Bad Rodach
Naturschutz

Grasen für das Grüne Band bei Bad Rodach

Am Gauerstadter Berg werden acht Hektar Land eingezäunt. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes sollen dort künftig Rinder und Pferde weiden.
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Eines der Rinder, die auf den Flächen bei Schweighof weiden, sucht nach dem Trinken schon wieder nach einem schattigen Platz unter den Büschen. Fotos: Rainer Lutz
Eines der Rinder, die auf den Flächen bei Schweighof weiden, sucht nach dem Trinken schon wieder nach einem schattigen Platz unter den Büschen. Fotos: Rainer Lutz
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Die Galloway Rinder verlassen kaum den Schatten der Bäume, unter denen sie an diesen heißen Tagen gerne stehen. Sie sind auf den Flächen nahe Gut Schweighof im Dienste des Naturschutzes tätig, grasen gewissermaßen im behördlichen Auftrag. Die weitläufige Weide, auf der sie stehen, gehört der Autobahndirektion Nordbayern. Sie wurde als Ausgleichsfläche für den Bau der Autobahn 73 durch das Coburger Land naturschutzfachlich gestaltet. Bäume und Büsche wurden zu einem großen Teil entfernt. Die Tiere sollen verhindern, dass alles wieder verbuscht.


Weitere Weide

Janine Schindhelm vom Projektteam für das Naturschutzgroßprojekt "Das Grüne Band" steht mit dem Biologen Frank Reißenweber vom Landratsamt Coburg nicht weit von diesen Weiden entfernt auf dem Gauerstadter Berg. Eine Fachfirma ist hier gerade dabei, weitere acht Hektar einzuzäunen. Die beiden machen sich ein Bild vom Fortgang der Arbeiten. Den rund zwei Kilometer langen Zaun finanziert der Zweckverband "Das Grüne Band".

Auch diese Fläche am Hang gehört der Autobahndirektion, die sie für das Naturschutzprojekt zur Verfügung stellt. Gut für Steffen Schubert, denn er findet hier weiteres Weideland für seine Galloway Rinder. 47 Tiere umfasst seine Herde. Die neue Weide kann er gut gebrauchen, denn er darf nicht beliebig viele Tiere auf die Flächen bringen. "0,7 Großvieheinheiten je Hektar darf ich einsetzen", sagt er. Bei Rindern zählt ein ausgewachsenes Tier mit zwei Jahren als ganze Großvieheinheit. Die drei Konik-Pferde, die mit weiden, zählen natürlich extra.

Die Tiere sind ein Teil des Bestandes der Streng und Schubert GdbR. Der zertifizierte Biobetrieb, den Schubert zusammen mit seinem Partner Florian Streng führt, hat auch im Rödentaler Raum Tiere auf Weideland stehen, dort aber auch Pinzgauer Rinder. Eine aus Österreich stammende Rasse, die ähnlich robust ist wie die Galloways und genauso ganzjährig draußen gehalten werden kann. Das Fleisch der Tiere wird in Direktvermarktung an die Kunden verkauft. "Wir schlachten aber nur ab Herbst, wenn es kühler ist", sagt Steffen Schubert. Wer etwas davon haben will, kommt auf eine Warteliste, denn: "Wir könnten viel mehr verkaufen, als wir haben."


Hilfe für Insekten

Frank Reißenweber ist froh, dass sich ein Partner wie Steffen Schubert für die Bewirtschaftung der Flächen gefunden hat. "Die Beweidung ist eine wichtige Säule im Großprojekt Das Grüne Band", betont er.

Nicht nur für das Projekt allein, wie er erklärt. "Wir beobachten ein extremes Insektensterben", sagt er. Je nach Untersuchungsregion stellen Wissenschaftler fest, dass zwischen 50 und 80 Prozent an Individuen innerhalb weniger Jahre verschwunden sind. "Das ist eine enorme Menge an Biomasse, die in der Nahrungskette fehlt", sagt Reißenweber.

Janine Schindhelm pflichtet ihm bei. "Es ist die Nahrung für viele Vögel und Fledermäuse, die da jetzt fehlt", erklärt sie die Wirkung dieses Schwundes, der von vielen kaum wahrgenommen wird.

Wo Weidetiere sind, können auch wieder viele Insekten leben. Auf den Weiden gedeiht eine viel größere Vielfalt an Pflanzen als auf Wiesen, die heute meist schon sehr früh im Jahr gemäht werden, ehe Blütenpflanzen eine Chance auf Reproduktion gehabt hätten. Verlieren wir die Vielfalt an Pflanzen, folgt der Verlust bei den Insekten, anschließend der Vögel und anderer Tiere, die sich von den Insekten ernähren. Eine düstere Perspektive - der entgegenzuwirken selbst das Naturschutzgroßprojekt mit einer Planungsfläche von rund 8000 Hektar allein nicht ausreicht.
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