Coburg
1. Handball-Bundesliga

"Haben eine Mannschaft, die im oberen Drittel mitspielen kann"

Vorstandssprecher Stefan Apfel erklärt im Interview, was er nächstes Jahr in der 2. Liga erwartet und zieht Bilanz. Dazu alle Spieler in der Einzelkritik.
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HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel (rechts) und der scheidende Hallensprecher Thomas Apfel bei dessen Verabschiedung am Samstag.  Foto: Timo Geldner
HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel (rechts) und der scheidende Hallensprecher Thomas Apfel bei dessen Verabschiedung am Samstag. Foto: Timo Geldner
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Der Auftakt und der Schlusspunkt waren für den HSC 2000 Coburg wie ein Gemälde. Mit einem fulminanten 25:20-Auswärtssieg in Melsungen begann das Abenteuer 1. Handball-Bundesliga für die Mannschaft von Trainer Jan Gorr, mit einer ähnlich überzeugenden Vorstellung ging die Reise mit einem 29:26-Heimerfolg gegen Minden am Samstag zu Ende. Dass das phasenweise vielversprechend aussehende HSC-Gemälde nicht zum "Meisterwerk" wurde, hat unterschiedlichste Ursachen. Vorstandssprecher Stefan Apfel nennt im Tageblatt-Interview einige.

Herr Apfel, was nimmt der HSC aus dieser Saison mit?
Stefan Apfel: Wir wussten, was uns erwartet, auf was wir uns einlassen. Aber das muss man differenziert sehen. Zum einen den Tabellenstand - da sind wir als Letzter natürlich enttäuscht. Gewinnen wir drei, vier Spiele mehr, was durchaus drin war, spielen wir mit um den Klassenerhalt. Das andere sind die starken Leistungen, die die Mannschaft zusammen mit dem Trainerteam Woche für Woche auf die Platte gezaubert haben. Es gab ganz wenige Spiele in denen wir uns, haben abschießen lassen.

Sind sie trotzdem enttäuscht, dass es doch nicht mehr war?
Klar, dafür sind wir Sportler. Knappe Niederlagen in Hannover und Kiel, das unglückliche Remis in Balingen. Das macht einen schon traurig, weil eben nicht so viel gefehlt hat. Aber wir gehen erhobenen Hauptes, weil wir eben kein Kanonenfutter waren. Da gab es schon andere Konstellationen in den vergangenen Jahren. Wenn wir über die gesamte Saison komplett gewesen wären, hätten wir die arrivierten Mannschaften noch viel mehr ärgern können.

Mit welchem Ausblick geht Coburg jetzt in die Zweitligasaison?
Das ist dann schon wieder ein anderer Handball, da geht mehr über den Kampf, es gibt eine breite Ausgeglichenheit. Das wird kein Selbstläufer. Aber wir nehmen viel Selbstbewusstsein und eine eingespielte Mannschaft mit. Nicht zu vergessen unser tolles Publikum, das uns trotz der häufigen Niederlagen die Treue gehalten hat und zu uns gestanden ist. Das war eine Einheit und wird eine bleiben.

Wie ist die Stimmung aufgrund des Abstieges?
Es ist ganz wichtig, trotzdem eine positive Stimmung mitzunehmen. Wir sollten keine Trauerstimmung aufkommen lassen. Für uns war das ein riesiges Abenteuer. Da wäre es jetzt völlig falsch, eine schlechte Stimmung aufkommen zu lassen. Wir müssen das Positive mitnehmen. Wir haben dieses Jahr genossen, und es macht Lust auf mehr. Uns allen muss bewusst sein, wir wollen da wieder zurück. Es hat einfach Spaß gemacht. Es ist etwas anderes, in der 1. Liga zu spielen. Natürlich müssen wir alle unsere Lehren aus dieser Saison ziehen. Irgendwann wollen wir gestärkt wieder zurückkommen. Ob das schon kommende Saison mit der veränderten Aufstiegsregelung ist, muss erst einmal offen bleiben. Aber wir haben eine Mannschaft, die im oberen Drittel mitspielen kann.



Zeugnis: So haben sich die Spieler geschlagen


Florian Billek - Der Goalgetter der Coburger - wurde durch seine Leistungen zum Nationalspieler und ist so etwas wie der "emotionale Leader" des HSC.

Nico Büdel - Nach einer fantastischen Hinserie konnte der nach Erlangen wechselnde Rückraum-Linke im Jahr 2017 nicht mehr an die da gezeigten Leistungen anknüpfen.

Steffen Coßbau - Er hängt seine Handball-Schuhe bedauernswerterweise an den Nagel, obwohl der Linksaußen gerade im Schlussdrittel der Saison sensationelle Quoten aufweisen konnte.

Romas Kirveliavicius - Der Kanonier im linken Rückraum und Abräumer im Deckungszentrum hatte oft mit schwachen Quoten zu kämpfen. Tolle Spiele wechselten sich mit schwächeren ab.

Stefan Lex
- Er wurde im rechten Rückraum immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen, kam aber im Saison-Endspurt stark zurück.

Sebastian Weber - Der eingefleischte Bartträger weist am Kreis die beste Wurfquote des HSC auf. Er trennte sich im Lauf der Saison kurzfristig von seinem Gesichtshaar und war kaum wiederzuerkennen.

Adnan Harmandic - Zu selten glänzten seine Fähigkeiten auf der Rückraum-Mitte auf. Denn welche Übersicht er hat, bewies er in so mancher Spielsituation mit Pässen quer über den Kreis.

Till Riehn - Der "Backup" auf der linken Außenposition für Steffen Coßbau und Spielführer ist neben Dominic Kelm der einzige HSC-Akteur, der alle 33 Erstliga-Spiele absolviert hat. Auf seiner Rückraum-Mitte-Position kam er erst in den letzten Spielen zum Einsatz, glänzte gegen Hannover-Burgdorf.

Lukas Wucherpfennig - Der Rechtsaußen steht zwar im Schatten von Florian Billek, überzeugt aber trotz seiner jungen Jahre, wenn er auf dem Feld steht mit tollen Leistungen, und ist pfeilschnell am gegnerischen Kreis.

Dominic Kelm
- Auch er hat neben Till Riehn alle bisherigen 33 Liga-Spiele absolviert und gehört inzwischen fast zum Inventar beim HSC. Bereits acht Jahre ackert er am gegnerischen Kreis und schon mal vorgezogen in der eigenen Abwehr.

Markus Hagelin - Neben "Kiwi" der zweite Abräumer in der HSC-Abwehr, wurde auch immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen, scheute aber keinen Zweikampf.

Tom Wetzel - Der Pechvogel der Saison. Nach zehn Minuten Erstliga-Zeit fiel der Rückraum-Linke bis über ein halbes Jahr aus. Er kam unerwartet stark zurück, konnte dem HSC aber im Abstiegskampf dann doch nicht mehr helfen.

Philipp Barsties
- Nach fast zwei Jahren Verletzungspause kam der nur in der Abwehr eingesetzte Rechtshänder in dieser Saison zurück, stopfte immer wieder Lücken in der Abwehr.

Oliver Krechel - Die Emotionskiste im Tor der Coburger hatte gerade im Saison-Endspurt tolle Auftritte, war in seinen Leistungen insgesamt aber zu schwankend.

Jan Kulhanek
- Das genaue Gegenbild zu Oliver Krechel im HSC-Tor, an dem scheinbar alles abprallt, selbst pausenlose Beschimpfungen gegnerischer Fans.
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