Coburg
2. Handball-Bundesliga

Das Wölfe-Trauma geht für die Coburger weiter

Auch im zehnten Anlauf gelingt dem HSC im Derby gegen die DJK Rimpar Wölfe kein Sieg. Bei der 29:31-Niederlage gibt Jan Kulhanek sein Comeback.
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Tobias Varvne (mit Ball) setzte mit sieben Treffern neben Romas Kirveliavicius (sechs Tore) die Akzente im Coburger Angriff.  Foto: Iris Bilek
Tobias Varvne (mit Ball) setzte mit sieben Treffern neben Romas Kirveliavicius (sechs Tore) die Akzente im Coburger Angriff. Foto: Iris Bilek
Als "Lieblingsgegner" ist der HSC 2000 Coburg im Hallenheft der Gastgeber bezeichnet worden. Dies wurde mit der besonderen Stimmung beim Aufeinandertreffen der ewigen Rivalen begründet. Ein bisschen könnte es aber auch daran liegen, dass die Coburger in den jetzt zehn Vergleichen gegen die DJK Rimpar Wölfe die Halle noch nie als Sieger verlassen haben. Diesmal gab es einen 31:29-Sieg für die Wölfe.

Zumindest ein Punkt und somit das mögliche dritte Remis in Folge war für die Coburger allerdings zum Greifen nahe. In zwei Punkten waren die Unterfranken am Samstag deutlich überlegen: Das Umschalt- und Konterspiel funktionierte bei den Wölfen, während es bei den Coburgern fast gar nicht stattfand oder der Ball auch mal beim Gegner landete. "Im Gegensatz zu Rimpar mussten wir für jedes Tor sehr viel Aufwand betreiben", erkannte Jan Gorr nach dem Spiel. Hinzu kam, dass die Gastgeber den eigentlichen Nachteil der zahlenmäßigen Unterlegenheit bei einer Zeitstrafe - bis auf eine Ausnahme - sehr gut durch einen zusätzlichen Feldspieler ausgleichen konnten. "Wir haben unser Überzahlspiel nicht konsequent zu Ende gespielt, es hinten wie vorne nicht gut gelöst", stellte auch Spielführer Till Riehn nach der Partie fest. Der zusätzliche Feldspieler: eine inzwischen weit verbreitete Taktik, von der die Coburger ganz selten oder wie am Samstag überhaupt nicht Gebrauch machten.

DJK Rimpar Wölfe -
HSC 2000 Coburg 31:29 (15:14)

Etwa 250 Coburger Fans hatten sich, ausgerüstet mit Fan-Klatschen und Trommeln, auf den für Zweitligaverhältnisse kurzen Weg nach Würzburg gemacht. Traditionell hatte der HSC auch in Absprache mit dem Heimverein eigene Security mitgebracht. "Hier regiert der HSC", skandierten die Fans in einem der beiden Coburger Fanblocks vor dem Spiel - trotz der bislang doch eher dürftigen Bilanz gegen Rimpar. Von dort flogen dann auch massenhaft Papierschnipsel aufs Spielfeld, was gleich in der Anfangsphase zu einer Spielunterbrechung führte.

Schnell ging es in den ersten Minuten rauf und runter. Immer wieder spielte Rimpar die schnelle Mitte, womit aus Coburger Sicht zu rechnen war. Das ist ohnehin das Spiel der Unterfranken, gegen die ersatzgeschwächten Coburger wurde der Stil intensiviert. Dieser Zug und die Übersicht im schnellen Spiel nach vorne fehlten dagegen beim HSC. Trotzdem hatten die Coburger zu dieser Spielphase die richtigen Antworten parat. Besonders die Achse Kirveliavicius-Varvne funktionierte, kein Team konnte sich mit mehr als einem Treffer absetzen. Immer wieder versuchten die Rimparer mit ihrem Geschwindigkeitshandball die HSC-Abwehr auseinanderzuziehen und überraschten dabei auch mal mit Hüftwürfen.

Beim Stand von 9:9 und 10:9 brachten die Coburger zwei Siebenmeter nicht im gegnerischen Tor unter, in der Schlussphase folgte später ein dritter vergebener Strafwurf. Danach lag der HSC erstmals mit zwei Toren im Hintertreffen. Zwar gelang durch ein "Empty-Net-Goal" durch Kirveliavicius noch einmal eine Führung (es sollte die letzte sein), trotzdem musste Coburg mit einem Rückstand in die Pause. Das war vor allem der Tatsache geschuldet, dass es Rimpar mit schnellen Ballstafetten immer wieder schaffte, Lücken in die Deckung zu reißen und so zum Kreis durchzukommen.
Nach der Pause ging es Schlag auf Schlag und eigentlich hätten die Vorteile bei Coburg liegen müssen. Denn oft musste Rimpar, weil sie oft über der Grenze des Erlaubten in der Abwehr abräumten, in Unterzahl agieren.


Coburg nutzt Überzahl nicht aus

In der 36. Minute kassierte Abwehrchef Stefan Schmitt nach seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte, gerade einmal 100 Sekunden später erwischte es Sebastian Krauß nach einer missglückten Abwehraktion mit glatt Rot. Die Rimparer schienen dadurch geschwächt, doch das pushte sie eher, als dass sie die Köpfe hängen ließen. "Die Roten Karten waren für Rimpar nur ein vermeintlicher Nachteil, sie haben vielleicht gerade deswegen noch einmal eine Schippe draufgepackt", so Gorr nach der Partie. Hinzu kamen Ballverluste seiner Mannschaft, und anstatt näher heranzukommen, ging es für die Coburger nach hinten los. In der fast vierminütigen Überzahl musste der HSC den Gegner auf drei Tore davonziehen lassen. Auch eine weitere Zeitstrafe gegen Rimpar verpuffte aus Sicht der Vestestädter. Zwischenzeitlich stand der nach sechswöchiger Verletzungspause zurückgekehrte Torhüter Jan Kulhanek mit zwei tollen Paraden im Blickpunkt. Der Tscheche sorgte dafür, dass sein Team trotz Unterzahl beim 23:23 doch wieder zum Ausgleich kam.


Letzter Pass kommt nicht an

Gerade einmal drei Minuten später hatte Rimpar den Drei-Tore-Abstand allerdings wiederhergestellt. Coburg gab sich aber nicht geschlagen und hatte zumindest das Remis in der Hand. Ein finaler Pass an den Kreis zehn Sekunden vor dem Abpfiff kam aber nicht bei Sebastian Weber an. Mit dem Gegenzug machte Rimpar schließlich alles klar.


Stimmen zum Spiel

Jan Gorr (HSC-Trainer): "Im Vergleich zu den letzten Spielen haben wir es diesmal in der Abwehr nicht geschafft, die Lücken immer zu schließen. Dafür haben wir eine bessere Angriffsleistung gezeigt. Natürlich bin ich enttäuscht, dass wir uns nicht mit einem Punkt belohnt haben."

Matthias Obinger (DJK-Trainer): "Wir hatten in den 60 Minuten einige Widrigkeiten zu überstehen, haben diese mit Leidenschaft und Begeisterung umschifft. Meine Mannschaft hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen."



DJK Rimpar Wölfe - HSC 2000 Coburg 31:29 (15:14)


HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (10 Gegentore, 5 Paraden), Patryk Foluszny (n.e.), Oliver Krechel (21 Gegentore, 4 Paraden); Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig (1), Felix Sproß, Dominic Kelm (1), Sebastian Weber (2), Stefan Lex (6), Benedikt Kellner, Florian Billek (3), Till Riehn (3/3), Tobias Varvne (7), Romas Kirveliavicius (6)
Trainer: Jan Gorr

DJK Rimpar Wölfe: Max Brustmann (29 Gegentore, 11 Paraden), Andreas Wieser (0 Gegentore, 0 Paraden); Sebastian Kraus (2), Stefan Schmitt, Dominik Schömig (1), Lukas Böhm (1), Patrick Gempp, Jan Schäffer (4), Patrick Schmidt (8/4), Steffen Kaufmann (6), Lukas Siegler (1), Philipp Meyer, Benedikt Brielmeier (5), Benjamin Herth (2), Julian Sauer (1)
Trainer: Matthias Obinger
Schiedsrichter: Tolga Karamuk/Nikos Seliger

Spielfilm: 2:1 (3.), 2:3 (5.), 3:3 (7.), 4:5 (9.), 5:5 (10.), 7:6 (12.), 8:8 (15.), 9:9 (16.), 11:9 (22.), 11:11 (24.), 13:13 (28.), 13:14 (29.), 15:14 - 15:15 (32.), 16:16 (33.), 19:16 (37.), 20:18 (40.), 22:19 (42.), 23:20 (44.), 23:23 (47.), 26:23 (50.), 26:25 (52.), 27:26 (55.), 28:27 (57.), 30:29 (59.), 31:29.
Zuschauer: 2631
Strafminuten: 14 (Schmitt 6 - Rote Karte, Schäffer 4, Böhm, Brustmann); Sebastian Kraus, Rote Karte - 8 (Kirveliavicius 4, Hagelin, Sproß)
Siebenmeter: 4/4 - 3/6 (Riehn scheitert an Brustmann, Billek scheitert 2 Mal an Brustmann)
Beste Spieler: Kaufmann, Brielmeier, Schäffer - Varvne, Lex, Kirveliavicius.
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