Neustadt bei Coburg
Festival

Manitou meinte es nicht gut mit Neustadter Indianern

Das erste Wochenende des Country-Festes auf dem Gelände der Mountain Lions in Neustadt fiel ein wenig feucht aus.
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Hand drauf: Apachen-Häuptling Horst Sonnleitner (Mitte) hat einen Handel mit den Trappern Klaus Friedel (links) und Friedrich Renk (rechts) abgeschlossen. Foto: Daniela Pondelicek
Hand drauf: Apachen-Häuptling Horst Sonnleitner (Mitte) hat einen Handel mit den Trappern Klaus Friedel (links) und Friedrich Renk (rechts) abgeschlossen. Foto: Daniela Pondelicek
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Eine Pferderanch, Tipis und Countrymusik: Was wie eine Kulisse aus einem Western-Hollywoodstreifen wirkt, liegt mitten in Neustadt. Auch in diesem Jahr öffnet die Wildwest-Stadt der Neustadter "Mountain Lions" beim Countryfestival ihre Pforten. Countrybegeisterte aus ganz Deutschland strömen nach Neustadt - und lassen sich ihre Feierstimmung auch vom Regen nicht vermiesen.
Für das Wildwest-Feeling sorgt nicht zuletzt auch das "Reenactment". Verkleidet als Persönlichkeiten aus verschiedenen Abschnitten amerikanischer Geschichte, mischen sich die Reenactment-Darsteller unter die Besucher und transportieren sie so in eine andere Zeit.
Einer von ihnen ist Friedrich Renk, Mitglied der "Mountain Lions". "Ich bin damals dem den Verein beigetreten, weil ich das schon immer machen wollte", erzählt er. Davor habe es schon sehr früh erste Ansätze gegeben, sich selbst zu kostümieren: "Ich habe versucht, mir aus Truthahnfedern selbst einen Kopfschmuck zu basteln." Seine Lieblingsfigur sei heute der Mountain Man, auch Trapper genannt. "Er ist meist allein unterwegs gewesen und hat mit den Indianern gehandelt", erklärt er. Die Kostüme gebe es nirgendwo zu kaufen. "Deshalb mache ich sie selbst", sagt er. Dafür investiere er viel Zeit. "Es dauert ungefähr drei Jahre von der ersten Idee bis zum fertigen Kostüm", erklärt er.
Auch Dieter Schunk hat sich für das Country-Festival in Schale geworfen: Er verkörpert einen Captain der Nordstaaten-Truppen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. "Beim Reenactment geht ein Kinder- und Jugendtraum für mich in Erfüllung", erzählt er. Er habe sich schon immer für die amerikanische Geschichte interessiert und so habe sich auch eine Leidenschaft dafür entwickelt, in die Rolle von historischen Persönlichkeiten zu schlüpfen. "Dazu gehören auch Schießübungen, zum Teil auch mit Langwaffen, die den Waffen aus der damaligen Zeit nachempfunden sind", erklärt er.


Kein billiges Hobby

Bei seiner Art von Kostümierung könne man zwar die einzelnen Teile kaufen. "Aber ich muss sie dann noch selbst zusammenstellen, so dass sie zu der Figur passen, die ich verkörpern möchte", erklärt er. Die Anschaffung einer solchen Uniform sei nicht billig. "Eine komplette Uniform, angefangen bei der Kopfbedeckung bis hin zu den Waffen, kostet in etwa zwischen 2500 und 3000 Euro", schätzt er. Deshalb sei es ihm vorher ganz wichtig, sich sehr genau zu überlegen, welche Figur er verkörpern möchte. "Dann kaufe ich nach und nach die nötigen Einzelteile, auf die ich gespart habe", erklärt er. So habe er es geschafft, mehrere Uniformen zusammenzustellen. Schließlich wurde er über die Jahre, die er bei den Mountain-Lions Mitglied ist, immer wieder befördert. Seine erste Uniform, die er bis zum Rang eines Corporals trug, würde ihm heute nicht mehr passen. Aufgehoben hat er sie aber natürlich trotzdem. Am längsten trug er die Uniform des Sergeant Major - ungefähr 16 Jahre.
Auch die Kinder kommen beim Countryfestival auf ihre Kosten: Auf der Ranch können sie auf Ponys und Pferden reiten, die mit ihren geflochtenen und mit Blumen verzierten Mähnen auch ein optisches Highlight bilden. Das hat Celine, zehn Jahre alt, am Samstagnachmittag ausprobiert. "Ich mag Pferde sehr gerne", erzählt sie. Deshalb voltigiert sie auch in ihrer Freizeit. "Es macht mir Spaß, auf dem Rücken der Pferde zu sitzen, das gibt mir immer ein tolles Gefühl", erzählt sie. Das habe sie auch beim Reiten auf dem Countryfestival gespürt: "Es hat sich richtig schön angefühlt."


Hoffen auf Sonne für Teil zwei

Die Erwachsenen genießen unterdessen das Flair einer kleinen Westernstadt auf dem Vereinsgelände mit den stilecht hergerichteten Blockhütten, Kostümen, Musik und Linedance. Und was den Regen angeht, der am ersten Festival-Wochenende ein wenig dazwischen gefunkt hat - einen echten Westmann schreckt so etwas ebenso wenig wie einen echten Indianer. Außerdem bleibt ja die Hoffnung, dass der große Manitou für die zweite Runde des Festes, die am kommenden Freitag beginnt, die Sonne etwas häufiger auf die Neustadter Prärie scheinen lässt.
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