Coburg
Prestigeduell

Das "Geheule" gegen die "Wölfe" hört nicht auf

Auch im zehnten Vergleich mit Rimpar gab es für den HSC Coburg keinen Sieg. Jan Gorr erklärt, weshalb die Roten Karten des Gegners kein Vorteil waren.
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Der nach längerer Verletzungspause ins HSC-Tor zurückgekehrte Jan Kulhanek sitzt enttäuscht nach dem Derby auf der Coburger Reservebank.Iris Bilek
Der nach längerer Verletzungspause ins HSC-Tor zurückgekehrte Jan Kulhanek sitzt enttäuscht nach dem Derby auf der Coburger Reservebank.Iris Bilek
Es ist wie verhext: Der HSC 2000 Coburg kann gegen die "Wölfe" einfach nicht gewinnen. Auch in der neunten Liga-Auflage dieses prestigeträchtigen Frankenderbys behielten die Rimparer nach einer umkämpften Begegnung mit 31:29 (15:14) knapp die Oberhand - und bleiben damit gegen den ambitionierten Bundesliga-Absteiger unbesiegt.
Für Rimpars Trainer Matthias Obinger war am Samstagabend der Grund glasklar. Schenkt man dem DJK-Coach Glauben, so war er in der Halbzeitpause mit ganz wenigen Worten ausgekommen: "Die Spieler standen in der Kabine vor mir - und ich hatte Gänsehaut", berichtete Obinger: "Wer in ihre Augen geschaut hat, der hat gewusst, wer hier als Sieger vom Platz geht. Und das ist keine Phrase."
Sein Gegenüber Jan Gorr zeigte sich hingegen enttäuscht, dass "wir uns nicht zumindest mit einem Punkt belohnt haben, wenn wir zum Schluss in Ballbesitz sind und das Ding für uns machen können."


Einfach geiler auf das Derby"

"Rimpar ist einfach geiler auf dieses Derby. Sie haben mehr Bock auf diesen Vergleich und damit auch immer den größeren Siegeswillen", mutmaßt dagegen ein erfahrener Reporter der Mainpost, der seit Jahren die Rivalität dieser beiden Klubs verfolgt. Coburg fiebere anscheinend mehr den Duellen gegen Erlangen entgegen.
Auch deshalb würden Fan-Aktion wie der "Schnipsel-Regen" nach dem ersten Coburger Tor seiner Meinung nach eher die "Wölfe" als die Coburger Spieler anspornen. Da gibt ihm Obinger durchaus Recht: "Die Unterbrechung durch die Papierschnipsel trug nicht gerade zur Konzentration bei. Aber da haben die Fans eher der eigenen Mannschaft einen Bärendienst erwiesen. Wir sind damit ganz locker umgegangen."


Mit 2638 Zuschauern ausverkauft

Als aus dem HSC-Block ein schwarz-gelber Konfettiregen auf den Hallenboden niedersegelte, unterbrachen die im weiteren Verlauf viel Unmut auf sich ziehenden Schiedsrichter aus Berlin das Spiel. Helfer mussten das Spielfeld von den Plastikschnipseln freikehren. Später mussten die Wischer noch ein zweites Mal ran. Da wollten die Wölfe scheinbar nicht hintenanstehen: Auch sie räumten vor 2638 Zuschauern in der ausverkauften s.Oliver Arena etwas Schwarz-Gelbes aus dem Weg, nämlich die ersatzgeschwächte Coburger Sieben. So viele Zuschauer kamen in dieser Serie noch nicht in die HUK-Arena (Rekord: 2397 gegen Essen).


Durch "Hurensohn" motivierter

Für Rimpars Torwart Max Brustmann, der über Beleidigungen wie "Hurensohn" durch wenige unverbesserlichen HSC-Fans nur noch schmunzelt und sich dadurch zusätzlich motiviert, war das überragende Unterzahlspiel seiner Vorderleute entscheidend: "Die zwei Kontertore bei Vier gegen Sechs waren ausschlaggebend."
Für die meisten der rund 300 mitgereisten Coburger Fans waren dagegen die zweifelsohne nicht weg zu diskutierenden Personalsorgen der Coburger der entscheidende Faktor für den erneuten Rückschlag: "Von der Bank kommt derzeit eindeutig zu wenig Entlastung. Wir haben kaum Alternativen", sagt zum Beispiel Torsten Donau, der trotz der Rückkehr von Jan Kulhanek ins HSC-Tor weitere Punktverluste bis Weihnachten befürchtet. Der treue HSC-Anhänger hatte schon vor dem Derby die Befürchtung, dass es im schlimmsten Fall bis Weihnachten zu einem Zwischenstand von 19:19 Zählern für die Gorr-Truppe kommen kann, wenn sich das Lazarett nicht lichtet. Und das Restprogramm in der Vorrunde hat es schließlich in sich: Am Samstag kommt Nordhorn-Lingen nach Coburg, dann muss der HSC zum TV Emsdetten - beides aktuelle Tabellennachbarn -, ehe Spitzenreiter Bergischer HC zwei Tage vor Heiligabend seine Visitenkarte in der Vestestadt abgibt.


"Coburg soll nicht rumjammern"

"Coburg soll nicht rumjammern", stellte ein begeisterter Wölfe-Fan bei einem versöhnlichen Bierchen in lockerer Runde mit einigen Coburger Anhängern nach dem Spiel unmissverständlich fest. Schließlich hätte Rimpar doch eindrucksvoll gezeigt, wie man mit personellen Rückschlägen umgehen muss. Damit spielte er vor allem auf die aus Rimparer Sicht umstrittenen Roten Karten gegen die beiden DJK-Leistungsträger Schmitt (36.) und Kraus an, die nur vermeintlich ein Nachteil für die Hausherren waren.


Gorr: Halle wurde dadurch wach

"Die Halle ist dadurch so richtig wach geworden, Rimpar hat noch mal eine Schippe draufgepackt", bemerkte auch HSC-Coach Gorr. Und Obinger fand, dass die Feldverweise eher ein Weckruf für sein Team gewesen seien. Für Abwehrchef Schmitt sprang nämlich der erst 20-jährige Philipp Meyer in die Bresche. Er läuft normalerweise für den Wölfe-Unterbau in der Bayernliga auf. "Da kommen National- und Bundesligaspieler auf ihn zu - und er macht's einfach gut, weil er mit Begeisterung und Leidenschaft bei der Sache ist", lobte Obinger das Nachwuchstalent: "So ein junger Kerl muss vor der Kulisse bei diesem knappen Spielstand damit erst mal fertig werden."
Das zeichne allerdings die ganze Mannschaft aus, die in dieser "Derby-Schlacht" cool geblieben sei. Im Gegensatz zum HSC, dem trotz des deutlich routinierteren Spielermaterials gerade in der Schlussphase die Cleverness fehlte. "Oder die Konzentration", wie ein Fan nüchtern resümierte. Die hätte nämlich bei nachlassender Kondition im entscheidenden Moment gefehlt. Die Verschnaufpausen für die etablierten Spieler seien schließlich in diesem nervenaufreibenden Duell eindeutig zu kurz gewesen. jr/ct
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