Coburg
Basketball

Derrick Taylor: Basketball-Legende ohne Allüren

Der neue Coburger Trainer hat seine Heimat seit vielen Jahren in Franken gefunden. Im Interview spricht er über alte Weggefährten und seine größten Momente
Artikel einbetten Artikel drucken
Familienmensch Taylor mit Hund Cookie, einem "Bolonka". Im Hintergrund Familienbilder und eine Autogrammkarte von Sohn David.  Foto: Glas
Familienmensch Taylor mit Hund Cookie, einem "Bolonka". Im Hintergrund Familienbilder und eine Autogrammkarte von Sohn David. Foto: Glas
+1 Bild
Viel mit den Spielern reden und Video schauen: Das sind die Haupttätigkeiten, denen Derrick Taylor in den vergangenen Tagen intensiv nachgegangen ist. Da seine neue Mannschaft nach der 82:91-Heimniederlage gegen die Iserlohn Kangaroos am Montag trainingsfrei hatte, vertiefte sich der 54-jährige am Nachmittag in seinem Arbeitszimmer ganz in das Videostudium.

Kurz bevor uns Taylor in seinem Haus im verschneiten Eckersdorf mit Hündchen Cookie empfing, nahm er noch den nächsten Coburger Gegner, die Bayer Giants Leverkusen, am Computer unter die Lupe. Seit vielen Jahren lebt der sympathische und bescheidene Deutsch-Amerikaner gemeinsam mit seiner Ehefrau Marion, einer gebürtigen Bayreutherin, und seiner Tochter Mona (14 Jahre) im beschaulichen 5000-Seelen-Ort vor den Toren Bayreuths. Sohn David (22) ist seit dieser Saison für den Basketball-Bundesligisten Oettinger Rockets in Erfurt aktiv.

Herr Taylor, nach der knappen Niederlage bei Ihrer Premiere gegen Iserlohn steht am Sonntag das nächste richtungsweisende Spiel in Leverkusen, einem direkten Konkurrenten um die Play-offs, an. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass der BBC den ersten Sieg unter Ihrer Leitung einfährt?
Derrick Taylor: Ich nehme viele positive Sachen aus der ersten Partie mit. Unser Energielevel war gut und wir haben zumindest versucht, als Mannschaft zu spielen, haben das aber nicht geschafft - insbesondere im letzten Viertel. Wir müssen besser im Pick-and-Roll-Spiel werden, denn wenn wir das schaffen, können wir auch besser als Mannschaft spielen. Im Moment machen wir zwei, drei Pässe und müssen dann mit unserer individuellen Qualität etwas kreieren. Und vor allem müssen wir als Team verteidigen. Daheim 91 Punkte zu kassieren, ist viel zu viel. Wir müssen jetzt viel arbeiten, aber ich habe ein gutes Gefühl. Vom Talent her sind wir gut genug.

Bayer Leverkusen und Derrick Taylor sind sich nicht fremd. Sie waren als Spieler von 1997 bis 1999 für den deutschen Rekordmeister aktiv. Mit welchen Gefühlen kehren Sie am Sonntag in die altehrwürdige Wilhelm-Dopatka-Halle (Anm. d. Red.: heute Ostermann-Arena) zurück?
Es ist schon etwas Besonderes. Ich bin mir sicher, dass viele Bekannte zum Spiel kommen werden. Ehemalige Nachbarn aus Schildgen (Anm. d. Red.: Stadtteil von Bergisch Gladbach) haben mich schon angeschrieben, dass sie kommen. Das ist sehr nett, ich habe super Erinnerungen an meine Zeit in Leverkusen.

Sportlich war es die Zeit der Wachablösung im deutschen Basketball: Der Rekordmeister aus Leverkusen wurde von Alba Berlin mit ihrem Superstar Wendell Alexis entthront. Dessen Sohn Anell trainieren Sie jetzt in Coburg ...
Ja, damals war Anell noch ein kleines Kind. In dieser Zeit wollte ich aber mit Berlin ohnehin nichts zu tun haben (lacht). Im Ernst: Wendell ist ein super Mensch und war ein toller Spieler. Ich habe ihm jetzt erst wieder übers Internet schöne Grüße ausgerichtet. Er will mal eine Woche nach Coburg zu Besuch kommen, dann können wir bisschen über alte Zeiten plaudern.

Nach Ihrer Zeit bei Steiner Bayreuth in den 90er-Jahren kehrten Sie im Januar 2001 zurück ins Frankenland - nach Bamberg. Die Situation damals war sportlich prekär, Bamberg musste um den Klassenerhalt bangen...
Zu diesem Zeitpunkt waren wir vielleicht die schlechteste Mannschaft der 1. Bundesliga. Wir haben in dieser Saison 22 Spieler eingesetzt, es war ein Kommen und Gehen - einfach verrückt. Durch die Arbeit von Wolfgang Heyder sind wir dann ganz langsam jedes Jahr besser geworden und haben schließlich 2005 die Meisterschaft gewonnen. Natürlich hatte auch Trainer Dirk Bauermann viel mit dem Erfolg zu tun. Von ganz unten zum Meister in nur vier Jahren: Diese Entwicklung war eine Riesengeschichte. Darauf bin ich stolz.

Einen Teil dieses alten Bamberger Spirits gibt es bei Bundesliga-Aufsteiger Oettinger Rockets in Erfurt zu sehen, unter anderem mit Wolfgang Heyder als Sportlichem Leiter und Ihrem ehemaligen Teamkollegen Ivan Pavic als Trainer. Auch Ihr Sohn David spielt seit dieser Saison dort. Eine Art Klassentreffen für Sie?

Ich war bisher bei jedem Heimspiel in Erfurt und es war immer schön. Ich habe viel Respekt vor Ivan Pavic, dass er es mit vielen jungen deutschen Spielern schaffen will - und irgendwie wird er es auch schaffen. Die Jungs werden jede Woche besser und können im Januar, wenn alle Spieler gesund sind, mit allen Mannschaften mithalten. Wolfgang Heyder ist für mich immer noch der Inbegriff des Bamberger Basketballs, denn er hat dort so viel Herzblut reingesteckt. Aber jetzt ist eine neue Zeit, und ich denke, er ist in Erfurt glücklich und will dort zu 100 Prozent Erfolg haben.

Welchem Bundesliga-Klub drücken Sie die Daumen?
Das ist keine Frage, Erfurt ist klar an erster Stelle. Aber natürlich werde ich auch immer ein Faible für Bamberg haben.

Auch bei Medi Bayreuth läuft es seit vergangener Saison sportlich so richtig rund. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?
Raoul Korner leistet wahnsinnig gute Arbeit. Ich bin begeistert, dass Bayreuth jedes knappe Spiel gewinnt. Das ist nicht normal.

Für wie realistisch halten Sie in naher Zukunft ein oberfränkisches Bundesliga-Finale zwischen Bamberg und Bayreuth?
(lacht) Bayern München ist natürlich schon sehr, sehr stark. Aber warum nicht, es kann passieren...Aber man muss sich das mal überlegen, Bamberg, Bayern, Bayreuth, Würzburg, unsere Ecke hier ist wahrlich nicht schlecht...

Während die genannten fränkischen Städte Basketball-Hochburgen sind, ist Coburg eine Handball-Stadt. Hatten Sie mit der Sportart bereits Anknüpfungspunkte?
Bisher eher weniger, aber jetzt in Coburg habe ich große Lust, mir mal ein Spiel anzuschauen. Ich hoffe, wir können uns da etwas austauschen, und es wäre toll, wenn auch Handballer zu unseren Spielen kommen. Ich finde die Sportart interessant und denke, dass Basketball und Handball gar nicht so weit auseinanderliegen.

In den USA scheint Handball ein nahezu unbekannter Sport zu sein...
Ich denke schon, dass es einige spielen, allerdings auf einem sehr niedrigen Level. Dafür ist jetzt Fußball recht groß und auch Volleyball spielen immer mehr.

Wie oft schnüren Sie selbst noch die Basketball-Sneakers?
Ich spiele noch für die Alten Herren des BBC Bayreuth. Wir wurden vor kurzem bei der Deutschen Meisterschaft der Ü45 Zweiter. Im Finale haben wir gegen Berlin verloren. Nach zwei Turniertagen mit jeweils vier Spielen am Tag war ich wirklich kaputt, aber es macht noch immer Spaß.

Spielt Ihre Tochter auch Basketball?
Nein, sie spielt Volleyball und bisschen Tennis. Beim Basketball ist ihr zu viel Kontakt, da ist sie einfach zu sehr Mädchen. Basketball ist nichts für meine Mona.

Zurück zum BBC Coburg: Sie wollen den Spaß zurückbringen. Inwieweit werden Sie den Spielstil Ihres Vorgängers Simon Bertram anpassen?
Ich will nicht kritisch sein, denn der Coaching-Staff hat das gut gemacht. Die zwei Meisterschaften in den letzten zwei Jahren sprechen für sich. In der ProB musst du schnell spielen und viel Druck in der Verteidigung machen, das muss unser Stil sein. Wir haben einen tiefen Kader, meiner Meinung nach ist unsere Bank fast die beste der Liga. Und das müssen wir zu unserem Vorteil nutzen.

Ein Bankspieler sollte Aufbauspieler Byron Sanford eigentlich nicht sein. Haben Sie eine Erklärung, warum er nach einer starken Vorbereitung bisher noch keine Führungsrolle einnehmen konnte?
Das ist eine gute Frage. Ich denke, das ist nur Kopfsache. Im Moment ist er in einem Tief und da muss er rauskommen. Bei jungen Amerikanern ist das aber oft so. Sie kommen nach Europa und denken, sie können ihren Spielstil aus den USA mitbringen. Aber in Europa musst du anders spielen. Alles ist anders: das System, die Philosophie, die Schiedsrichter und die Teamkollegen. Und das muss Byron noch lernen. Das Talent hat er, er ist superschnell, er hat viel Kraft und Power. Er müsste ein Topspieler in dieser Liga sein und das kann er auch schaffen.

Sind Sie als ehemaliger Klasse-Point-Guard bei den Aufbauspielern besonders kritisch?
Schon, manchmal sehe ich schlechte Aktionen und denke mir, dass ist eigentlich eine recht einfache Sache. Aber meine aktive Zeit ist lange vorbei, ich sehe das Spiel nur noch als Trainer und nicht als Spieler. Und es ist auch wichtig, mit den Jungs nur aus der Trainerperspektive zu reden.

Aber sie erzählen sicher trotzdem mal eine Anekdote aus ihrer erfolgreichen Zeit als Spieler, zum Beispiel von der Meisterschaft 2005 mit GHP Bamberg?
Ja, natürlich. Aber ich rede nicht oft über die Meisterschaft, denn sie ist ein Resultat, und Mitte der Saison macht es nicht so viel Sinn über das Ende zu reden. Aber ich weiß genau, wie der Prozess über eine Saison abläuft. Und es ist gut, dass meine Mannschaft das wiederum weiß. Ich habe meine Erfahrung nicht aus Büchern oder von anderen Leuten, sondern hatte als Spieler selbst bisschen Erfolg.

Bis 10. Januar könnten Sie noch neue Spieler für die laufende Saison verpflichten. Werden Sie davon Gebrauch machen?
Wenn wir etwas machen werden, dann nur, wenn wir einen echten Leader-Typen bekommen. Vielleicht einen scorenden Forward, der Inside wie Outside punkten kann. Aber grundsätzlich bin ich wirklich zufrieden mit der Mannschaft. Alle arbeiten sehr gut und geben richtig Gas.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren