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Basketball

BBC Coburg: Derrick Taylor soll den Spaß zurückbringen

Die Coburger trennen sich nach einer sportlich enttäuschenden Vorrunde von Cheftrainer Simon Bertram. Sein Nachfolger ist in Franken kein Unbekannter.
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Von der Freiwurflinie netzt Derrick Taylor, hier bei einem Brose-Heimspiel vor vier Jahren, seit jeher sicher ein.  Foto: Bertram Wagner/Archiv
Von der Freiwurflinie netzt Derrick Taylor, hier bei einem Brose-Heimspiel vor vier Jahren, seit jeher sicher ein. Foto: Bertram Wagner/Archiv
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Das größte Manko der Coburger Basketballer hat Matthias Haufer, Sportlicher Leiter des BBC, schnell ausgemacht. "Kein Spieler hat aktuell Selbstvertrauen." Ein vermeintliches Kopfproblem, das in den nächsten Monaten ein erfahrener Mann in den Griff bekommen soll: Der 54-jährige Derrick Taylor löst Simon Bertram als Coach beim BBC Coburg ab.

Der Deutsch-Amerikaner, der zunächst einen Vertrag bis zum Saisonende erhält, stellte sich gestern Abend der Mannschaft vor und leitete bereits das erste Training - mit dabei ist weiterhin der Kronacher Johannes Wunder als Assistenztrainer. Viel Zeit, seine Spielphilosophie und neue Ideen einzubringen, hat "Daddy Cool", wie er zu seinen Spielerzeiten genannt wurde, nicht: Am Sonntag (16 Uhr, HUK-Arena) startet die Rückrunde der ProB mit der Partie gegen den Tabellenvierten Iserlohn. "Die Spieler müssen jetzt eine Reaktion zeigen, denn ein Trainerwechsel nimmt auch immer eine potenzielle Ausrede. Am Ende sind es aber die Jungs auf dem Parkett, die entscheiden", erklärt Haufer.


Funktion im Jugendbereich?

Die Entscheidung, Simon Bertram als Cheftrainer zu ersetzen, ist den Coburger Verantwortlichen nicht leicht gefallen, schließlich schaffte der 31-Jährige im Frühjahr dieses Jahres in seiner ersten Saison als Trainer im Seniorenbereich den Aufstieg in die ProB. "Simon Bertram hat vom ersten Tag an hervorragende Arbeit abgeliefert und uns weit mehr als nur zum Aufstieg geführt. Mindestens genauso wichtig ist sein Einfluss auf die gesamte Struktur des Programms. In puncto Akribie setzt er Maßstäbe", sagt Manuel "Bobby" Fischer, BBC-Geschäftsführer, der sich wünscht, dass der Wahl-Bamberger dem Verein in einer noch zu definierenden Funktion im Jugendbereich erhalten bleibt.

Gespräche diesbezüglich sollen in der kommenden Woche geführt werden. Gesundheitliche Probleme, die den bisherigen Headcoach schon während des kompletten Saisonverlaufs heimsuchten, hatten sich zuletzt verschlimmert. "Am wichtigsten ist zunächst einmal Simons Gesundheit, alles Weitere kann man dann in Ruhe erörtern", so Haufer.

Nachdem die Coburger in der vergangenen Saison noch durch die 1. Regionalliga spaziert waren, lief es in dieser Spielzeit - angefangen mit einer sehr durchwachsenen Vorbereitung - sportlich nie wirklich rund. Vom Minimalziel Play-offs (1 bis 8) ist der BBC aktuell weit entfernt. "Basketball ist eben ab einem gewissen Level auch Ergebnissport", sagt Haufer. "Die Play-offs nicht zu erreichen, wäre kein Beinbruch. Aber abzusteigen, wäre für den Verein katastrophal." Und diese Gefahr besteht durchaus. Nach der zwischenzeitlichen Bilanz von drei Siegen und vier Niederlagen gab es zuletzt vier Pleiten am Stück, auch wenn die Mannschaft sich zuletzt spielerisch gesteigert habe, so Haufer. Trotzdem glaube er, dass im Kader weitaus mehr Potenzial schlummere, als der Tabellenstand aussage. "Wir waren nicht konstant genug und man hatte immer das Gefühl, dass wir Basketball zu sehr arbeiten, der Spaß fehlte", so Haufer.
Nicht nur bei der Mannschaft fehlte der Spaß, auch Bertram fühlte sich in seiner Rolle in den vergangenen Wochen, auch gesundheitsbedingt, nicht wirklich wohl und erwägte zuletzt selbst, ins zweite Glied zu rücken. "Simon ist ein sehr selbstkritischer Mensch, der Vieles hinterfragt", sagt Haufer und fügt an: "An seinen Qualitäten als Basketball-Lehrer zweifele ich überhaupt nicht, die Mannschaft hat vielleicht nicht ganz zu seinem Spielkonzept gepasst."

Vor seiner Zeit in Coburg war Bertram drei Jahre im Jugendprogramm von Brose Bamberg tätig. Die Bamberger "Basketball-Schule" setzt auf viel Ballbewegung und überlegte Wurfauswahl - ein Ansatz, den Bertram in dieser Spielzeit in Coburg nur bedingt etablieren konnte.


Den Wettkampf vermisst

Nach der Heimniederlage gegen Dresden tagten die Coburger Verantwortlichen in den vergangenen Tagen und kamen nach einem intensiven Austausch zu dem Entschluss, auf den Wunschkandidaten Taylor zu setzen. Hoch motiviert und bescheiden gab sich die Basketball-Legende bereits beim ersten Sondierungsgespräch: "Ich habe die Wettkampfatmosphäre enorm vermisst und es wäre gigantisch, wenn ich die Chance bekommen würde, dem BBC Coburg zu helfen."

Die Verhandlungen waren mit Taylor dementsprechend schnell abgeschlossen, am Donnerstagabend nahm der 54-Jährige die Arbeit auf. "Es wäre anmaßend, jetzt herzugehen und alles umzukrempeln. Das ist auch nicht nötig, denn ich habe in den Spielen, die ich angeschaut habe, erkannt, dass gar nicht so viel fehlt. Ich möchte dem Team vor allem auf der emotionalen Ebene weiterhelfen, ihr Selbstvertrauen stärken und die Freude am Basketball zurückbringen", sagt Taylor.


Als Spieler noch mit 41 Meister

Der neue Mann an der Seitenlinie setzt dabei neben seiner eigenen Vergangenheit auf dem Feld - Taylor wurde 1986 von den Indiana Pacers in die NBA gedraftet und stand mehrmals im Finale der Basketball-Bundesliga - auch auf viel Erfahrung als Übungsleiter. Im Jahr 2004 übernahm er den TSV Tröster Breitengüßbach in der 2. Bundesliga als Trainer. Am Ende der Saison 2004/05 schnürte er noch einmal selbst seine Sneakers für die Bamberger Bundesliga-Basketballer, mit denen er als Aktiver im "biblischen" Alter von 41 noch deutscher Meister wurde. In der folgenden Spielzeit war er Assistenztrainer in Bamberg, anschließend folgten Stationen als Headcoach beim BBC Bayreuth und dem Nürnberger BC in ProA und ProB. Von 2013 bis 2015 betreute Taylor die 2. Mannschaft aus Bayreuth in der 1. Regionalliga und hatte dabei unter anderem BBC-Point-Guard Kevin Eichelsdörfer unter seinen Fittichen.

Zuletzt arbeitete Taylor als Individualtrainer. Außerhalb der Basketballhalle unterstützte er seine Frau Marion, mit der Taylor seit vielen Jahren in Eckersdorf bei Bayreuth lebt, im Auslandsgeschäft einer Mediaberatung.

Seine Spielerkarriere lässt Taylor indes mittlerweile ruhen. "Ich gehe höchstens noch mit den Hunden raus, mir würde sehr schnell die Luft ausgehen", sagt der zweifache Familienvater mit einem Lachen, dessen Sohn David für den Bundesligisten Gotha auf Korbjagd geht.
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