Coburg
Wohltätigkeit

HSC-"Kicker" sind gut "in Schuss"

Im zur Tradition gewordenen Benefizspiel schlägt die Zweitliga-Mannschaft des HSC Coburg den Fußball-A-Klassisten TSV Bertelsdorf mit 6:1.
Artikel einbetten
Sebastian Weber (rechts) übernahm beim Fußball-Benefizspiel die Trainerrolle. Da hatten selbst Chefanweiser jan Gorr (Mitte) und Kreisläufer Sebastian Kelm (links) gut lachen. Fotos: Timo Geldner
Sebastian Weber (rechts) übernahm beim Fußball-Benefizspiel die Trainerrolle. Da hatten selbst Chefanweiser jan Gorr (Mitte) und Kreisläufer Sebastian Kelm (links) gut lachen. Fotos: Timo Geldner
+20 Bilder
Zum 4. Mal tauschte das HSC-Team den Handball gegen den etwas größeren Fußball und gab sich gegen den TSV Bertelsdorf, der zu einem großen Teil aus Flüchtlingen besteht und nächstes Jahr in der A-Klasse antritt, die Ehre. Das aufgrund des regnerischen Wetters 15 Minuten später angepfiffene Benefizspiel entschieden die Profi-Handballer vor rund 50 Zuschauern klar mit 6:1 für sich.
Die Erlöse des Events in Höhe von rund 300 Euro kommen zu gleichen Teilen dem Verein Hilfe für das behinderte Kind und der von Sabine Berger betreuten Flüchtling-Fußballmannschaft vom TV 48 Coburg zu Gute.
Vor vier Jahren spielte der HSC erstmals für den guten Zweck gegen eine Fußballmannschaft, der Anlass damals war das Abschiedsspiel des langjährigen Kapitäns Florian Lendner. Martin Mnich, damals Trainer des Gegners TSG Niederfüllbach, freut sich, dass aus diesem Gaudi-Spiel eine jährliche Tradition mit Benefiz-Charakter geworden ist: "Ich stehe in engem persönlichen Kontakt mit Jan Gorr, wir freuen uns beide jedes Jahr aufs Neue auf dieses Spiel."



Sportliche Oase für Migranten

Mnich, der seit 2015 den Fußball-Betrieb in Bertelsdorf reaktiviert hat, ist besonders auf die Integration der vielen Flüchtlinge, die circa 75 Prozent seiner Mannschaft ausmachen, stolz: "Wir haben hier eine sportliche Oase für Migranten geschaffen! Neben absolvierten Deutschkursen hätten viele seiner Spieler mittlerweile eine Arbeitsstelle gefunden und auch die Kommunikation auf und neben dem Platz funktioniere immer besser.Obwohl dem TSV letzte Saison unangefochten der Aufstieg in die A-Klasse gelang, bekamen sie am Mittwoch von den Handballern des HSC sportlich die Grenzen aufgezeigt. In einem offenen Schlagabtausch zeigte sich der Bundesliga-Absteiger besonders bei Kontern über den schnellen Lukas Wucherpfennig brandgefährlich, auch wenn das erste Tor nach einer Ecke fiel.


Wucherpfennig brandgefählich

Ebenfalls von Wucherpfennig getreten rauschte ein Eckball in den Bertelsdorfer Sechzehner und fand HSC-Neuzugang Tobias Varvne, der das runde Leder sehenswert direkt per Volley ins lange Eck zur 1:0-Führung beförderte.
Wenig später brach Wucherpfennig wie so oft über die rechte Seite durch und flankte auf Sturmtank Markus Hagelin, der in abseitsverdächtiger Position einnetzte. Auch das dritte Tor legte der agile Wucherpfennig vor, nach einer strammen Flanke konnte der Bertelsdorfer Torhüter Florian Lippold den Ball nur nach vorne abwehren, wo Nachwuchstalent Felix Sproß lauerte und gekonnt unter die Latte traf.
Dem TSV Bertelsdorf gelang vor dem Pausentee bei frischen Temperaturen nur noch der Anschlusstreffer, nach einem Steilpass von Abdulnasser Najar tauchte plötzlich Sami Akeel frei vor HSC-Torhüter Philipp Barsties auf und schob die Kugel zum 1:3-Anschlusstreffer ins Netz.
Nach dem Seitenwechsel schraubte der eigentliche HSC-Torwart Oliver Krechel nach einem langen Einwurf das Ergebnis weiter in die Höhe, bevor Girts Lilienfelds seine Qualitäten aus dem "Rückraum" eindrucksvoll unter Beweis stellte. Erst überraschte der Lette den inzwischen eingewechselten TSV-Keeper Kalel Sheeko mit einem Distanzschuss, dann stellte er nach einer Körpertäuschung und einem platzierten Schuss von der Strafraumkante den 6:1-Endstand her. Beide mal traf er wuchtig mit links.


Jan Gorr sehr zufrieden

HSC-Trainer Jan Gorr war mit der etwas ungewöhnlichen Trainingseinheit zufrieden: "Es gibt zwei positive Aspekte dieses Fußballspiels: erstens steht der gute Zweck im Vordergrund und zweitens lernen meine Spieler auch auf größeren Distanzen das Laufen." Für den Auftritt auf dem Bertelsdorfer Fußballplatz ließ er sich etwas Besonderes einfallen und beauftragte seine Spieler Philipp Barsties und Sebastian Weber mit der Aufstellung. "Das fördert zusätzlich die Zusammenarbeit der Spieler untereinander."
Betrachtet man das Endergebnis scheinen Barsties und Weber jedenfalls alles richtig gemacht zu haben.


"Wasserschlacht" erinnert an die Weltmeisterschaft 1974

Auch den Fans gefiel am Mittwochabend das unterhaltsame Benefizspiel zwischen den Handballern und Fußballern in Bertelsdorf.
Jochen Dürr etwa, der Martin Mnich noch aus dessen Trainerzeit in Niederfüllbach kennt, weiß den Einsatz der beiden Mannschaften für den Verein Hilfe für das behindere Kind und die Flüchtlings-Fußballmannschaft zu schätzen:
"Mein Sohn trainiert und spielt selbst Fußball bei der Mannschaft des Familienentlastenden Dienstes (gehört zum Verein Hilfe für das behinderte Kind/Anm. d. Red.). Das ist eine tolle Veranstaltung und die Spenden helfen weiter." Der Fußballfan aus Niederfüllbach, der auch eine HSC-Dauerkarte besitzt, weiß das Spielgeschehen richtig zu bewerten. "Das technische Niveau hat sich leider den Platzverhältnissen angepasst, aber gerade bei den Handballern überzeugt mich Laufbereitschaft und Spielfreude", so Dürr.
Aufgrund des regnerischen Wetters und den zahlreichen Wasserpfützen auf dem Feld fühlt er sich auch an die Partie Deutschland gegen Polen bei der Weltmeisterschaft 1974 erinnert: "Das Spiel des HSC gegen Bertelsdorf ist eine Wasserschlacht für den guten Zweck".


Die Aufstellungen

HSC 2000 Coburg: Philipp Barsties - Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig, Felix, Sproß, Sebastian Weber, Stefen Lex, Benedikt Kellner, Till Riehn, Oliver Krechel, Girts Lilienfelds, Tobias Varvne, Jakob Knauer, Fabian Apfel, Patryk Foluszny.

TSV Bertelsdorf: Florian Lippold, Kalel Sheeko - Christian Schäftlein, Tim Krämer, Lars Kesch, Amin Mohmad, Abdulnasser Najar, Adnan Sussi, Sami Akeel, Muhammad Juha, Ahmad Aldoush, Ahmad Haidary, Vito Weber, Max Michl.
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren