Coburg
2. Handball-Bundesliga

Jan Kulhanek hält Coburger Sieg fest

Mit 22 Paraden ist der HSC-Torhüter der Garant für den 24:21-Heimerfolg gegen den VfL Lübeck-Schwartau.
Artikel einbetten Artikel drucken
Jan Kulhanek war am Dienstagnachmittag der beste Akteur in der Coburger HUK-Arena.  Fotos: Iris Bilek
Jan Kulhanek war am Dienstagnachmittag der beste Akteur in der Coburger HUK-Arena. Fotos: Iris Bilek
Anders als im Hinspiel hat der HSC 2000 Coburg gegen den VfL Lübeck-Schwartau seinen Vorsprung diesmal nicht verspielt. Die Gäste lagen nie in Führung, mussten die Überlegenheit der Coburger beim 24:21-Erfolg der Gastgeber anerkennen. Ein Heimakteur stach aus einer geschlossen Coburger Mannschaft heraus: Torwart Jan Kulhanek spielte sich in der doch noch knappen Schlussphase in einen wahren Rausch und überragte mit 22 Paraden.

Glücklicherweise ist der ICE aus Berlin am Dienstagnachmittag nicht, wie an den ersten Tagen nach der Streckenfreigabe Mitte Dezember, an Coburg vorbeigerauscht. Denn an Bord war die komplette Mannschaft des VfL Lübeck-Schwartau. Abfahrt Lübeck Hauptbahnhof um 9.08 Uhr, weiter ab Hamburg nach Berlin um 10.36 Uhr, und von dort nach Coburg um 12.30 Uhr. Ankunft in der Vestestadt: 15.02 Uhr. Die seit zwei Wochen bestehende Verbindung macht es möglich. "Wir haben mit Vortagesanreisen zuletzt keine guten Erfahrungen gemacht und im Zug kann man sich viel besser die Beine vertreten als im Bus", begründete VfL-Coach Torge Greve diese Entscheidung."

HSC 2000 Coburg -
VfL Lübeck-S. 24:21 (13:9)

Mit einem sehenswerten Kracher von Dominic Kelm am Kreis eröffnete Coburg die Partie. Dem folgten zwei Kontertore und VfL-Trainer Torge Greve nahm schon die Auszeitkarte in die Hand. Einen weiteren Treffer schaute er sich noch an, dann nahm er nach gespielten dreieinhalb Minuten das nötige Time-Out. Der Blitzstart der Coburger lag vor allem an der aufmerksamen Abwehr und daran, dass Lübeck selbst beste Chancen nicht im Tor unterbrachte. Doch nach dem furiosen Start blieb Coburg fast sechs Minuten ohne eigenen Treffer und konnte sich in dieser Phase beim stark haltenden Kulhanek bedanken.

Der VfL kam nun insgesamt besser ins Spiel: Schult, Podpolinski und Hansen suchten jetzt Eins-gegen-eins-Situationen, anstatt riskante Pässe an den Kreiszu spielen. Doch das Passspiel der Gäste blieb manchmal zu ungenau, genau wie die Würfe der Coburger, die auch nach 20 Minuten noch vom guten Start zehrten. Beide Teams legten ein recht hohes Tempo und hohe Intensität auf die Platte. Die Gästeabwehr stand ab Mitte der ersten Hälfte recht sicher, der HSC-Rückraum hatte Probleme zum Wurf oder an den Kreis zu kommen.


HSC verpasst höheren Vorsprung

Beide Teams übertrafen sich dann im Auslassen guter Einwurfmöglichkeiten. In einer zweiten Auszeit forderte Greve von seiner Mannschaft mehr Konzentration. HSC-Coach Jan Gorr wartete derweil mit einer neuen taktischen Variante auf - mit Benedikt Kellner auf der halblinken Rückraumposition und Marko Neloski auf Linksaußen. Aus HSC-Sicht wäre leicht ein größerer Vorsprung zum Wechsel möglich gewesen. Manch einer fühlte sich an das Hinspiel erinnert, als der HSC zu Beginn der zweiten Halbzeit mit vier Toren führte und den Vorsprung noch verspielte - insbesondere durch eine taktische Maßnahme des Gegners, den siebten Feldspieler.
Man durfte also gespannt sein, ob Greve abermals darauf zurückgreifen würde. Kurz nach Wiederanpfiff verzeichnete Kulhanek bereits seine 14. Parade (bei neun Gegentreffern). Einzig Podpolinski gelang es, den Abwehrriegel des HSC zu knacken. Überhaupt waren im Spiel der Lübecker viele kleine Nachlässigkeiten, die aber wohl auch der aufmerksamen Deckung des Gegners geschuldet waren. Beim Sechs-Tore-Rückstand nach 42 Minuten nahm Greve seine letzte Auszeit, zückte die Taktiktafel und nun kam er - der siebte Feldspieler des VfL.


Coburg besteht den Stresstest

Gleich im ersten Angriff war das Überzahlspiel von Erfolg gekrönt. Zudem sahen sich die Coburger nun einer offensiv ausgerichteten 5:1-Abwehr gegenüber. Deswegen rief jetzt Gorr zur Auszeit, um seine Spieler auf die neue Situation einzustellen und eine mögliche Aufholjagd im Keim zu ersticken. Die Gäste setzen weiter auf den siebten Feldspieler und hatten den Rückstand binnen vier Minuten halbiert. Vor allem für Oliver Milde im VfL-Rückraum entstanden kurioserweise durch das Überzahlspiel seiner Mannschaft Freiräume.

Eine gleiche Situation hatte es im Hinspiel gegeben. Nach und nach stach diese taktische Variante auch auf den Kreis- und Außenpositionen, Coburg hatte Probleme mit der offensiven Deckung.
Doch immer wieder schaffte es der HSC auch, diese Situationen spielerisch zu lösen. Wie beim 24:21, als Petr Linhart sich an den Kreis abgesetzt hatte und mustergültig von Florian Billek bedient wurde. Und für einen gab es vier Minuten vor dem Abpfiff verdientermaßen Szenenapplaus: für Torhüter Jan Kulhanek. Innerhalb von fünf Sekunden parierte er zwei freie Bälle und "vernagelte" sein Tor in den letzten sechs Minuten.

Weiterer emotionaler Höhepunkt: Im Anschluss an die Partie wurde der langjährige Geschäftsführer Florian Dotterweich, der von Anfang an seit 2000 als HSC-Trommler dabei war, verabschiedet.



HSC 2000 Coburg - VfL Lübeck-Schwartau 24:21 (13:9)


HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (20 Gegentore, 22 Paraden), Patryk Foluszny (1 Gegentor, 0 Paraden); Philipp Barsties, Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß (4), Dominic Kelm (2), Petr Linhart (1), Sebastian Weber (1), Stefan Lex (3), Benedikt Kellner (2), Florian Billek (4), Till Riehn (3/2), Marko Neloski (3), Jakob Knauer, Romas Kirveliavicius (1)
Trainer: Jan Gorr

VfL Lübeck-Schwartau: Marino Mallwitz (7 Gegentore, 2 Paraden), Dennis Klockmann (17 Gegentore, 11 Paraden); Thees Glabisch, Oliver Milde (5), Julian Lauenroth (2), Toni Podpolinski (3), Rickard Akerman, Markus Hansen (2), Fynn Ranke, Martin Waschul, Jan Schult (4), Sebastian Damm (4/3), Steffen Köhler (1), Christoph Schlichtling, Jasper Bruhn
Trainer: Torge Greve

Schiedsrichter: Steven Heine / Sascha Standke
Spielfilm: 4:0 (4.), 4:1 (5.), 4:2 (7.), 6:2 (11.), 6:4 (13.), 8:5 (16.), 10:7 (22.), 12:7 (28.), 13:9 - 15:10 (34.), 16:11 (36.), 17:12 (38.), 17:13 (40.), 19:13 (41.), 19:16 (47.), 20:16 (48.), 21:18 (50.), 22:20 (52.), 23:21 (54.), 24:21.
Zuschauer: 2196

Strafminuten: 2 (Hagelin) - 4 (Schlichting, Schult)
Siebenmeter: 2/3 (Billek scheitert an Mallwitz)- 3/3
Beste Spieler: Kulhanek, Lex - Milde, Schult



Stimmen zum Spiel:

Jan Gorr (Trainer HSC 2000 Coburg): "Wir wollten heute unbedingt dieses Erfolgserlebnis. Dazu war die Anfangsphase ein Türöffner. Außerdem haben wir heute aus dem Spiel heraus viele Ideen entwickelt. Als Torge dann wie schon im Hinspiel den siebten Feldspieler gebracht hat und die Abwehr auf 5:1 umgestellt hat, hat uns das schon ganz schön gestresst.
Dass wir da schadlos herausgekommen sind, war in erster Linie Jan Kulhanek zu verdanken, der seinen Kasten nicht nur in den letzten Minuten vernagelt hat."

Torge Greve (Trainer VfL Lübeck-Schwartau): "Coburg hat diese Partie von der ersten Minuten an ergebnistechnisch dominiert, war sehr präsent, dynamisch und zielstrebig. Uns ist es nicht gelungen, eine stabile Abwehr hinzustellen. In den ersten dreieinhalb Minuten wurden wir förmlich überfahren. Meiner Mannschaft muss ich trotzdem ein Kompliment machen, dass sie sich bis zum Ende nicht geschlagen gegeben hat, trotz der harten Hinrunde und den beiden Auswärtsspielen jetzt über Weihnachten.
Durch den siebten Feldspieler und der 5:1-Deckung sind wir sogar noch einmal richtig zurückgekommen, aber der Sieg für Coburg ist hochverdient."
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren