Coburg
Aktion

Coburger Studenten wollen etwas tun, nicht nur zuschauen

Sieben junge Leute haben das Projekt "F.E.E.L.-Effect" gegründet. Damit wollen sie in Griechenland und Serbien Geflüchteten und Helfer unterstützen.
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Sie wollen nicht mehr nur zuschauen, was in Griechenland und auf der Balkanroute mit Geflüchteten passiert, sondern selbst anpacken (von links): Katharina Waldinger, Alexander Kreysig, Barbara Steidl, Maximilian Behrens, Laura Gali, Johannes Kobras und Henning Busch. Foto: privat
Sie wollen nicht mehr nur zuschauen, was in Griechenland und auf der Balkanroute mit Geflüchteten passiert, sondern selbst anpacken (von links): Katharina Waldinger, Alexander Kreysig, Barbara Steidl, Maximilian Behrens, Laura Gali, Johannes Kobras und Henning Busch. Foto: privat
Was treibt ehemalige und Noch-Studierende der Hochschule Coburg dazu, sich zehn Wochen lang in eine Situation zu begeben, die weder komfortabel noch erholsam sein wird? "Ich möchte nicht mehr untätig in Deutschland mein privilegiertes Leben führen, während Menschen auf dem Weg nach Europa ums Leben kommen und menschenunwürdige Umstände aushalten müssen", sagt Johannes Kobras. So denken auch sechs seiner Kommilitonen. Zusammen haben sie das Projekt "F.E.E.L. (Fellowship - Equality - Engagement - Liberation)-Effect" gegründet und fünf von ihnen machen sich Ende September/Anfang Oktober auf den Weg ins griechische Thessaloniki.

Sie fahren über Land und möchten am liebsten gleich Hilfsgüter für die Geflüchteten mitnehmen. Dazu brauchen sie einen Kleintransporter, den sie momentan noch nicht haben. Nun hoffen sie auf Hilfe. "Wir suchen nach einer kostengünstigen Variante, ein Fahrzeug zu leihen oder auch zu kaufen." Denn die Studierenden werden ihre Hilfsaktion selbst finanzieren müssen - von den Fahrtkosten, über die Unterkunft bis hin zur Verpflegung. Teilweise haben sie sich das Geld, das sie benötigen, durch Jobs während des Studiums erarbeitet, sind aber dennoch auch auf Spenden angewiesen.

Die ersten vier Wochen wollen sie in Griechenland verbringen. "Wir möchten Teil eines Hilfsprojekts sein. Deshalb haben wir mit dort bereits tätigen Organisationen Kontakt aufgenommen", erläutert Johannes Kobras und Laura Gali ergänzt: "Uns ist es wichtig, da etwas zu tun, wo wir wirklich gebraucht werden. Das kann in der Küche, bei Transportdiensten oder in einem Warenhaus sein."

Nach Thessaloniki geht es dann weiter nach Serbien. "Da ist unser Ziel noch nicht so konkret", sagt Maximilian Behrens. "Auf jeden Fall wollen wir uns aber auf der Balkanroute bis zu den geschlossenen Grenzen bewegen." Aus Sicherheitsgründen haben sich die jungen Leute bewusst gegen einen Einsatz in Ungarn entschieden. Aus Serbien habe es bislang noch keine negativen Meldungen gegeben, stellt Laura Gali fest.

Zu Hilfsorganisationen dort haben die Studierenden auch schon Kontakt aufgenommen. Weil die aber immer wieder umziehen müssten, werde die Aufgabenstellung der Gruppe aus Coburg wohl erst in Griechenland konkrete Formen annehmen können.

Zwei Wochen sind für die Hilfsprojekte auf der Balkanroute eingeplant, die verbleibenden vier Wochen wollen die fünf Kommilitonen dazu nutzen, ihren eigenen Fragestellungen nachzugehen. Johannes Kobras interessiert sich dafür, wie es um die Menschenrechte an den EU-Außengrenzen steht und wie das Recht auf Asyl umgesetzt wird. Darüber werde er auch seine Bachelorarbeit schreiben, sagt er. Laura Gali interessiert sich vor allem für die Situation der Kinder, unter anderem Aspekte wie Kinderrechte, Möglichkeiten und Freizeitgestaltung. Max Behrens betreut seit zwei Jahren junge Afghanen aus einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Jugendliche in Coburg. "Ich möchte wissen, wie sich die Situation der Geflüchteten darstellt, seitdem Länder wie Ungarn und Kroatien ihre Grenzen geschlossen haben."


Eindrücke im Blog

Ihre Erfahrungen, Eindrücke und Erkenntnisse geben die Studierenden in einem eigens dafür eingerichteten Blog wieder. Unter www.feeleffectblog.wordpress wird es aktuelle Beiträge geben. Schon heute kann man dort auch ihr Konzept und ihre Beweggründe nachlesen. "Wir freuen uns über viele Leser und Unterstützer", betont Laura Gali.

Um als gemeinnütziger Verein Spenden entgegennehmen zu können, haben sich "F.E.E.L Effect"-Teilnehmer unter das Dach des Coburger Vereins "Schmetterlingseffekt" begeben. Sie wollen aber auch selbst noch etwas tun und bieten im Vorfeld einige Veranstaltungen an. So wird es bei der freien Uni des Vereins Alternative Kultur am Mittwoch, 13. September, im Veranstaltungsraum Hintere Kreuzgasse 3 einen Vortrag zum Thema Schließung der Außengrenzen geben. Am Freitag, 22. September, spielen in der Sonderbar die Coburger Bands "Stolen twice" und "Revolution per midnight" sowie die Münchner Formation "So not seventy". Außerdem werden die Studierenden ihr Projekt in der Internationalen Woche am Stand von "Kochen für Weltbürger" präsentieren. "Wir freuen uns über jegliche Art der Unterstützung", sagt Johannes Kobras.


Die Gruppe und ihr Projekt

F.E.E.L.-Effect Der Gruppe gehören sieben Studierende der Hochschule Coburg an: Laura Gali, Katharina Waldinger, Barbara Steidl, Johannes Kobras, Maximilian Behrens, Alexander Kreysig und Henning Busch. Fünf von ihnen machen sich auf den Weg nach Griechenland und Serbien, zwei unterstützen das Ganze von zu Hause aus, übernehmen die Öffentlichkeitsarbeit und dienen als "Notanker".

Spenden Die jungen Leute sind dringend auf Spenden angewiesen. Sie brauchen einen kostengünstigen Transporter (zum Ausleihen oder Kaufen), aber auch Geld. Dieses kann auf das Konto des Vereins Schmetterlingseffekt, IBAN: DE75 7836 0000 0003 9389 99 bei der VR-Bank, Verwendungszweck: FEEL-Effect, eingezahlt werden.

Kontakt The.feel.effect@gmail.com, www.feeleffectblog.wordpress oder bei Facebook unter F.E.E.L.-Effect.
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