Höchstadt a. d. Aisch
Führung

Auf den Spuren der Adelsdorfer Juden

Vergangenen Sonntag um elf Uhr warteten viele Leute vor dem Adelsdorfer Schloss, um von Christiane Kolbet, Hobby-Historikerin und geschulter Karpfenland Travel Führerin "Auf der Spur der Adelsdorfer Juden" durch Adelsdorfs Zentrum zu laufen.
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Christiane Kolbet erläutert Einzelheiten wie hier zu einem Foto der kleinen Erna Fleischhauer vor dem Marterl, das jetzt im Vorgarten des Rathauses steht. Foto: Johanna Blum
Christiane Kolbet erläutert Einzelheiten wie hier zu einem Foto der kleinen Erna Fleischhauer vor dem Marterl, das jetzt im Vorgarten des Rathauses steht. Foto: Johanna Blum
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Diese Veranstaltung bildete den Auftakt zu regelmäßig monatlich stattfindenden Führungen des Tourismusverbandes. Fast 40 ausgebildete Reiseleiter werden in den 19 Gemeinden, die der Organisation "Karpfenland Aischgrund" angeschlossen sind, Nachtwächter- und Kräuterführungen sowie andere Thementouren anbieten.
Die Incoming Agentur Karpfenland Travel - Förderprojekt des Vereins - gehört zum EFF (Europäischer Fischerei Fonds). Deren Förderperioden sind zeitlich begrenzt und am Ende solch einer Periode gibt es eine Abschlussveranstaltung. Für diese Veranstaltung des EFF in Brüssel "FARNET-Abschlusskonferenz" wurden die erfolgreichsten Projekte Europas gesucht - und Karpfenland Travel gehrört dazu!. Die Abschlusskonferenz findet am 2./3. März 2015 statt und Karpfenland Travel ist nach Brüssel eingeladen, um die Arbeit der letzten zwei Jahre vorzustellen - wozu auch die gesamten Führungen zählen. Im Jahr 2013 wurden mehr als 250 "Projekte" in 21 EU Mitgliedstaaten durchgeführt. Davon wurden ca. 30 Projekte ausgewählt, darunter auch das von Karpfenland Travel.
Sandra Hammer von Karpfenland Travel freute sich über große Resonanz und begrüßte alle Anwesenden, die nicht nur aus Adelsdorf sondern auch aus Röttenbach und Höchstadt kamen, darunter auch einige Teilnehmer der Reiseleiterschulung.
"Ich bin heute privat da", erklärte Bürgermeister Karsten Fischkal (FW). "Ich möchte einfach auch über diesen Teil unserer Adelsdorfer Vergangenheit besser informiert sein."
13 Stationen umfasste der Rundgang. "Wir Christen feiern den Sonntag als Tag des Herrn. Für die Juden ist der Samstag, der Sabbat, Schabbat oder Schabbes, ein Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden soll", so die Führerin einleitend. "Wir spazieren nun heute am Sonntag, wie die Juden am Samstag, gemütlich durch Adelsdorf." Spätestens seit 1505 sollen im Ort schon Juden gelebt haben und seit 1699 existierte sogar eine jüdische Synagoge.

Insgesamt 13 Stationen

An jeder der 13 Stationen erzählte Kolbet kleine Geschichten und zeichnet so ein Bild einer verlorenen Bürgergruppe. Die Adelsdorfer Juden waren meist Händler - es gab jüdische Metzgereien, Bäckereien, Krämerläden und vor allem Viehhändler in Adelsdorf. Hier im Ort gab es nur eine einfache Landsynagoge: ein Betraum mit einem Messingleuchter in der Mitte, ein Vorlesepult und der Tora-Schrein. In der Synagoge wurde der Religionsunterricht für die Kinder abgehalten. Nachdem sich im Umkreis viele Synagogen aufgelöst hatten, wurden auch deren Kultgegenstände in Adelsdorfs Bethaus aufbewahrt. Im Herbst 1938 wurde in der Synagoge in der Adelhardsgasse - unweit des heutigen Judendenkmals - der letzte Jom Kippur (Versöhnungstag und größter jüdischer Feiertag) gefeiert. Um der Gruppe einen Eindruck der Feierlichkeit dieses Festes zu vermitteln, spielte Kolbet den Teilnehmern eine Audioaufnahme vor. Nach dem Krieg verwendete man das jüdische Gotteshaus als Feuerwehrhaus und 1979 wurde es abgerissen und damit verschwand das letzte sichtbare Stück jüdischer Vergangenheit aus Adelsdorf. Dass jedoch nichts mehr an die jüdischen Mitbürger erinnert, ist nicht richtig, denn Kolbet wusste von den Familien David, Fleischhauer, Lindo, Loewi, Rindsberg, Regensburger und Stühler Geschichten zu erzählen und zeichnete ihre Spuren im Ort nach. Immer wieder klang durch, dass sich die Juden in Adelsdorf sehr wohlgefühlt hätten, sich als Deutsche empfunden hätten. Dadurch erkannte so mancher das drohende Unheil zu spät.

Am Endpunkt der Runde zeigte Kolbet vor der Stephanuskirche noch ein Familienfoto von Berthold Rindsberg, der später in Israel den Namen Baruch Ron annahm. Das Bild zeigt Baruch Ron anlässlich seines 90. Geburtstags im Kreis seiner Familie. Der gebürtige Adelsdorfer erhebt das Glas mit dem Trinkspruch "L"Chaim": "Auf das Leben!" Die Botschaft der Führung ist, dass wir nicht vergessen dürfen - wir dürfen nicht vergessen, was damals geschah, wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass das Leben weitergeht und noch so manch interessante Wendung für uns bereit hält. Eine Kostprobe "Matzen" (ungesäuertes Brot) kauend äußerten sich die Teilnehmer an dieser Premiereführung begeistert: "Das war eine hoch interessante Führung!", hörte man von allen Seiten.

Wer Interesse an weiteren Führungen (Dorfführung Adelsdorf, Judenführung Adelsdorf, Nachtwächter- und Kräuterführungen) hat: Tel: 09193 626158 oder karpfenland-travel.com
Bis Ende dieses Jahres wird es eine Übersicht geben, die dann in den umliegenden Tourist Infos in Erlangen, Forchheim, Herzogenaurach und Nürnberg ausliegt.
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