50er- und 60er-Jahre waren Hochzeit der Fastnacht

In Herzogenaurach hatten die Narren vor allem in den 50er- und 60er-Jahren ihre Hochzeit. 1965 wurde der Karnevalsclub gegründet.
Das Herzogenauracher Prinzenpaar Annemarie I. und Franz I. fuhr 1961 sogar beim großen Nürnberger Faschingszug mit (r.). Fotos: Archiv Gäbelein
 
Der KCH, der Karnevalsclub Herzogenaurach, geht heuer in das 50. Jahr seines Bestehens. Bei ihren Prunksitzungen zeigten die Faschingsfreunde, was in ihnen steckt. Die Aktiven begeisterten die Besucher mit bestens einstudierten Gardetänzen in farbenfrohen Kostümen, von fleißigen Händen selbst geschneidert. Und egal, ob Bambinis, Jugendgarden, ob Elferratsgarde oder Männerballett, alle bewiesen, dass der Fasching an der Aurach noch immer lebt, auch wenn die große Zeit der Faschingsbälle vorbei zu sein scheint.

Was waren das früher für eindrucksvolle Veranstaltungen. Seit den 50er-Jahren fanden in allen Gasthäusern der Stadt und in den größeren Sälen Kappen-abende und Maskenbälle statt, die Herzogenauracher lechzten noch nach Abwechslung. Als man das Fernsehen noch nicht zur häuslichen Unterhaltung nötig hatte, hatte der Fasching noch einen anderen Stellenwert.

Ein Ball in jedem Saal

Nehmen wir als Beispiel den "Herzogenauracher Faschingsfahrplan" von 1965. Selbiger spricht für sich: Im Café Mauser (an der Schütt, gegenüber der damaligen Post, dem heutigen Polizeigebäude), im FC-Heim und sogar im Saal der Gaststätte Gambrinus in der Bamberger Straße wurde gefeiert und getanzt "wie der Lump am Stecken". Die närrische Zeit begann am 9. Januar mit dem Ball der Egerländer Gmoi, weiter ging es mit dem Sportlerball der Boxstaffel des TSH, dem Ball der Solidarität, dem Ball der Pfadfinder und dem FC-Ball. Doch das war noch lange nicht alles an Bällen. Einzelne Gaststätten hatten ihre Kappenabende, und im Café Mauser konnte an den Sonntagen schon am Nachmittag das Tanzbein zu Faschingsrhythmen geschwungen werden.

Das Vereinshaus und das FC-Heim waren vom ADAC kombiniert mit dem Aero-Club, von den Radfahrern oder von den Vogelliebhabern belegt. Selbst die Firmen Weiler und Adidas luden zum eigenen Faschingsball, und beim "Bauernball", auf dem auch ein Herzogenauracher Prinzenpaar einen umjubelten Auftritt hatte, traf sich der Landkreis. Dass bei all den Angeboten der Turnverein nicht hintanstehen wollte, war selbstverständlich. Der Liederkranz lud zum Fasching, die Waldfreunde tanzten im FC-Heim und schließlich fieberte man den beliebtesten Bällen entgegen, dem Feuerwehrball am Faschingswochenende und dem Ball des ASV am Rosenmontag. Die meisten Besucher verließen die "heiligen Hallen" in der Hinteren Gasse erst in den Morgenstunden.

Mit Hofnarr und Marschall

Und selbstverständlich gab es bei der ganzen Faschingsbegeisterung auch einen Faschingszug durch die Stadt am Faschingsdienstag. Initiator für alle Narreteien in der Stadt war die Freiwillige Feuerwehr: von 1959 bis 1966 sowie 1972 stellte sie ein Prinzenpaar (siehe Infobox). Man hatte ein Faschingskomitee samt Prinzengarde, einem Hofnarren (Horst Dienstbier) und einen Hofmarschall (Molkereibesitzer Hans Dreier).

Von 1961 bis 1966 organisierte die Feuerwehr Faschingszüge durch die Innenstadt, an denen sich im Laufe der Jahre auch weitere örtliche Vereine beteiligten. 1961 gehörte ein Prunkwagen der Faschingsfreunde sogar zu den 70 Gruppen beim großen Nürnberger Faschingszug.

1972 lebte das Ganze noch einmal auf, und an die zehn Faschingswagen bewegten sich am Faschingssonntag, 13. Februar, vom Gelände der Spedition Wormser, damals noch am Welkenbacher Kirchweg, über die Würzburger Straße und Hauptstraße über den Marktplatz zum Vereinshaus. Über 5000 Schaulustige, so die Presse, spendeten den 20 Gruppen Beifall für ihre originellen Ideen, bei denen vor allem die Lokalpolitik aufs Korn genommen wurde.

CAJ pflegte die Tradition

Während die CAJ (Christliche Arbeiter Jugend) sich mit einem eigenen Prinzenpaar beteiligte, blieb der 1965 gegründete Karnelvalsclub diesem Umzug fern. Nicht alle Mitwirkenden hatten für dieses Verhalten Verständnis. Und so beteiligte sich die Landjugend Burgstall/Tuchenbach mit einem Wagen voller Mist, auf dem ein Schild mit der Aufschrift prangte: "Ist das der KCH?"

In den folgenden Jahren setzte die CAJ (Christliche-Arbeiter-Jugend) die Tradition der Faschingszüge fort; allerdings waren alle folgenden Faschingsprinzen wie Andreas Herbig (Quackerla), Gerhard Müller, Harald Schattan oder Simon Hagen und Georg Krautheim noch immer allesamt Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr.

Als im Spätsommer 1964 die Alten Herren des FC Herzogenaurach im Clubheim ihren Saisonabschluss feierten, erinnerte man sich an frühere Feste, Bälle und Faschingsveranstaltungen wie an den "Circus Clumb", als die FC-Mitglieder aufgetreten waren und bühnenreife Darbietungen gezeigt hatten. Aus dieser Erinnerung heraus wurde der Entschluss gefasst, im kommenden Fasching (1965) der Öffentlichkeit einmal wieder etwas Besonderes zu bieten. Beim traditionellen Silvesterball beschlossen der Pfälzer "Karnevalsbub" Sepp Dietrich (bei Armin Dassler in der Firma Puma beschäftigt) sowie die Herzogenauracher "Faschingsfans" Josef Hildel, Walter Röder, William Mauser, Walter Röder, Georg Walz und Betty Lehner, dem eigentlichen FC-Faschingsball eine eigene Sitzung mit Büttenreden vorausgehen zu lassen: Das war die Geburtsstunde des KCH, des Karnevalsclubs Herzogenaurach.

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