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Stadtrat

Eilantrag: Auf Interimsspielstätte verzichten!

Sechs Millionen Euro stellte der Stadtrat für den Bau einer Interimsspielstätte fürs Landestheater bereit. Doch das wird nun in Frage gestellt.
Beispiel für eine  Interimsspielstätte: Theater Bern, 480 Plätze, Leichtbauweise mit Gerüstbaumaterial. Foto: CT-Archiv
 
von SIMONE BASTIAN
Thomas Bittorf hat namens der Fraktionen von CSU/JC, Pro Coburg, SBC und Stadtratsmitglied Hans-Heinrich Eidt (FDP) den Antrag eingebracht, auf den Bau einer Interimsspielstätte zu verzichten. Derzeit läuft eine Ausschreibung; am Donnerstag sollte der Stadtrat mehr Geld bewilligen. Beträge werden nicht genannt, Bittorf schreibt aber, dass "acht bis zehn Millionen" Euro realistisch seien.
Anstatt die alte Dreifachturnhalle am Anger, wie vorgesehen, teilweise abzureißen und mit einem temporären Bühnen- und Zuschauerbau zu ergänzen, solle lieber auf eine Interimsspielstätte ganz verzichtet werden, schreibt Bittorf. Das Landestheater solle die Interimszeit an wechselnden Spielorten überdauern. Bittorf nennt auch als Begründung, dass die Stadt jährlich sieben Millionen Euro zum laufenden Theaterbetrieb zuschießt; dieser Betrag dürfe nicht noch weiter steigen.
Hier der Antragstext im Wortlaut:
"Die Verwaltung wird beauftragt, zu prüfen,
1. inwieweit die finanziellen Verluste der Stadt in der Übergangszeit der Renovierung des Landestheaters Coburg dadurch reduziert werden können, indem keine Interimsspielstätte errichtet wird, sondern andere Konzepte unter Nutzung vorhandener Infrastruktur, alternativer Spielstätten und Lokalitäten entwickelt werden.
2. Gleichzeitig wird der Oberbürgermeister der Stadt Coburg beauftragt, mit dem Freistaat Bayern über einen höheren Anteil des Freistaats Bayern zur Deckung der laufenden Kosten während der Umbauphase des Landestheaters Coburg ergebnisorientiert zu verhandeln.
Begründung:
Ziel der Übergangszeit, indem das Landestheater geschlossen und von Grund auf renoviert wird, muss es sein, die entstehenden Verluste so gering wie möglich zu halten. Darüber hinaus bietet diese Zeit auch die Möglichkeit, das bisherige Konzept des Landestheaters zu überdenken und neue, zukunftsweisende Konzepte zu entwickeln, mittels derer auch jüngere Bevölkerungsschichten wieder ans Landestheater herangeführt und gebunden werden können. Im aktuellen Haushaltsjahr belief sich der Zuschuss der Stadt Coburg zur Deckung der laufenden Verluste des Landestheaters auf über 7 Mio €. Der Haushalt der Stadt Coburg muss trotz günstiger Wirtschaftslage und entsprechenden Steuereinnahmen nach wie vor konsolidiert werden. Es ist in der Bevölkerung nicht mehr zu vermitteln, dass im Stadtrat und dem Finanzsenat jede kleinste Position des Haushalts diskutiert und infrage gestellt wird, während das Landestheater als eine der größten Haushaltsposten hinsichtlich der Konsolidierung und Einsparungsmöglichkeiten von allem ausgenommen wird und quasi "tabu" ist. Jeder, der es wagt, hierüber auch nur nachzudenken, läuft Gefahr, als "Kulturbanause" gebrandmarkt zu werden.
Dass das Landestheater demgegenüber nach wie vor den höchsten Stellenwert im Bewußtsein und im Haushalt der Stadt Coburg innehat, belegt die Tatsache, dass nahezu 1/4 des Gesamtbetrags der Investitionen in den nächsten 4 Jahren ins Landestheater fliessen und dies einstimmig vom Stadtrat beschlossen wurde.
Während der Interimszeit der Sanierung des Landestheaters ist es höchstwahrscheinlich, dass sich von vornherein das Zuschaueraufkommen erheblich reduzieren wird. Dadurch wird sich der laufende Verlust tendenziell weiter erhöhen. Demgegenüber ist ebenso offensichtlich, dass mit Wiedereröffnung des Landestheaters in neuem Glanz Theaterbesucher neugierig wieder zurückkommen werden.
In der Vergangenheit wurde ernsthaft nie darüber diskutiert, statt der Errichtung einer kostenintensiven, fixen Interimsspielstätte auf bestehende und vorhandene Alternativspielstätten und Lokalitäten auszuweichen. Gleichzeitig könnten während dieser 4-jährigen Phase in kreativer Weise neue Spielkonzepte entwickelt und ausprobiert werden, um nach Wiedereröffnung des Landestheaters nachhaltig durch ein überarbeitetes Konzept langfristig die Auslastung, auch mit jüngeren Besuchern zu sichern. Dass damit eine erhebliche Reduzierung des aktuellen Spielbetriebs des Landestheaters verbunden ist, liegt auf der Hand, lässt sich aber nicht vermeiden.
Es ist absehbar, dass der vom Stadtrat selbstgesteckte Rahmen von 6 Millionen € für eine Interimsspielstätte, die kein Zelt ist, nicht gehalten werden kann. Realistisch scheinen mindestens 8 bis 10 Millionen € zu sein. Dies bedeutet, dass neben der Erhöhung des laufenden Verlusts jährlich mindestens weitere 2 bis 2,5 Millionen € aus Steuergeldern der Stadt für einen Zeitraum von 4 Jahren für das Landestheater bereitgestellt werden.
Eine derartige, haushalterische Bevorzugung einer relativ kleinen, jedoch durchsetzungsstarken Bevölkerungsgruppe gegenüber allen anderen sozialen Errungenschaften in Coburg ist den Bürgern nicht mehr vermittelbar.
Der Bürger unterscheidet auch nicht danach, wie hoch der Anteil der Stadt Coburg und der des Freistaats Bayern ist, da es sich letztendlich um die Steuergelder aller Bürger handelt. Gleichzeitig sollte mit dem Freistaat Bayern darüber verhandelt werden, dass dieser sich an den fortlaufenden Betriebskosten während der Renovierung des Landestheaters mit einem höheren Anteil beteiligt, wenn man gleichzeitig die Kosten einer fixen Interimsspielstätte einspart. Dies dürfte sowohl für die Stadt als auch den Staat finanziell günstiger sein.
Um die vorhandenen Überkapazitäten während der Renovierung des Landestheaters sozialverträglich zu nutzen, könnte man - je nach Konzeptentwicklung - zumindest teilweise den Mitarbeitern des Landestheaters anbieten, während der Dauer der Renovierung auch Engagements an anderer Spielstätten wahrzunehmen und sich diese auf die Entlohnung anrechnen zu lassen, verbunden mit der Zusage, dass mit Wiedereröffnung des Landestheaters die bisherigen Arbeitsverträge wieder in Kraft treten. Denn rechtlich dürften aufgrund der Schließung des Landestheaters für den Zeitraum von wenigstens 4 Jahren u.U. sogar betriebsbedingte Kündigungen möglich sein, was jedoch keinesfalls Ziel dieses Antrags ist, nur um dies vorsorglich klarzustellen.
Nachdem nunmehr die selbst vom Stadtrat im Dezember 2016 gesetzte Obergrenze von 6 Mio. € gemäß der Beschlussvorlage I./9. wieder aufgehoben werden soll, ist das Maß des finanziell Erträglichen überschritten, so dass auch diese Alternative ernsthaft untersucht werden muss."
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