Coburg
1. Handball-Bundesliga

HSC ist in Magdeburg 15 Minuten auf Augenhöhe

Die Coburger legten mit einer 6:4-Führung einen Auftakt nach Maß hin, mussten dann aber bei der 23:30-Niederlage die hohe Qualität des SCM anerkennen.
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Steffen Coßbau machte in seiner Heimat Magdeburg ein starkes Spiel, leistete sich bei fünf Würfen keinen einzigen Fehlversuch.  Foto: Iris Bilek
Steffen Coßbau machte in seiner Heimat Magdeburg ein starkes Spiel, leistete sich bei fünf Würfen keinen einzigen Fehlversuch. Foto: Iris Bilek
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Eine Demontage wie beim 27:42 im Hinspiel haben die 5987 Zuschauer in der Magdeburger Getec-Arena am Sonntagabend nicht gesehen. Vielmehr lieferte der HSC 2000 Coburg dem SC Magdeburg, der nächstes Wochenende im Final Four des EHF-Pokals antritt, über 15 Minuten einen harten Fight und verkaufte sich auch danach noch sehr teuer. Dementsprechend zufrieden zeigte sich Trainer Jan Gorr nach der Partie: "Sicher hat man auch heute noch einen deutlichen Unterschied zwischen Magdeburg und Coburg gesehen - keine Frage, vor allem in der Deckung und im Konterspiel sind die Magdeburger in der Liga ganz vorne dabei. Aber dennoch war der Unterschied heute bei Weitem nicht mehr so groß wie in der Hinrunde."

Kühnste Optimisten, die noch an einen Coburger Klassenerhalt geglaubt hatten, müssen sich aber spätestens nach diesem Wochenende endgültig mit der Zweitklassigkeit abfinden. Balingen-Weilstetten gewann etwas überraschend gegen Leipzig und auch Stuttgart holte einen Punkt beim TSV Hannover-Burgdorf. Rechnerisch ist die Gorr-Truppe allerdings noch nicht abgestiegen.


Oliver Krechel hält überragend

So eindeutig die Vorzeichen vor der Partie waren, so einseitig war auch der Start ins Spiel. Aber nicht die hochfavorisierten Magdeburger, die seit fünf Spielen ungeschlagen waren, gaben den Ton in der heimischen Arena an, sondern die Mannschaft von Trainer Jan Gorr. Tom Wetzel und Sebastian Weber brachten den HSC schnell mit 2:0 in Front, der gebürtige Magdeburger Steffen Coßbau erhöhte sogar auf 3:0.

Nach dreieinhalb Minuten erlöste der Slowene Marko Bezjak die bereits leicht ungeduldigen SC-Anhänger mit dem ersten Treffer für die Hausherren. Doch Tore blieben für Magdeburg weiterhin Mangelware, da Oliver Krechel insbesondere in der Anfangsphase der Partie über sich hinauswuchs. Fünf der ersten sechs Bälle, die auf sein Gehäuse kamen, parierte der 26-Jährige. Und im Angriff schlug der HSC Magdeburg mit den eigenen Waffen: Auf Fehler warten und diese mit Tempogegenstößen bestrafen. Ein Doppelschlag von Florian Billek, der trotz Sprunggelenksproblemen auf die Zähne biss, sorgte für die 5:3-Führung des HSC. Nach dem Anschluss von Robert Weber vom Siebenmeterpunkt gelang Stefan Lex wiederum durch einen Tempogegenstoß das 6:4.

Während die Coburger die ersten 13 Minuten vorne geduldig ihre Möglichkeiten suchten und sich nahezu keine Fehler erlaubten, änderte sich Mitte der ersten Halbzeit, als Nico Büdel und Markus Hagelin kurz nacheinander Zwei-Minuten-Strafen absitzen mussten. Rückraumspieler Mads Christiansen sorgte nach 15 Minuten für die erste Magdeburger Führung (7:6), die das Team im gesamten Spielverlauf nicht mehr abgab.

Die Unterzahlsituationen sorgten für erzwungene Aktionen der Coburger, bei denen die Rückraumspieler ihren Meister immer wieder im starken Innenblock der Magdeburger um Nationalspieler Finn Lemke fanden. Und selbst frei stehend scheiterten Adnan Harmandic & Co. nun mehrmals am Magdeburger Keeper Jannick Green. In den 17 Minuten vor der Pause gelangen den Vestestädtern lediglich drei Treffer. Die Hausherren spielten ihre Überzahlsituationen routiniert aus und kamen nun auch vermehrt durch Konter zu Torerfolgen (11:7). Dass der HSC trotz Flaute zur Halbzeit noch einigermaßen auf Tuchfühlung blieb (16:9), war vor allem Krechel zu verdanken.

Der Start in die zweite Hälfte war ein Abbild des ersten Durchgangs. Die Coburger wirkten wacher und hatten mit Krechel einen Rückhalt, der wieder die ersten drei Torversuche parierte. Nach dem zwischenzeitlichen 16:11 (32.) unterbrach abermals eine Zeitstrafe von Hagelin den HSC-Rhythmus. Magdeburg schaltete einen Gang höher und sorgte mit fünf Toren in vier Minuten für die Vorentscheidung (21:11/38.). Vor allem Rechtsaußen Robert Weber, den die Gorr-Truppe im ersten Abschnitt noch gut unter Kontrolle hatte, tobte sich im Angriff so richtig aus.

Beim HSC waren es mit Billek und Coßbau auch die Außenspieler, die offensiv die Akzente setzten, aber bis auf die Schlussphase zu wenig Unterstützung von ihren Teamkollegen erhielten. Drei Coburger Tore in Folge beantworteten die Magdeburger ihrerseits mit einem 4:1-Lauf (25:15/52.). Danach stieg auch die Fehlerquote der Gastgeber rapide an, so dass der HSC in den letzten acht Minuten noch zu acht Treffern kam und sich an diesem Abend insgesamt sehr achtbar aus der Affäre zog.


SC Magdeburg - HSC 2000 Coburg 30:23 (16:9)


HSC 2000 Coburg: Oliver Krechel (30 Gegentore, 16 Paraden), Jan Kulhanek; Florian Billek (7), Steffen Coßbau (5), Stefan Lex (3), Sebastian Weber (2), Tom Wetzel (2), Romas Kirveliavicius (2), Till Riehn (1), Nico Büdel (1), Philipp Barsties, Markus Hagelin, Dominic Kelm, Adnan Harmandic, Lukas Wucherpfennig, Girts Lilienfelds
Trainer: Jan Gorr
SC Magdeburg: Jannick Green (13 Gegentore, 5 Paraden), Dario Quenstedt (10 Gegentore, 1 Parade); Robert Weber (8/1), Matthias Musche (5), Mads Christiansen (5), Marko Bezjak (4), Yves Grafenhorst (3), Jacob Bagersted (2), Michael Daamgard (1), Nemanja Zelenovic (1), Finn Lemke (1), Zeljko Musa, Fabian van Olphen, Christian O'Sullivan, Daniel Pettersson
Trainer: Bennet Wiegert
Schiedsrichter: Hanspeter Brodbeck/Simon Reich
Spielfilm: 0:3 (3.), 3:3 (8.), 4:6 (13.), 9:6 (19.), 15:8 (27.), 16:9 - 16:11 (32.), 21:11 (38.), 21:14 (42.), 25:15 (53.), 27:19 (57.), 30:23
Zuschauer: 5987
Strafminuten: 10 (Hagelin 2, Büdel, Coßbau, Kirveliavicius) - 2 (Lemke)
Siebenmeter: 0/0 - 1/4 (R. Weber, 2, und Musche scheitern an Krechel)
Beste Spieler: Krechel, Coßbau, Büdel - Bezjak, R. Weber.


Stimmen zum Spiel

Jan Gorr, HSC-Trainer: "Wir haben im Hinspiel gegen Magdeburg ein echtes Waterloo in eigener Halle erlebt, wir wurden vollkommen auseinandergespielt, es war ein riesiger Unterschied zwischen beiden Teams. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, heute zu zeigen, dass wir die Zeit zwischen den zwei Spielen durchaus genutzt haben und besser geworden sind. Was ich heute auch sehr wichtig fand, dass wir nach teilweise etwas größeren Rückständen nicht aufgesteckt haben und den Abstand wieder verkürzt haben, und aus unserer Sicht das bestmögliche Ergebnis erzielt haben."

Steffen Ramer, HSC-Geschäftsführer: "Ich bin erfreut, dass sich kein weiterer Spieler eine Verletzung zugezogen hat, weil das hat uns ja die ganze Runde belastet und gehandicapt. Wir haben bessere Antworten gefunden als im Hinspiel. Wir haben uns bis zum Ende nicht hängen lassen und uns auch nicht aus der Halle schießen lassen. Ich glaube, das ist für unsere Fans zu Hause ein gutes Zeichen. An der Stelle bedanke ich mich natürlich bei allen Fans, die nach Magdeburg gereist sind, und hoffe, dass sie uns weiterhin so gut unterstützen. Wir werden die Runde vernünftig und mit aller Kraft, die wir noch haben, durchspielen."

Oliver Krechel, HSC-Torhüter: "Bisschen ärgerlich, ich denke wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren, als wir zu viele Chancen liegen gelassen und ein, zwei leichte Fehler gemacht haben. Und dann kontert uns Magdeburg über zehn Minuten komplett aus und dann geraten wir mächtig in Rückstand. Und das schaffen wir dann am Ende natürlich nicht mehr, aufzuholen. Wir haben aber bis zum Ende gekämpft und haben ein achtbares Ergebnis hingelegt. Ich hätte gerne die 30 Tore verhindert, aber insgesamt viel viel besser als im Hinspiel, das geht auswärts in Ordnung."
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