Coburg
Nachruf

Trauer um den Coburger Ehrenbürger Otto Waldrich

Der Unternehmer und großzügige Mäzen ist im Alter von 93 Jahren gestorben.
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Otto Waldrich beim Neujahrsempfang der Stadt Coburg im Januar 2017. Foto: Simone Bastian
Otto Waldrich beim Neujahrsempfang der Stadt Coburg im Januar 2017. Foto: Simone Bastian
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Seine Heimat war ihm lieb und teuer - und er half gern: "Eine Stadt entwickelt sich, wenn sich viele Menschen so beteiligen, wie sie können" , sagte Otto Waldrich, als er vor fast genau zwei Jahren, am 23. Juli 2015, zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde.

Waldrich hatte die Mittel, sich zu beteiligen, und er tat es, über Jahre hinweg und für die unterschiedlichsten Projekte. Ohne ihn gäbe es den Neubau des Europäischen Museums für Modernes Glas bei Schloss Rosenau nicht, er finanzierte ein Studentenwohnheim in der Leopoldstraße, dessen Eröffnung er nun nicht mehr erlebt.
Geboren am 11. September 1923, war sein Weg in die Maschinenbaufabrik seines Vaters Adolf eigentlich vorgezeichnet. Doch der Zweite Weltkrieg verhinderte das geplante Studium; in der Nachkriegszeit kam es zu Differenzen mit dem Vater. Otto Waldrich wechselte zu der Maschinenbaufabrik Heller in Nürtingen. 1950 musste er dann ganz schnell zurück: Der Vater war gestorben, und Otto Waldrich übernahm zusammen mit seinem Schwager Bernhard Kapp die Geschäftsführung. Erst ab 1977 widmete sich Kapp ausschließlich seiner Werkzeugmaschinenfabrik, die er 1953 gegründet hatte.

Waldrich hingegen stand einige Jahre später vor dem Problem, dass er einen Nachfolger für sich finden musste: Seine vier Kinder zog es nicht in die Firma. 1986 wurde das Unternehmen an die Ingersoll-Gruppe verkauft. Otto Waldrich führte die Geschäfte noch bis 1990. Waldrich Coburg wurde 2004 von der Herkules-Gruppe übernommen und gehört seit 2005 dem chinesischen Konzern Bejing No. 1.

Waldrich war nicht nur Unternehmer, sondern auch Kommunalpolitiker: Von 1960 bis 1990 gehörte er für die CSU dem Coburger Stadtrat an, wirkte 17 Jahre lang als Vorsitzender de Coburger Landesstiftung. Spätestens damit begann sein Mäzenatentum: Waldrich engagierte sich für den Neubau des Naturkundemuseums und besorgte - natürlich - auch Geld dafür. Er spendete, und er überredete andere, es auch zu tun., darunter seine Schwester Anneliese Böhm-Hennes. "Durch vielfältige Unterstützung konnten sowohl für die Kunststammlungen, al auch für das Naturkundemuseum wertvolle Kunstgegenstände und naturwissenchaftliche Exponate angeschafft werden, deren Finanzvolumen weit im sechsstelligen Bereich lag", fasste Oberbürgermeister Norbert Tessmer bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Juli 2015 zusammen.


Begeistert von Glas

Waldrich sammelte auch selbst, vor allem modernes Glas und Keramik. Auf ihn geht der Coburger Glaspreis zurück, der 1977 erstmals verliehen wurde, dank seiner Initiative und finanziellen Unterstützung. Schon zuvor waren die Glassammlungen bedeutender Bestandteil der Kunstsammlungen gewesen. 1979 erhielt das Moderne Glas ein eigenes Museum in der Orangerie von Schloss Rosenau. Als es dort - nach zwei weiteren Glaspreisen 1985 und 2006 - zu eng wurde, war es Waldrich, der den Anstoß und die Anschubfinanzierung für einen Neubau gab. 2008 wurde dieser eingeweiht.

Otto Waldrich schob Projekte an, und er half ihnen über die Ziellinie: Als die Stadt die Morizkirche sanierte, aber das Geld für die Restaurierung des Epitaphs nicht reichte, füllte Waldrich die Finanzierungslücke von 30 000 Euro. Für die Heiligkreuz-Schule stellte er Geld bereit, damit auf dem Schulgelände ein Multifunktions-Spielfeld angelegt werden konnte.

Otto Waldrich wurde für sein Engagement vielfach und nicht nur in Coburg ausgezeichnet: Seit 1958 gehörte er der IHK-Vollversammlung an, schon seit 1989 als Ehrenmitglied. Waldrich engagierte sich auch in den Branchenverbänden und durfte sich Ehrensenator der bayerischen Metall- und Elektorindustrie nennen. Für seine Tätigkeit als Stadtrat erhielt er den Goldenen Ehrenring und die Stadtmedaille in Silber; seit 2002 steht sein Name auch auf der Liste der "Wohltäter" der Stadt Coburg, die im Rathaus hängt. 1984 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 2015 die Europamedaille des Freistaates Bayern.

Alter und Krankheit hatten in den vergangenen Jahren seine Beweglichkeit und sein Sehvermögen eingeschränkt. Das hinderte ihn jedoch nicht, bis zum Schluss Anteil zu nehmen an Coburger Belangen und mit Hilfe seiner Assistentin Gertrud Bartelmus auch öffentlich präsent zu sein, wie zum Beispiel beim Neujahrsempfang der Stadt im Januar oder beim Besuch von Finanzminister Markus Söder in der IHK-Vollversammlung am 2. Juni.


"Schwerer Schlag"

Erschüttert reagierte gestern Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) auf den Tod des Mäzens, mit dem er lange Jahre als Vorsitzender der Coburger Landesstiftung und als Kulturreferent zusammengearbeitet hatte: "Für die Stadt ist das ein schwerer Schlag. Mich erbittert, dass er die Einweihung des von ihm finanzierten Studentenwohnheims nicht mehr miterleben kann", sagte Tessmer. Das neue Haus an der Leopoldstraße schräg hinter der Reithalle sei "ein Vorzeigeobjekt". Überhaupt habe Waldrich noch einiges vorgehabt in und für Coburg. Das persönliche Verhältnis zwischen ihm und Waldrich sei über die Jahre gewachsen, er habe mit dem Verstorbenen "tiefgreifende Gespräche" führen können, auch, wenn sie beide unterschiedlichen "politischen Farbenlehren" anhingen.

Auch die IHK zu Coburg verweist in ihrem Nachruf auf die Verdienste des Verstorbenen: "Otto Waldrich hat sich stets mit hohem Sachverstand und Verantwortungsbewusstsein für die Belange der regionalen Wirtschaft eingesetzt und sich in besonderer Weise sozial wie politisch engagiert und als Kunstmäzen einen Namen gemacht. Die Wirtschaftsregion Coburg hat ihm viel zu verdanken. Otto Waldrich hat eindrucksvolle Spuren hinterlassen."

Termin Die Trauerfeier für Otto Waldrich findet am Dienstag, 25. Juli, 11 Uhr, in der Morizkirche statt.
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