"Ich wäre sehr glücklich, wenn wir am Ende der Saison den direkten Klassenerhalt schaffen würden". Matthias Rödel ist Realist. Er kennt die Kreisliga Coburg aus dem Effeff und schätzt die Situation seiner Mannschaft nüchtern ein. Mehr sei für die TSG Niederfüllbach nicht möglich. Es sei denn, er hätte jede Woche seine Wunschelf am Start.
Übrigens Wunschelf: Im Tageblatt-Interview verrät uns "Pepper", so seit Jahren Rödels Spitzname in Kicker-Kreisen, die Namen seiner besten Kreisliga-Spieler. Allerdings schränkt der Fast-Fünfziger, der frühmorgens regelmäßig die Post in Sonnefeld austrägt, sofort ein: "Es gibt so viele gute Spieler in der Kreisliga, da kann man schnell einen vergessen".

Hallo Herr Rödel, was für ein Kick! 4:3 gegen Neustadt - was war denn am Sonntag in Niederfüllbach los?
Matthias Rödel: Das war schon ein verrücktes Spiel. Hätte mir einer nach dem 1:3 gesagt, das wir dieses Spiel noch drehen, vor allem nachdem wie die Tore gefallen sind, dem hätte ich niemals geglaubt. Aber das ist halt Fußball. Ein Anschlusstor und auf einmal fängt die eine Mannschaft an nervös zu werden und die andere wächst über sich hinaus. Zudem hatten wir ja "Bum-Bum-Fischer", der mit drei Gewaltschüssen großen Anteil am sicher nicht unverdienten Sieg hatte.

Und dieser Dreier war wichtig für die TSG, denn nach dem durchwachsenen Auftakt in die Serie droht nachwievor die Abstiegszone.
Der Sieg war unheimlich wichtig, denn dadurch sind wir punktemäßig bis auf zwei Zähler an Platz 6. Hoffentlich gibt uns der Dreier vom Wochenende soviel Selbstvertrauen, dass wir auch in Staffelstein etwas Zählbares mit nach Hause bringen.

Ist die Kreisliga exakt die richtige Liga für Niederfüllbach oder da ist auf Sicht sogar mehr möglich?
Wenn wir den kompletten Kader, den die TSG hat, Woche für Woche zur Verfügung hätten, dann schon. Das ist ein Wunsch, der aber nicht in Erfüllung gehen wird. Aus Studiumsgründen, krank- und verletzungsbedingten Ausfällen sowie Urlaubern ist das nicht machbar.

Wer sind Ihrer Meinung nach die besten Spieler in dieser Klasse? Nennen Sie doch einmal Ihre Wunschelf im 4:3:3-System.
Es gibt so viele gute Spieler in der Kreisliga, die auch etliche Klassen höher spielen könnten. Und solche Spieler hat fast jede Mannschaft in dieser Liga. Darum ist es in dieser Liga auch sehr spannend, denn es kann je nach Tagesform jeder, jeden schlagen.
Sie haben selbst viele Jahre auf hohem Amateurniveau gespielt, waren als Rechtsaußen gefürchtet. Waren Sie damals auf dem Sprung ins Profilager, gab es Anfragen?
Als ich 19 war hatte ich ein Probetraining beim Club. Ich spielte damals in der Oberfrankenauswahl in Erlangen. Und da schaute Dieter Nüssing zu. Daraufhin wurde ich eingeladen. Das Training war natürlich ein Erlebnis. Ich hätte dann einen Amateurvertrag erhalten. Ich sollte beim nächsten Bundesliga-Heimspiel kommen. Da war ich aber leider verhindert,und man wollte dann telefonisch einen neuen Termin ausmachen, der aber dann nicht zustande kam. Der Club hat sich nicht mehr gemeldet.
Daraufhin wechselte ich dann 1991 von der DJK Coburg zum VfL Frohnlach, bei dem ich eine richtig geile Zeit hatte. Da kam es öfters auch zu Freundschaftsspielen gegen den Club.

Zu Ihrer Zeit gab es noch etliche Großsponsoren wie Willi Schillig oder Alois Dechant, um nur zwei zu nennen. Fehlen solche Typen heute? Gibt es auf kurz oder lang wieder einmal einen Bayern- oder vielleicht sogar Regionalligisten im Kreis Coburg?
Die Zeit in Frohnlach werde ich nie vergessen. Das war damals immerhin die dritthöchste Spielklasse. Ohne Sponsoren wie Willi Schillig wäre das niemals möglich gewesen. Er war einfach vom Fußball besessen. Ob solche Zeiten noch einmal im Fußball im Coburger Raum geschehen, steht in den Sternen. Schön wäre es auf jeden Fall.

Die Fragen stellte
Christoph Böger