Beiersdorf bei Coburg
Konzert

Franz Benton: Auf eine letzte Zugabe zurück nach Coburg

Franz Benton löst im kommenden Jahr ein fünf Jahre altes Versprechen ein: Er feiert mit seinen Coburger Fans am 8. Dezember 2018 seinen 65. Geburtstag.
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Franz Benton Foto: CT-Archiv / Jochen BergerFra
Franz Benton Foto: CT-Archiv / Jochen BergerFra
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"Tying loose ends together" sagt der Engländer, wenn er lose Enden verknotet - sprich, Unerledigtes endlich zu einem Ende bringt. "Das trifft's eigentlich ganz gut", findet Franz Benton. Entgegen seiner Ankündigung, das Konzert 2012 - im Winter nach seinem 60. Geburtstag - sollte sein letztes im "Schwarzen Bären" sein, hat er sich nun entschlossen, am 8. Dezember 2018 doch noch ein allerletztes Mal in sein "Wohnzimmer" zurückzukommen. Ein "Comeback" soll das allerdings nicht sein, wie er im Gespräch mit dem Tageblatt betont, eher eine "Zugabe".
Mit dem Auftritt will der 65-Jährige gleich drei lose Enden verknoten, um bei dem Bild zu bleiben. Erstens: Beim letzten Coburg-Konzert fehlte sein langjähriger Partner Kiko Pedrozo. Zweitens: Er will sein Versprechen einlösen, den 65. Geburtstag (wenn auch etwas verspätet) in Coburg zu feiern. Und drittens: Es gibt ein Lied, das er unbedingt noch live spielen will.
Bisher hatte Franz Benton für jedes Album immer ein Lied geschrieben, in dem es um seine Tochter und ihren Lebensweg ging. "Jetzt hat sie selbst ein Kind bekommen, damit schließt sich der Kreis." Das Lied auf dem neuen Album "1974", das ihr gewidmet ist, heißt "Cucumbers & Strawberries" - "Gurken und Erdbeeren, was man halt gerne isst, wenn man schwanger ist", erklärt er lachend.
Dass er noch einmal nach Coburg zurückkehren werde, habe er nicht wirklich geglaubt. "Ich habe mir immer meinen 60. Geburtstag als Grenze gesetzt - ein Alter, in dem man nicht mehr auf der Bühne rumtoben sollte." Das war 2012. "Wenn du gezwungen bist, aufzuhören, , weil der Körper nicht mehr mag oder die Stimme oder weil einfach keiner mehr zu deinen Konzerten kommt, dann ist das ein Scheiß-Gefühl!" Deshalb galt für ihn: Aufhören, wenn's am Schönsten ist - und genauso war das 2012. "Die letzte Tournee war grandios, alle Konzerte ausverkauft, die Stimmung sensationell - in Coburg natürlich doppelt. Schöner kann's nicht mehr werden."
Allerdings macht so ein perfekter Abend einen Künstler offenbar auch unvorsichtig: "Du schwebst auf einer Euphoriewelle. Da hab ich mich hinreißen lassen, zu den Coburgern zu sagen, den 65. feiere ich mit Euch." Ein, zwei Jahre verdrängte er sein Versprechen erfolgreich, dann holte es ihn ein. Immer häufiger kamen E-Mails, die ihn daran erinnerten. Als sich aber im Herbst 2016 noch immer kein Geburtstagskonzert in Coburg abzeichnete, sei es richtig bösartig geworden. "Das ging bis hin zu Beleidungen."
Den Vorwurf, er habe seine Coburger Fans vergessen, wollte er nicht auf sich sitzen lassen. "Ich wusste, ich muss nach Coburg, ich muss das einlösen - egal wie. So kann man unsere Geschichte doch nicht beenden!" Eine paar kleine Hürden gab es da aber noch: "Ich habe mein gesamtes Equipment verkauft, denn nach 2012 gab es keine Konzerte mehr." Keine Anlage mehr, keine Band mehr. Überraschend ist, dass er auch seine Songs wieder ganz neu üben muss. Franz Benton lacht herzhaft. "Ich spiele doch zu Hause nicht meine eigenen Songs! Das macht doch keiner!"


Da schmerzen die Finger

Auch wenn der Liedermacher für sich selbst nicht mehr komponiert, so produziert er doch weiterhin ständig Musik - für talentierte lokale Künstler. "Ich selbst fasse die Gitarre manchmal wochenlang nicht an. Dann tun auch mir die Finger weh, wenn ich wieder anfange."
Was für ihn erschwerend hinzukommt: Er kann keine Noten lesen. "Ich muss mir die Songs auf der CD anhören und überlegen, wie ich sie spiele." Auf der Homepage gibt es aber auch ein Songbook, wo eine Auswahl von Liedern mit Akkorden und Pfeilen erklärt sind.
All das soll ihn aber nicht davon abhalten, noch einmal nach Coburg zu kommen. Zumal es immer noch an ihm nagt, dass er 2012 ohne Kiko Pedrozo auskommen musste - nach 17 gemeinsamen Jahren. Weil für Benton schon 2009 klar war, dass mit 60 Schluss sein sollte, der zwei Jahre jüngere Kiko Pedrozo aber weitermachen wollte, lief es darauf hinaus, dass sich der Harfenist anderweitig umsah. Die Folge: Termine kollidierten und die Coburger mussten 2012 auf Kiko verzichten.
Doch nun ist alles festgezurrt: Franz und Kiko gehört am 8. Dezember 2018 die Bühne im "Schwarzen Bären" - und sie bringen sogar noch Verstärkung mit: Anne Haigis. "Seit den 80er Jahren haben wir immer rumgesponnen, dass wir was zusammen machen wollten", sagt Franz Benton. Für sie hatte er "Carry on" geschrieben. "Das wollten wir zusammen singen, aber das haben unsere Plattenfirmen nicht zugelassen." Er musste es mit einer anderen Duettpartnerin singen und aus dem erhofften Welthit wurde nichts.
Doch der Traum, mit Anne Haigis zu singen, sei geblieben. "Und nun dachte ich, die Anne nimmste mit nach Coburg."
Neben Coburg wird es 2018 noch fünf weitere "Zugaben" geben, unter anderem in Tuttlingen im Schwarzwald und in Augsburg. Der Vorverkauf für Coburg startet am 1. Dezember. Karten gibt es ausschließlich über Franz Benton selbst - entweder über die Homepage www.benton.de oder per E-Mail an buero@benton.de.
Einen Aufruf will Franz Benton dann noch an alle Konzert-Besucher loswerden: "Bei ,Cucumbers & Strawberries‘, da brauche ich die gewohnte Coburg-Unterstützung. Da wird gepfiffen und das sollen die Fans vorher üben." Schließlich könne er nicht gleichzeitig singen und pfeifen. Kurz vor dem Konzert wolle er auf der Homepage auch eine Setlist mit den wichtigsten Songs veröffentlichen - "damit alle noch einmal die Texte üben können. Ist ja auch schon fünf Jahre her..." Wenn Benton seine Fans da mal nicht unterschätzt. Im Gegensatz zu ihm haben die echten Fans seine Songs nämlich garantiert noch lange nicht über.
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