Herzogenaurach
Bilanz

Adidas-Chef legt Messlatte höher

Nach einem Rekordjahr schwört Hainer-Nachfolger Kasper Rorsted den Sportartikelhersteller auf neue ambitionierte Ziele ein.
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Der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Adidas, Kasper Rorsted, während der Bilanz-Pressekonferenz in Herzogenaurach Foto: Daniel Karmann, dpa
Der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Adidas, Kasper Rorsted, während der Bilanz-Pressekonferenz in Herzogenaurach Foto: Daniel Karmann, dpa
Glänzender hätte der Einstieg bei Adidas nicht sein können. In der ersten Bilanzpressekonferenz nach dem Ausscheiden des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Herbert Hainer hat dessen Nachfolger Kasper Rorsted Rekordzahlen vorlegen können. Der Umsatz des Sportartikelherstellers stieg um 14 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro. Beim Gewinn übertraf Adidas mit 1,02 Milliarden Euro erstmals in der Unternehmensgeschichte die Milliarden-Schwelle.


Zumeist zweistelliges Wachstum

"2016 war für Adidas ein sehr starkes Jahr. Unsere Marke ist beliebter als je zuvor", sagte Rorsted. Dabei sei man sehr breit gewachsen - bei allen Produkten und in allen Regionen. Der scheidende Finanzvorstand Robin Stalker präsentierte eine Weltkarte mit den beeindruckenden Adidas-Wachstumszahlen des vergangenen Jahres: China 28 Prozent, Westeuropa 20 Prozent, Nordamerika 24 Prozent. Die restlichen Verkaufsregionen (außer Russland) waren ebenfalls zweistellig.


Noch viel Arbeit mit Reebok

Vor allem die Boost-Schuh-Kollektion sei bei den Kunden so beliebt gewesen, dass die Nachfrage wegen Nachschubproblemen beim Material nicht habe bedient werden können.
"Wir haben sehr stark aufgeholt. Aber wird sind noch nicht zufrieden", sagte Rorsted. Auf dem wichtigen US-Markt laufe es für Adidas seit zwei Jahren wieder besser. Die US-Tochter Reebok erreichte 2016 ein Umsatzplus von sechs Prozent. Das sei zwar ordentlich, die Herausforderung liege aber in der Profitabilität, erklärte Rorsted. Der 55-jährige Däne ist mit den Finanzzahlen von Reebok nicht zufrieden.


E-Commerce im Fokus

Kurz gesagt: Die Tochter macht immer noch Verluste. Ein Zustand, den der ehemalige Henkel-Chef nicht hinnehmen will. Es gelte, Branchenprimus Nike anzugreifen, der den amerikanischen Markt dominiert. Ein Restrukturierungsprogramm bei Reebok mit einer Reduzierung von Factory-Outlets soll die US-Tochter aus den roten Zahlen führen. Daneben will Adidas in Nordamerika in Infrastruktur, Marketing und Beschäftigte investieren.
Langfristig gesehen möchte der neue Adidas-Chef nicht nur mehr Frauen im Vorstand haben. Auch die Geschäfte mit Frauen sollen zunehmen.
Noch wichtiger ist Rorsted aber der E-Commerce-Umsatz. Er lag im zurückliegenden Geschäftsjahr bei einer Milliarde Euro. Der ursprüngliche Strategie-Plan sah eine Erhöhung auf zwei Milliarden bis 2020 vor. Doch das reicht dem 55-Jährigen nicht. Er will den Direktverkauf im Internet so stark vorantreiben, dass sich der Umsatz bis dahin nicht verdoppelt, sondern vervierfacht.


"Wachstumsbranche"

Auch bei anderen Finanzzielen legt Rorsted die schon hohe Messlatte seines Vorgängers Hainer jetzt noch höher. Bis 2020 soll der jährliche Umsatz nicht nur im hohen einstelligen Bereich, sondern stets zwischen zehn und zwölf Prozent zulegen. Und auch die Gewinnsprünge sollen in den nächsten vier Jahren jeweils bei 20 bis 22 Prozent liegen. Angepeilt waren zuletzt noch 15 Prozent.
"Wir sind ein Wachstumsunternehmen in einer Wachstumsbranche", gibt der Däne als Devise aus. Schließlich wolle Adidas "das beste Sportartikelunternehmen der Welt" werden.


Aktie legt kräftig zu

Den Aktionären jedenfalls gefallen solche Worte. Der Kurs der Adidas-Aktie stieg gestern um rund acht Prozent. Sie können sich daneben auf eine um 25 Prozent höhere Dividende von zwei Euro je Aktie freuen.
Stark erhöht hat sich auch die Zahl der Beschäftigten am Firmensitz Herzogenaurach. Ende Dezember waren es 5043 (2015: 4402 Mitarbeiter).
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