Erlebnis

70 Taufen in einer Messe

Mitglieder der Pfarrei Hannberg haben beim ersten Besuch ihrer afrikanischen Partnerpfarreien in Uganda intensive Eindrücke gesammelt. Pfarrer Lars Rebhan ist noch immer begeistert.
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Der Hannberger Pfarrer Lars Rebhan taufte in seiner Partnerpfarrei Busagula 70 Kinder während des Begrüßungsgottesdienstes. Fotos: Stefan Reinmann
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"Da fühlt man sich fast wie ein Missionar", schildert der Hannberger Seelsorger die Erinnerung an seinen ersten Gottesdienst in einer überfüllten ugandischen Kirche. In der spartanisch ausgestatteten Halle in Mbirizi drängten sich zu diesem Zeitpunkt knapp 800 Kirchgänger. Vor dem Gebäude standen noch mal so viele. "Das ist natürlich ein sehr schönes Gefühl", schwärmt er weiter. Der Priester hat Mitte Juli Mbirizi und Busagula, die zwei ugandischen Partnerpfarreien Hannbergs, besucht. Zehn weitere Interessierte aus dem Seebachsgrund haben ihn zehn Tage lang in den Süden des Landes begleitet. Umjubelt, fast wie Popstars, seien die Hannberger von ihren Gastgebern empfangen worden.

Große Freude und tiefer Glaube

In Busagula fanden sich laut Rebhan über 1000 singende und tanzende Menschen zur Willkommensfeier auf einer staubigen Straße ein. Während der anschließenden Messe hatte der fränkische Seelsorger die Ehre, 70 Kinder zu taufen. "In Hannberg habe ich im gesamten vergangen Jahr nur 36 Kinder getauft", erklärt Rebhan die Relation. In Uganda gibt es seiner Meinung nach nicht nur mehr Kinder, sondern auch eine tiefere Frömmigkeit der Menschen. Mit den Gottesdiensten an einem Wochenende erreiche Busagulas Pfarrer Leonard Lubega durchschnittlich 50 Prozent seiner 15.000 Katholiken. In der Pfarrei Hannberg mit etwa 3100 Katholiken liege der Wert bei durchschnittlich 14 Prozent. "Dort wird der Glaube mehr ins Leben hineingetragen", argumentiert Rebhan. Diese Lebendigkeit des Glaubens, trotz vieler Probleme, beeindruckte auch die anderen Reiseteilnehmer.

Tränen zum Abschied

"Das war ein Wechselbad der Gefühle", erklärt Veronika Zimmermann. Die 49-Jährige war überwältigt von der Gastfreundschaft. Gleichzeitig schockierten sie die ärmlichen Lebensumstände vor allem in den ländlichen Gebieten. Auch Franziska Wagenseil, die zusammen mit ihrer Mutter Barbara dabei war, zeigte sich vor allem von der Herzlichkeit und Freude der Gastgeber berührt. Bei der Verabschiedung in Busagula standen der 17-Jährigen Tränen in den Augen. Zwei Wochen nach ihrer Reise hat sie bereits intensiven Emailkontakt mit neuen Freunden in der Diözese Masaka. Sie überlegt sich sogar, nach ihrem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr dort zu machen.

Neue Brieffreundschaften geschlossen

Die Schüler der Grundschule Hannberg wollen nun ebenfalls Kontakt mit neuen Bekannten halten. Nachdem die Schulleitung den Erlös des diesjährigen Schulfestes in Höhe von 2000 Euro den Reisenden für die Grundschule in Busagula anvertraut hatte, haben die Kinder dort den Gästen aus Hannberg Briefe für ihre jungen Unterstützer mit nach Hause geschickt. "Die Kinder fanden das toll und sind nun voll motiviert, ihren neuen Freunden schnell zu antworten", berichtet die Vorsitzende des Elternbeirats Tanja Süß.

Bälle und Trikots verschenkt

Positive Rückmeldung auf ihre Spenden bekamen auch die vielen freiwilligen Unterstützer. Die Jugendgruppen der Partnerpfarreien und die Entwicklungseinrichtung Caritas Maddo in Masaka durften sich über zehn gespendete Trikotsätze und über 33 Fußbälle freuen. Verschiedene Sponsoren stifteten Schulmaterial.

5000 Euro zinsfreier Kredit

Das Hannberger Jugendteam hat einen Großteil seines Kontos für ein zinsfreies Darlehen in Höhe von 5000 Euro für die Molkerei von Caritas Maddo zur Verfügung gestellt. Pfarrer Peter Ssenkaayi als stellvertretender Chef von Caritas Maddo will den Großteil des Geldes in neues Verpackungsmaterial für Milch und Joghurt investieren, damit das Unternehmen der Diözese weiter expandieren kann. Derzeit sind dort 15 vorwiegend junge Menschen beschäftigt.

24 neue Solarlampen

Die Hannberger Jugendlichen hatten außerdem zwei Laptops für die Organisation gespendet. Hier wurden sie vom Pfarrausschuss "Mission Entwicklung und Frieden" (MEF) finanziell unterstützt. MEF hat außerdem für knapp 600 Euro 24 Solarlampen finanziert. Um Transportkosten zu sparen, haben die deutschen Besucher unter der Federführung von Stefan Reif die LED-Leuchten schließlich vor Ort gekauft. Der 23-jährige Maschinenbaustudent war es auch, der den neuen Besitzern der Lampen in den Pfarrgemeinden und Schulen den richtigen Umgang mit der Technik erklärte.

"Wasser ist Leben"

MEF hatte Anfang des Jahres zusammen mit der katholischen Pfarrei Adelsdorf den Bau von drei Brunnen in Busagula unterstützt. Nun konnte die Gruppe die neuen Pumpstellen selbst begutachten und sind mit dem Ergebnis zufrieden.
"Die Einwohner sind sehr dankbar für die Brunnen. Wasser bedeutet Leben", erklärt Pfarrer Rebhan. Die Kinder müssen nun zwar immer noch kilometerweit laufen und schwere Kanister schleppen, doch zumindest sei das Wasser nun sauber. Neben der Wasserversorgung möchten die Hannberger nun ihr nächstes Projekt angehen. Sie wollen den Bau der weiterführenden Schule in Busagula unterstützen und leistungsfähige Batterien für die Solaranlage des Bürogebäudes von Caritas Maddo finanzieren.

Wildlife und Gerstensaft

Neben all den sozialen Aktivitäten stand natürlich auch eine Safari auf dem Programm, die in den Murchison Falls National Park führte. Dort erlebten die Gäste Giraffen, Elefanten und Nilpferde in freier Natur, machten im Reisebus Jagd auf Tsetsefliegen und genossen auch das lauwarme ugandische Flaschenbier: "Das schmeckt gar nicht so schlecht", zeigte sich Georg Lunz als ältestes Mitglied der Reisegruppe überrascht.

Spenden für die Pfarrei Busagula können auf folgendes Konto überwiesen werden:

Katholische Kirchenstiftung Hannberg
UGANDAHILFE Busagula
Raiffeisenbank Seebachgrund
Kontonummer: 300 011 665
Bankleitzahl: 760 696 02 Hier finden Sie ein Video der Begrüßung der Reisegruppe in einem Waisenhaus in Masaka.
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