Coburg
Gericht

Verhandlung in Coburg: Schädel-Hirn-Trauma nach massiven Schlägen

Mit einem Glaskrug soll ein 53-Jähriger seine Ehefrau fast totgeschlagen haben.
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Für die Tat, die sich am 21. November 2016 in einer Coburger Asylbewerberunterkunft ereignete, muss sich der Mann nun vor der Ersten Großen Strafkammer des Schwurgerichts am Landgericht Coburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung.


Hilflos liegen gelassen

Gegen 10.40 Uhr soll der Mann seiner Frau mit einem Glaskrug von hinten mehrfach auf den Kopf geschlagen haben. Auch als die Frau bereits zu Boden gegangen war und bäuchlings auf dem Teppich lag, soll er sie mit dem Krug noch weiter traktiert und ihr abschließend einen Tritt in den Rücken versetzt haben. Danach habe der Mann das Handy seiner Ehefrau an sich genommen, die Frau hilflos liegen gelassen und das Zimmer versperrt, damit seine Kinder sie nicht finden.


Brüche und blutende Wunden

Die Frau erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Schädelfraktur und diverse weitere Frakturen sowie stark blutende Wunden im Kopf- und Gesichtsbereich. Durch den Tritt brachen Dornfortsätze an Hals- und Brustwirbeln.
Der kleine, eher unscheinbare Mann, ein Brillenträger in grauem Pullover, sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt in Kronach ein. Der Angeklagte erklärte, wie es zu der Gewalttat kommen konnte, bei der seine Frau schwer verletzt wurde. Im Jahr 2015 sei er aus Syrien nach Deutschland gekommen, seine Ehefrau und vier der gemeinsamen Kinder flüchteten in die Türkei. Laut Angaben des Syrers stand es mit der Ehe nicht zum Besten. Zwischenzeitlich soll sich die Frau in der Türkei anderweitig verheiratet haben. Dann wiederum hätten sich die Eheleute, die miteinander sechs Kinder haben, erneut in einer religiösen Zeremonie trauen lassen. Später soll es eine sogenannte muslimische Verbalscheidung, die allerdings ohne amtliche Dokumente ausgefertigt werde, gegeben haben.


Der Freund in Coburg

Der Ehemann erhob schwere Vorwürfe gegen seine Ehefrau und will sich auch telefonisch bei seinem Schwiegervater beklagt haben. Seine Frau habe in Coburg einen Freund gehabt, die Kinder und den Haushalt vernachlässigt, habe nicht mehr gekocht und sei mit den Kindern nie zum Arzt oder zu Elternsprechtagen gegangen. Stattdessen habe er sich um die drei Kinder im Alter von elf, neun und acht Jahren kümmern müssen, sagte er. "Ich musste kochen, den Haushalt machen, habe gewaschen, ich habe die Wäsche aufgehängt..."

Am Tattag habe der Angeklagte seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in ihrer Unterkunft besucht. Seit acht Uhr in der Früh hätten sie kontinuierlich gestritten, gab er an. Seine Frau hätte ihm mitgeteilt, dass sie mit ihrem Freund zusammenleben, ihn heiraten und die Kinder dem deutschen Staat überlassen wolle. Sie wolle "ihr Leben leben", hätte sie gesagt. Die Worte seiner Frau hätten ihn verletzt, gab er an. "Ich habe die Nerven verloren." Um 11.23 Uhr stellte er sich schließlich der Polizei.

Die Anwältin der Frau, die als Nebenklägerin auftrat, zeichnete ein anderes Bild: Sie machte deutlich, dass ihre Mandantin bei der Geburt ihres ersten Kindes erst 15 Jahre alt gewesen sei. Auch sei der Ehemann in der Vergangenheit bereits mehrfach übergriffig geworden. Auch in Coburg sei die Polizei zu einer häuslichen Gewalttat hinzugerufen worden, so dass die Eheleute schließlich in unterschiedlichen Asylbewerberheimen untergebracht wurden.


Die Kinder seien traumatisiert

Die Anwältin bezog sich auf eine Aussage des Jugendamtes, dass die Kinder, die mittlerweile bei Pflegeeltern leben, schwer traumatisiert seien, denn der Ehemann sei nicht nur gegen die Mutter, sondern auch gegen die Kinder übergriffig geworden. Der Angeklagte rechtfertigte sich: "Meine Frau hat die Kinder brutaler geschlagen als ich."

Der 53-Jährige gestand die Schläge auf seine Frau. Er habe seine Ehefrau auf die rechte Kopfseite geschlagen, als sie auf ihn zugekommen sei, gab er an. Nach Aussage der Frau allerdings soll ihr Mann sie rücklings von hinten angegriffen haben, während sie ein Telefongespräch geführt habe. Deshalb musste der Mann an den Richtertisch treten und genau erklären, wie er vorgegangen war.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Christoph Gillot, hakte genau nach: "Sie sind Rechtshänder?" Der Angeklagte erklärte: "Ich habe meine Frau nicht geschlagen, während sie mir ins Gesicht geschaut hat, sondern sie hat sich umgedreht." Auch als seine Ehefrau bereits blutend auf dem Boden gelegen habe, habe er mit dem Glaskrug weiter auf sie eingeschlagen. Seine Frau habe sich bewegt und Geräusche von sich gegeben, sagte er, "so dass ich Angst bekam, dass sie mich angreifen wird".
Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.
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