Coburg
Vor der Premiere

Landestheater Coburg tanzt ostwärts

Ballettchef Mark McClain nimmt einen geheimnisvollen Roman von Haruki Murakami als Grundlage für sein neues Werk: "After Dark"
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Was ist hinter der Nacht? Das neue Tanzstück am Landestheater Coburg basiert auf dem Roman "After Dark" von Haruki Murakami. Carolin Herrmann
Was ist hinter der Nacht? Das neue Tanzstück am Landestheater Coburg basiert auf dem Roman "After Dark" von Haruki Murakami. Carolin Herrmann
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Blicken wir literarisch nach Japan. Zufall, dass der Coburger Ballettchef Mark McClain in seiner doch mittlerweile schon längeren Choreografen-Laufbahn gerade dann einen japanischen Autor für ein neues Tanzwerk heranzog, als ein Japaner, Kazuo Ishiguro, den Nobelpreis für Literatur erhält und damit das Interesse auf eine Kultur lenkt, die auf uns - sagen wir mal merkwürdig und irritierend wirkt, nicht einfach nur fremd. Mark McClain hat Haruki Murakamis Roman "After Dark", erschienen 2005, als inhaltliche Grundlage seines neuen Balletts genommen, das nächste Woche, am Samstag, 28. Oktober, am Landestheater zur Uraufführung kommt.
Auch Murakami werde immer wieder für den Nobelpreis gehandelt, sagt Landestheater- Dramaturgin Susanne von Tobien. Das Besondere an ihm ist, dass er es mit seiner von Jugend an gepflegten Affinität zur westlichen Kultur schafft, uns tiefer in das für uns nach wie vor Geheimnisvolle der japanischen Kultur blicken zu lassen. Dafür wirft er aber anderweitig mit Geheimnissen um sich und ist nicht einmal bemüht, sie zu lösen.
Was seinen weltweiten Erfolg nicht schmälert; Haruki Murakami, geboren 1949 in Kyoto, zählt zu den populärsten und einflussreichsten japanischen Autoren seiner Generation, ist in über 40 Sprachen übersetzt und taucht immer wieder als Ideengeber für Filme und Bühnenstücke auf. Tatsächlich gilt er vielen als furchtbar gut, anderen als furchtbar schlecht; er ist sein eigenes Phänomen, weil er Surrealistisches, ja Metaphorisches mit detailgenauer Beschreibung der Realität und dann auch noch mit Elementen der westlichen Popkultur verbindet.
Murakamis Roman "After Dark" beurteilte die Zeitschrift Literaturkritik.de (Autor Stefan Mesch) unter der Überschrift "Die Nacht der leblosen Tröten" als schlecht wie nie. " Keine Frage: in allen Geschichten von Haruki Murakami gerät die Realität aus den Fugen. Harmlose Jedermänner werden mit Dingen konfrontiert, die sich unter, hinter, neben ihrem Alltag versteckt hielten, um unvermittelt auszubrechen. Der japanische Pop-Autor entwirft Buch für Buch eine völlig verdrehte, und dennoch fast penibel nüchterne Welt. Jedes Mal irren Normalos durch Großstadtlabyrinthe, bevölkert von sprechenden Katzen und verstörten Lolitas. (...) Innenwelt und Außenwelt, Banalitäten und Philosophie, bei Murakami sind alle Gegensatzpaare dicke Freunde, und gemeinsam fahren sie zu Kentucky Fried Chicken, zutzeln an ihrer Coke und klönen über alte Jazzplatten. Clever gemacht - und trotzdem liest er sich stets etwas seicht, unser Freund aus Fernost. Weil mehr Fragen gestellt als beantwortet werden. Weil die Romane bis zur letzten Seite wie ein gigantisches Setup für eine Eskalation wirken, die nicht eintritt. Weil viel gesagt, aber kaum etwas offen ausgesprochen wird. Niemand ist auf eine so perfide Art und Weise suggestiv wie Haruki Murakami, niemand hat einen solchen Mut zur Offenheit. Oder, böse gesagt: so wenig Lust, hinter sich aufzuräumen." - So weit literatur.de.

Was will uns Mark McClain damit sagen?

Was will uns nun Mark Mc Clain mit sowas? Ihn fasziniert eben das betont Rhythmische an Murakamis Sprache, auch an seinen Handlungen und Geschehnissen. Murakami habe gesagt, nicht aus dem Rhythmus zu kommen, sei ihm das Allerwichtigste im Leben. - Wenn das kein Spruch für Tänzer ist. So elementar und banal, wie es Murakamis literarischem Wirken immer wieder vorgeworfen wird.

"After Dark" folgt einer Reihe von mehr oder weniger miteinander verbundener Gestalten durch die Nacht eines blinkenden Vergnügungsviertels in östlichen Großstadt. Mari kann nicht Zuhause schlafen, begegnet dem Posaunisten Takahashi, die beiden nähern sich - dann doch nicht. Mari will einer misshandelten chinesischen Prostituierten helfen. Die Zuhälter suchen den miesen Freier, alle laufen aneinander vorbei.
Derweil liegt Maris Schwester Iri zuhause im Bett und weigert sich, wieder am Leben teilzunehmen. Der flimmernde Bildschirm an der Wand greift in die Realität ihres Zimmers, alles vermischt sich. Aufgelöst wird, wie gesagt, am Ende nichts.
Nun hat Murakami dem rhythmischen Treiben seines Romans auch noch kapitelweise Hinweise auf Jazzstücke beigegeben. Na, und dem folgt Mark McClain in Coburg nun gerne. Wo Murakami aufhört lässt McClain dann auch noch Ryuichi Sakamoto, den ebenso japanischen Komponisten, Pianisten und Produzenten verschiedenster Genres, weitermachen, Jazz, Klassik, Pop, Filmmusik, Musik von großer Emotionalität wie von Tobien und McClain versprechen.
Das kann ja was werden.


Die Produktion Landestheater Coburg - "After Dark" , Ballett von Mark McClain nach dem Roman von Haruki Murakami.
Choreografie Mark McClain
Bühnenbild Frank Olle
Kostüme Thomas Kaiser
Es tanzen: Chih-Lin Chan ( Mari)
Mireia Martinez Pineda (Eri)
Lauren Limmer (Kaoru)
Natalie Holzinger (Komugi)
Lucia Sara Colom Garcia (Korogi)
Takashi Yamamoto (Takahashi)
Sylvain Guillot (Gesichtsloser )
Jaume Costa i Guerrero (Gangster)
Joshua Limmer (Bürohengst)

Premiere Samstag, 28. Oktober, 19.30 Uhr im Großen Haus
Weitere Termine, 1. November, 18 Uhr; 5. November, 15 Uhr; 10., 16., 19. November, 19.30 Uhr
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