Herzogenaurach
Sportartikel

Bei Adidas endet eine Ära

Herbert Hainer stand 15 Jahre lang an der Spitze von Adidas. So lange wie er hielt sich kein Chef eines Dax-Unternehmens. Im August kommt sein Nachfolger.
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Herbert Hainer, hier bei der Adidas-Hauptversammlung 2014 in FürthFoto: Christof Stache, dpa, Archiv
Herbert Hainer, hier bei der Adidas-Hauptversammlung 2014 in FürthFoto: Christof Stache, dpa, Archiv
Nicht nur für die Mitarbeiter wird es eine Umstellung werden. Adidas, das war eine gefühlte Ewigkeit auch immer eine Person: Herbert Hainer. Seit 2001 führt der gebürtige Niederbayer den Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach. Er war präsent bei sportlichen Großveranstaltungen ebenso wie in Herzogenaurach selbst, wo er mit seiner Familie wohnt.


Seehofer zu Gast

Seit Jahresbeginn steht fest: Ende September zieht sich der 62-Jährige zurück. In nicht einmal drei Wochen kommt schon sein Nachfolger, Kasper Rorsted, bisher an der Spitze des Konsumgüterherstellers Henkel. "Ich werde ihn zwei Monate einarbeiten und allen wichtigen Partnern vorstellen", sagte Hainer gestern zu Pressevertretern. Nach der Fußball-EM stehen für den Vorstandsvorsitzenden nicht mehr allzu viele öffentliche Termine an. Am Mittwoch war noch einmal ein wichtiger, und ein schöner noch dazu. Im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer legte die Adidas-Gruppe am Sitz in Herzogenaurach den Grundstein für die Erweiterung der World of Sports, wie das als Campus angelegte Firmengelände genannt wird.


World of Sports geprägt

Als Hainer 1987 als Verkaufsleiter zu Adidas kam, arbeiteten die Mitarbeiter des zweitgrößten Sportartikelherstellers der Welt noch zentral in der Stadt. Zehn Jahre später begann man den Plan, außerhalb zu siedeln, in die Tat umzusetzen. Seither hat Adidas knapp eine Milliarde Euro dort investiert. Laut Hainer wird das Unternehmen in den nächsten drei Jahren noch einmal 350 Millionen Euro für Neubauten locker machen.
Solche Investitionen sind ein Bekenntnis für den Standort Herzogenaurach (Landkreis Erlangen-Höchstadt). "Wir fühlen uns hier sehr wohl", sagt Hainer. Er spricht diese Worte für Adidas. Aber er könnte sie auch für sich sprechen. Seit knapp 30 Jahren lebt der Manager mit seiner Familie in der Stadt. Die Kinder sind hier aufgewachsen. Seine Frau und er werden jetzt im Ruhestand das Haus behalten, kündigte er an. Auch wenn er "nicht 365 Tage im Jahr hier" sein werde.


Unternehmensberater - Nein, danke

"Ich freue mich, dass ich jetzt mehr Zeit habe", sagt Hainer. Zeit, um "mir die Welt anzugucken und nicht von Termin zu Termin zu hetzen". Der scheidende Adidas-Chef hält sich bedeckt, was seine kommenden Freizeit-Pläne angeht. Für Adidas wird er ab Oktober nicht mehr zur Verfügung stehen. "Ich habe nicht vor, eine Unternehmensberatung zu gründen", sagt er dazu. Ob er in drei Jahren beim Sportartikelhersteller im Aufsichtsrat sitzt - zwei Jahre Ruhezeit müssen nach seinem Job als Vorstandsvorsitzender dazwischenliegen -, weiß er nach eigenen Angaben jetzt noch nicht. Dafür wird er seine jetzigen Aufsichtsratsmandate erst einmal behalten. Bei der Lufthansa zum Beispiel, oder beim FC Bayern München (bis 2018).


Umgang mit Persönlichkeiten

"Bayern-Fan zu sein ist keine Schande", sagt Hainer, dessen Bruder für den TSV 1860 München gekickt hat. "Ich würde mir aber auch wünschen, dass der Club in der ersten Liga spielt." Der Adidas-Chef weiß, wie wichtig Diplomatie ist, vor allem in der Schlüsselsportart Fußball.
Als er nach dem BWL-Studium acht Jahre für Procter & Gamble arbeitete, lernte er alles, was im Management wichtig ist. Was nach seinen Angaben noch gefehlt hatte, war der Umgang mit Persönlichkeiten - auch in schwierigen Verhandlungen. Als tolles Erlebnis nennt Hainer seine erste Begegnung mit Fußball-Ikone Franz Beckenbauer. Geärgert hat er sich wiederum bei den Verhandlungen mit DFB-Präsident Theo Zwanziger, "wie über die Medien Politik gemacht wurde".


Nike bleibt Nr.1

Bis auf das Jahr 2014 konnte Hainer - nach Adi Dassler der längste Adidas-Chef - immer Wachstumszahlen präsentieren. Rund 19 Milliarden Euro Umsatz peilt der Konzern heuer an. Weltweit arbeiten 56 000 Menschen für Adidas, davon 4552 in Herzogenaurach. Nur US-Konkurrent Nike sprintet Adidas davon. "Dass wir Nike überholen wollen, habe ich nie gesagt", stellt Hainer klar.
Gehofft hat er es vermutlich. Aber so bleibt zumindest seinem Nachfolger noch eine Steigerung möglich.

Meilensteine: Hainers Zeit bei Adidas


1987 Herbert Hainer beginnt bei Adidas als Verkaufsleiter. Zuvor hatte der Diplom-Betriebswirt (FH) für den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble gearbeitet.

1995 Adidas geht an die Börse.

1997 Hainer wird im März Mitglied des Vorstands der Adidas AG. Im Dezember kauft Adidas die französische Salomon-Gruppe.

2001 Hainer wird Vorstandschef von Adidas-Salomon. Das Unternehmen beteiligt sich mit zehn Prozent an der FC Bayern München AG (strategische Partnerschaft).

2005 Salomon wird im Mai wieder abgestoßen (an die finnische Amer-Gruppe für 485 Mio. Euro). Im August gibt Adidas den Kauf des US-Wettbewerbers Reebok bekannt - Kaufsumme: 3,1 Mrd. Euro.

2007 Adidas verlängert den Ausrüstervertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bis 2018.

2011 Der Firmensitz von Adidas in Herzogenaurach, die World of Sports, wächst weiter. Das Unternehmen eröffnet sein hochmodernes Firmengebäude "Laces"

2013 Adidas und die Fifa verlängern ihre Partnerschaft bis 2030.

2016 Adidas startet Campus-Erweiterung (World of Sports) um zwei neue Gebäude.
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