstadter zurück in die Heimat. 135 Kilometer. Zu Fuß, versteht sich.
Klemens Ross inmitten seiner Schafe.  Fotos: Christian Pack
 
von CHRISTIAN PACK
Wer im unterfränkischen Rothenbuch wissen will, ob der Frühling vor der Tür steht, benötigt keinen Wetterbericht. Es reicht ein Blick aus dem Fenster. Sobald Klemens Ross und seine Schafe auf den Wiesen rund um die idyllische Gemeinde unterwegs sind, weiß jeder der knapp 2000 Einwohner: Jetzt ist es soweit.

Wenn die Natur zum Leben erwacht, verlädt Ross seine Tiere in einen Lkw und macht sich vom Heimatort Lonnerstadt im Landkreis Erlangen-Höchstadt auf in Richtung Rothenbuch. Hier grasen die Schafe der Familie seit 54 Jahren. Und auch heuer betreiben die knapp 550 Tiere im Landkreis Aschaffenburg echte Landschaftspflege. Sprich: Bis September halten sie Weideflächen rund um den Ort kurz. Immer mit bestem Blick auf den Ort, dessen Häuserdächer sich unten im Tal in Richtung der Wiesen recken.

Für den Hunger seiner Schafe wird Klemens Ross bezahlt, von der Schafzucht alleine kann er nicht leben. Die Preise werden vom globalen Markt bestimmt - und kräftig gedrückt. "Es ist verrückt: Die Menschen fordern Qualität, sind aber nicht bereit, dafür zu zahlen. Wir wirtschaften unterhalb einer kostendeckenden Produktion", sagt der 54-Jährige, während er in die Sonne blinzelt und seine Herde in der Ferne beobachtet. Die Branche habe das Expandieren nicht mitgemacht. Dementsprechend hart sei der Kampf. "Wir werden weniger", weiß der Wanderschäfer.


Die Tochter steht in den Startlöchern

Knapp 250 Vollerwerbsschäfer gibt es in Bayern noch. Der Gesamtbestand an Mutterschafen ist von 290 000 im Jahr 2005 auf mittlerweile 210 000 gesunken. Die letzten drei Jahre blieb die Anzahl der Schafe auf niedrigem Niveau konstant.

Hauptgrund für den Rückgang ist laut Sabine Weindl von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) die "unbefriedigende Einkommenssituation" und der Wegfall der Mutterschafprämie, einem staatlichen Zuschuss je Mutterschaf, um die Schafhalter für ihre Leistungen in der Landschaftspflege zu unterstützen.
Ross, ein lebensfroher Mittelfranke mit sonnengebräunter Haut, kann sich trotz dieser Entwicklung keine andere Betätigung vorstellen. "Diesen ursprünglich gebliebenen Beruf macht man aus Idealismus." Er kennt die Schafzucht von klein auf, in der 5. Generation verdient seine Familie mit Merino-Landschafen ihr Geld.


"Du brauchst in der Schule nichts zu lernen. Du wirst Schäfer."

Dass der Wanderschäfer in die Fußstapfen seines Papas treten würde, war vorauszusehen. "Mein Vater hat damals zu mir gesagt: Du brauchst in der Schule nichts zu lernen. Du wirst Schäfer", lacht Ross, der bei seinen Kindern nicht so bestimmend war. Ganz im Gegenteil: "Ich habe ihnen eher davon abgeraten." Genutzt hat es wenig: Eine Tochter hat den Beruf gelernt und will die heimische Schäferei übernehmen.

Alle 14 Tage schaut Ross daheim in Lonnerstadt vorbei. "Ansonsten bin ich hier." Wenn es Abend wird, versammelt Voss die Tiere um seinen Wohncontainer, der oberhalb von Rothenbuch auf einer Wiese steht. Das ursprüngliche Leben, erzählt er, fasziniere ihn immer noch. Die Jahre in der freien Natur haben den Wanderschäfer geprägt. Schlechtes Wetter gibt es für ihn nicht. "Ich bin sowieso jeden Tag draußen. Frieren muss ich nicht mehr." Deshalb sei auch das Arbeitspensum von 365 Tagen im Jahr und zwölf Stunden am Tag völlig normal. "Urlaub hatte ich seit 40 Jahren nicht mehr. Aber warum auch? Das hier bedeutet Urlaub für mich."


Hunde sorgen für Ordnung

Und natürlich Arbeit. Von morgens bis abends stapft Ross, stilecht ausgestattet mit Hirtenstab und Filzhut, über die Rothenbucher Wiesen. Seine Herde hat er stets im Blick. Und sollte ein Tier doch mal übermütig werden, lässt er die Hunde "Leo" und "Gauner" losflitzen. Die schwarzen Hütehunde sorgen schnell wieder für Ordnung im großen Wollknäuel.

Im September geht es wieder heim in Richtung Mittelfranken. 135 Kilometer. Zu Fuß, versteht sich. Drei Monate sind Ross, seine Schafe und die Hütehunde dann unterwegs. Dabei müssen auch drei Mainbrücken überquert werden. Wann sich Ross heuer aufmacht, steht noch nicht fest. "Ein Schäfer braucht keinen Kalender, er hat die Natur." Irgendwann im Spätsommer wird er losziehen. Dann wissen die Rothenbucher, dass der Herbst vor der Tür steht.
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