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Alte Zeit war am Höchstadter Kellerberg zum Greifen nah


Autor: Tina Meier

Höchstadt a. d. Aisch, Montag, 08. August 2016

14 Oldtimer machten am Kellerberg Halt. Sie stammen aus dem Baujahren 1898 bis 1916. Begleiter präsentierten die Schätzchen in historischen Kostümen.


Es geht alles ein bisschen langsamer. Ist genug Benzin im Tank? Vor der Fahrt muss der Hut festgebunden werden und mancher Motor lässt sich zweimal bitten. Dann rollen sie mit acht bis 40 PS los und antworten den winkenden Menschen am Straßenrand mit quietschenden Hupen. In der vergangenen Woche waren 20 Oldtimer gemeinsam im Karpfenland unterwegs und steuerten zum Abschluss die Kellerberg-Kerwa in Höchstadt an.
Auf dem Parkplatz am Kellerberg kamen aber nicht alle Fahrzeuge an. Sechs von den über 100 Jahre alten Autos waren bei den Fahrten davor liegengeblieben. Alle Oldtimer gehören zur sogenannten Messingklasse, da viel von dem glänzenden Material in ihnen verbaut wurde.

Peugeot, Clement-Bayard, Buick, Renault, Delage, Oakland, Flanders, Panhard Levassor und Cadilliac waren vertreten. Mit sechs Fahrzeugen dominierte aber der Ford T. "Bis 1927 wurden von dem Modell - besser bekannt als Tin Lizzy, also Blechliesel - 15 Millionen Stück gebaut", erklärte Reinhard Grasse, der die Fahrzeuge und ihre technischen Details vorstellte.

Gemeinsam mit Hauptorganisator Wolfgang Kinder brachte er die Schmuckstücke nach Höchstadt. Einige von ihnen waren bei der Parade vor zwei Jahren bereits dabei. Die Besitzer der Fahrzeuge kannte Grasse von zahlreichen Ausfahrten, die er mit seinem Fotoapparat begleitet hat. "Oldtimer faszinieren mich einfach", fasst er seine Begeisterung zusammen.

So brachte er nach dem Erfolg der ersten Parade mit der Unterstützung von Stadt, Heimatverein und weiteren Partnern die Oldtimer wieder in den Aischgrund. In drei Ausfahrten durch die fränkische Landschaft lernten die Fahrer unter anderem die Wasserräder in Möhrendorf, Schloss Adlitz, Bad Windsheim und das Aurachtal kennen. Am Samtagvormittag wurden sie in Herzogenaurach empfangen und stärkten sich danach in Mühlhausen. Dort stiegen Akteure der Theatergruppe des Höchstadter Heimatvereins in historischen Kostümen hinzu und begleiteten die Oldtimer bis zur Parade am Kellerberg.

Hier drängten sich die Besucher um die Autos und ließen staunende Blicke über die seltenen Fahrzeuge wandern. Die stolzen Besitzer aus Österreich, Schweiz und ganz Deutschland standen gern Rede und Antwort. Auch Heinz Ridder aus Nordrhein-Westfahlen, der sich an die Beifahrertür seines Cadilliac lehnte. Mit dem Kauf des Wagens aus dem Baujahr 1912 erfüllte er sich einen Traum. Ihn faszinieren die Schönheit der Konstruktion und die Zuverlässigkeit der alten Autos. Wenn doch mal etwas kaputtgeht, greift er selbst zum Werkzeug. "Das ist handfeste Technik, die man verstehen kann. Fehler können so meist einfach erkannt und selbst repariert werden", sagt Ridder, der sein Fahrzeug mit seinem Sohn verkehrstüchtig gemacht hat.

Für Rudi Wakup aus dem Ruhrgebiet bedeuten Oldtimer eine lebendige Reise an die Anfänge der Automobilgeschichte. "Ohne diese Fahrzeuge gäbe es die modernen Autos nicht", sagt er. Neben der Technik liebt er besonders die Gemütlichkeit, die alte Autos ausstrahlen und die Ausfahrten mit anderen Liebhabern.

"Man kommt viel rum in Deutschland und jede Gegend hat ihren eigenen Reiz", sagt Wakup. "Im Vergleich zu einem modernen Auto ist das Reisen mit einem Oldtimer eine viel intensivere Erfahrung. Man spürt den Wind, sieht und riecht die Umgebung", schwärmt er.

Wakup hat außerdem die Erfahrung gemacht, dass die Menschen ihm sehr aufgeschlossen und freundlich begegnen. Auch auf der Straße gäbe es keine Aggressivität wenn es mal etwas langsamer vorangeht, sondern neugierige Blicke und freundliches Winken. Für die Tage im Aischgrund entschied er sich für einen Fort T Speedster aus dem Baujahr 1905.

Während die Oldtimer auf dem Parkplatz verschnauften, erfrischten sich ihre Besitzer auf dem Kellerbergfest unter dem gerade aufgestellten Kerwasbaum. Am Nachmittag wurde er mit Begleitung der Stadtkappelle vom Trecker auf das Gelände des Petersbecks-Keller gezogen und dort aufgerichtet.