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Handwerk stemmt sich gegen Massenware

Die deutsche Textilbranche inklusive ihrer Zulieferer ist nahezu zusammengebrochen. In diesem schwierigen Marktumfeld behauptet sich die Firma Knauer Strickmoden mit handwerklicher Qualität "made in CO".
 
Die deutsche Textilindustrie verlor in den letzten Jahrzehnten mehrere 100 000 Arbeitsplätze. Heute spielt diese Branche in der Bundesrepublik kaum noch eine Rolle, so werden laut Statistischem Bundesamt noch rund fünf Prozent der Textilien hier hergestellt. Die Sachen kommen mittlerweile überwiegend aus China, Indien, Südkorea und Taiwan. Knauer Strickmoden ist eine Firma, die in diesem schwierigen Umfeld besteht. 1953 gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute zehn Frauen, die in dem kleinen Betrieb stricken, dämpfen, zuschneiden, nähen und verkaufen. Die Näherinnen arbeiten halbtags, die automatischen Strickmaschinen laufen rund um die Uhr. „Ab 50 aufwärts“, beschreibt Simone Recknagel die Zielgruppe der Röcke, Pullover, Westen und Jacken aus eigener Produktion. Insgesamt 5000 Teile sind im Sortiment. Die Kunden, die aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, schätzen die eigene Herstellung, das deutsche Markengarn und die Möglichkeit individueller Spezialanfertigungen. So etwas gibt es bei chinesischen Herstellern nicht. Vielen Einheimischen scheint das Angebot bislang entgangen zu sein, denn die meisten Kunden sind Touristen und Kurgäste. „Etliche kommen ganz bewusst zu uns, um ,made in Germany’ zu kaufen“, berichtet Geschäftsführerin Recknagel, die zusammen mit ihrem Bruder Thomas Knauer das Unternehmen führt. Um auf ihr Sortiment aufmerksam zu machen, setzt sie nicht nur auf Anzeigen, sondern verteilt Prospekte und Flyer in Pensionen, Kurhäusern und Hotels. In der Nähe von Flensburg gibt es einen weiteren Laden mit Strickmode von Knauer, den vor allem dänische Kunden aufsuchen. „Für die Dänen ist unser Angebot billig“, erläutert Simone Recknagel. Eine weitere Filiale befindet sich in Bad Staffelstein, also in unmittelbarer Nähe potenzieller Kunden. Doch die goldenen Zeiten für die Herstellung sind vorbei. Der Einkauf von Rohmaterialien aus Deutschland wird immer schwieriger, weil viele Zulieferer aufgegeben haben. Also wurde das Sortiment um verschiedene Markenfirmen und Accessoires erweitert, zum Beispiel individuell gestaltete Strickkissen. Früher bildete das Weidhäuser Unternehmen junge Menschen zu Strickern aus. „Aber heute gibt es diesen Ausbildungsberuf nicht mehr“, berichtet Thomas Knauer, der den Beruf noch von der Pike auf gelernt hat. Am Computer entwirft er die neuen Muster und erstellt das Programm für die CNC-Strickmaschine. In einem ersten Testlauf prüft Knauer das Muster, bevor die neuen Stücke in Serie gehen. Alles Weitere erledigt die Maschine – bis das Garn reißt oder sich verheddert. Dann ist wieder der Fachmann gefragt. Rund fünf Tonnen Garn werden pro Jahr verarbeitet. Simone Recknagel entwirft die Kollektionen. Inspirationen holt sie sich beispielsweise auf Modemessen in München, Leipzig und Düsseldorf. Fürs kommende Jahr rechnet die Expertin mit den Farben Gelb und Taupe (Maulwurfbraun). Allerdings: „Eine einzige Modefarbe gibt es heute nicht mehr, bei unserer Eigenproduktion richten wir uns eher nach Kundenwünschen als nach Modefarben.“ Auf die Frage nach der Konkurrenzsituation in der Branche schüttelt Knauer den Kopf. „Was wir produzieren, stellt sonst keiner her. Nicht mehr.“ Und wie sieht die Zukunft aus? „Wir können nicht so billig produzieren wie die Chinesen, dafür können wir aber spezielle Wünsche erfüllen – das, was die Kunden in China nicht bekommen“, sagt Simone Recknagel. „Ich denke, in unserer Nische können wir bestehen.“ Das Geschäft sei rückläufig, bedauert die Geschäftsführerin. „Der Umsatz pro Kunde geht zurück, der letzte Sommer war schwierig.“ Handwerkliche Arbeit ist teuer geworden am Standort Deutschland. Für viele Käufer zu teuer, auch wenn die Qualität stimmt.

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