Globalisierung hautnah

Hamül liefert Hochgeschwindigkeits-Drehfräsen an weltweite Kunden in boomenden Branchen. Fast drei Viertel der Produktion gehen in den Export.
 
Eine schmale, unscheinbare Gasse führt von der Hauptstraße in Meeder in die Industriestraße. Wer die enge Zufahrt passiert, mag kaum glauben, dass sie zu einem international tätigen Unternehmen führt. Auf den Weltmärkten erfolgreich, aber am Stammsitz haben die Schwertransporter große Probleme, ihre Fracht zu manövrieren: So lässt sich – etwas vereinfacht – die Situation von Hamül beschreiben. „Das Thema Zufahrtsstraße muss angegangen werden“, sagt Vertriebsleiter Andreas Paatz. Hamül entwickelt und baut CNC-Hochgeschwindigkeits-Drehfräsen, zum Beispiel für die Bearbeitung von Turbinenschaufeln für Flugzeugantriebe und Kraftwerke. Weltweit boomen sowohl die Luftfahrt als auch der Kraftwerksbau, entsprechend gut gefüllt sind die Auftragsbücher von Hamül. Ein zweites Standbein sind Hochgeschwindigkeits-Fräsmaschinen. Weltweit sind heute rund 2000 CNC-Maschinen aus dem Unternehmensverbund im Einsatz. Zahlreiche Eigenentwicklungen und Patente dokumentieren die Innovationskraft. Ein weiterer Vorteil der Maschinen gegenüber denen der Konkurrenz ist die Langlebigkeit der Schwergewichte, die bis zu 25 Tonnen wiegen. Der Wettbewerb in diesem Segment ist mit zwei schweizer und einer italienischen Firma überschaubar. Auf der Kundenliste stehen im Kraftwerksbereich Konzerne wie ABB, Alstom, General Electric und Siemens. Im Luftfahrtsegment beliefert Hamül unter anderem Pratt & Whitney und Rolls-Royce. 40 Prozent der Lieferungen gehen nach Europa, weitere 40 nach Asien, der Rest nach Nordamerika. Die Exportquote beträgt 70 Prozent. Als „weißen Fleck“ auf der Europakarte macht Vertriebsleiter Paatz Russland aus. Noch. Auch in den USA und Kanada wolle das Unternehmen noch aktiver werden. Auf dem gesamten Weltmarkt seien pro Jahr rund 150 Maschinen absetzbar, Hamül verkauft jährlich 30. „Wir sind also noch ausbaufähig.“ Doch dieses Potenzial bedeutet nicht, in kurzer Zeit um jeden Preis wachsen zu wollen. Stattdessen steht zunächst Konsolidierung auf dem aktuellen Status auf der Agenda. Mit 130 Mitarbeitern in Meeder erwirtschaftete Hamül im vergangenen Jahr rund 25 Millionen Euro Umsatz. Die Ausbildungsquote beträgt zehn Prozent. Der Fachkräftemangel ist auch hier angekommen. „Es ist rasend schwer, gute Leute zu bekommen.“ Dabei biete das Unternehmen seinem Personal interessante Entwicklungsperspektiven, zum Beispiel durch Auslandseinsätze, flache Hierarchien und vielfältige Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen. Besonders gesucht sind Fachleute für die Bereiche Technologie und CNC-Programmierung. In den zurückliegenden Jahren investierte Hamül rund sechs Millionen Euro am heimischen Standort, und zwar in Gebäude, Lackiererei, Messtechnik und Maschinen. Weitere Investitionen sind geplant, beispielsweise in eine weitere Halle, um die Fertigungs- und Montageflächen zu erweitern. Durch seine überwiegend grenzüberschreitenden Geschäfte erlebt das mittelständische Unternehmen aus Meeder die Globalisierung hautnah, manchmal auch brutal. So war geplant, Maschinen an eine chinesische Firma zu liefern, deren Standort sich in der südwestlichen Provinz Sichuan befindet – oder besser: befand. Denn nach dem verheerenden Erdbeben Mitte Mai sind von den Firmengebäuden nur Ruinen übrig geblieben.
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